Stickoxid und Feinstaub Stellungnahme von Lungenärzten soll Rechenfehler enthalten

Seit Wochen steht ein von mehr als 100 Lungenärzten unterschriebenes Dokument in der Kritik, das die Abgasgrenzwerte angreift. Der "tageszeitung" zufolge hat nun der Initiator mehrere Fehler eingestanden.
Demonstrantin gegen Fahrverbote

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Foto: Lino Mirgeler/ dpa

Etwa hundert Lungenärzte hatten im Januar die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide für aus der Luft gegriffen erklärt. Nun hat der Initiator der vieldiskutierten Stellungnahme laut einem Bericht der Berliner "tageszeitung " ("taz") selbst schwere Mängel an dem Dokument eingeräumt.

Das Papier, mit dem die geltenden Grenzwerte infrage gezogen wurden, enthalte mehrere Rechen- und Zahlenfehler, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Hauptautor Dieter Köhler. Falsch sei unter anderem die Berechnung, mit der er die Stickstoffdioxidbelastung aus dem Straßenverkehr mit der durch das Rauchen vergleicht.

In der Stellungnahme der Ärzte heißt es laut "taz", ein Raucher atme in wenigen Monaten die gleiche Stickoxidmenge ein wie ein 80-jähriger Nichtraucher, der sein Leben lang Außenluft im Grenzwertbereich einatme. Tatsächlich aber werde bei Stickstoffdioxid - auf diesen Wert bezieht sich der Vergleich laut Köhler - eine vergleichbare Menge in sechs bis 32 Jahren aufgenommen.

Lesen Sie hier: Ein Pro und Kontra zwischen der Umweltepidemiologin Barbara Hoffmann und dem Lungenfacharzt Dieter Köhler.

Der große Fehler soll durch eine fehlerhafte Umrechnung und einen falschen Ausgangswert zustande gekommen sein. Die Varianz ergebe sich daraus, dass es im Zigarettenrauch keinen einheitlichen Wert für den Anteil von Stickstoffdioxid (NO2) an Stickoxid (NOx) gebe, hieß es unter Berufung auf Köhler.

Auch eine Berechnung zur Feinstaubkonzentration soll um den Faktor 10 verkehrt sein. "Das ist bisher noch niemandem aufgefallen", zitiert die "taz" Köhler. Der Fehler gehe auf den Kondensat-Wert der Zigaretten zurück, den er mit 10 bis 25 Milligramm pro Zigarette angab. Tatsächlich gelte seit 2004 in der EU ein Kondensat-Grenzwert von 10 Milligramm pro Zigarette, der Durchschnittswert liege darunter.

Trotz dieser dem Bericht zufolge begangenen Fehler rückt der pensionierte Lungenarzt, der vor mehreren Jahren Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie war, offenbar nicht von seiner Position ab. Die Größenordnung sei weiter richtig, zitiert die "taz" den Pulmologen, der selbst nur wenig wissenschaftliche Expertise zum Thema Stickoxid vorzuweisen haben soll.

Zuletzt war die Kritik an den Aussagen in dem Papier größer geworden. Ein Epidemiologe hatte etwa erklärt, Köhler und seine Mitunterzeichnenden behaupteten etwas, das schlüssig klingt, aber bei näherer Betrachtung nicht weiter belegt wird.

Das Bundesumweltministerium wies darauf hin, dass es sich bei dem Papier um "keine wissenschaftliche Studie" handle, sondern zunächst nur um eine "Erklärung einzelner Ärzte, Therapeuten und Ingenieure".

apr
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