Stiftung Warentest Viele Fahrradhelme bieten zu wenig Schutz

Fahrradhelme sollen Leben retten, doch verlässlichen Schutz bieten offenbar die wenigsten: Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest konnten nur 3 von 18 Modellen überzeugen. Ein hoher Preis garantiert dabei keine Sicherheit.

DPA

Viele Fahrradhelme schützen den Kopf bei einem Aufprall zu wenig. Das ist das Ergebnis eines Tests der Stiftung Warentest. Die Prüforganisation hat in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins "test" 18 Fahrradhelme untersucht - nur drei schnitten dabei mit "gut" ab.

Testsieger ist laut Stiftung Warentest das Modell Melon Urban Active zum Preis von 70 Euro, das über eine gute Stoßdämpfung und eine akzeptable Lüftung verfüge. Danach folgt der 80 Euro teure Ked Crom, der leicht zu handhaben sei und Stöße gut dämpfe. Das Modell Nutcase Street Gen3 für ebenfalls 80 Euro sei zwar vergleichsweise schwer, lande wegen seiner guten Dämpfeigenschaften und einem guten Magnetverschluss aber auf dem dritten Platz.

Mit lediglich 3 "gut" von insgesamt 18 bewerteten Helmen fällt die Bilanz der Tester beim aktuellen Test dürftig aus. 13 Modelle waren demnach "befriedigend", zwei weitere nur "ausreichend" - davon zählte einer der Testversager mit einem Preis von 120 Euro zu den teuersten Modellen in der Untersuchung. Die Note "sehr gut" gab es gar nicht.

Neues Testverfahren mit strengeren Anforderungen

Im Jahr 2012 erhielten noch neun von 16 Modellen als Urteil "gut" - was jedoch nicht bedeutet, dass die Sicherheit der Helme grundsätzlich nachgelassen hat. Denn die bisher in der Branche üblichen Normprüfungen bezögen wichtige Unfallrisiken zu wenig ein, so die Tester. "Neue Studien haben aber gezeigt, dass nicht nur die Stärke eines Stoßes ursächlich für Kopfverletzungen ist, sondern auch die Art und Dauer des Aufschlages. Daher haben wir unser Testverfahren an das reale Unfallgeschehen angepasst", sagt Ralf Gaida, Projektleiter bei der Stiftung Warentest. Beispielsweise seien nun auch die auftretenden Rotationskräfte und der zeitliche Verlauf der Krafteinwirkungen auf den Kopf berücksichtigt worden.

Dazu seien die Modelle auf einen Norm-Prüfkopf gesetzt worden, der mit Geschwindigkeiten von 21,6, 19,5 und 16,5 Kilometern pro Stunde auf einen flachen und kantigen Stahlsockel aufschlägt. Im Test flossen verschiedene Prüfkategorien unterschiedlich stark in die Wertung ein:

  • Unfallschutz machte die Hälfte der Wertung aus. Dabei wurden unter anderem die Stoßdämpfung der Helme gewertet - erstmals auch erweitert um die Rotationsbeschleunigung.

  • Handhabung und Komfort machten 30 Prozent aus. Wichtige Aspekte waren hier unter anderem, wie gut der Helm der individuellen Kopfform angepasst werden kann, und wie gut er den Schopf belüftet.

  • Hitzebeständigkeit und Schadstoffe gingen jeweils zu zehn Prozent in die Wertung mit ein. Erfreulich ist den Testern zufolge, dass keiner der Helme negativ bei der Schadstoffprüfung auffiel.

Keiner der getesteten Helme bestand die neue "erweiterte Stoßprüfung" mit "gut". Die besten Exemplare im Test meisterten sie immerhin "befriedigend". Doch egal ob "gut" oder "befriedigend" als Urteil, am Ende gelte: Jeder Helm mindere das Verletzungsrisiko deutlich gegenüber dem Fahren ohne Helm, so die Prüfer.

smh/dpa



insgesamt 92 Beiträge
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kugelsicher, 30.07.2015
1. Nein,
das ist keine subkutane Maßnahme um den Deutschen eine Helmpflicht überzustreifen. Das ist einfach ein Test. Nur für den Fall, dass dieser Argwohn gleich wieder, wie schon oft, hier kommt.
snetrem 30.07.2015
2. Beziehungen
Hoffentlich haben die investigativen Journalisten des Spiegel auch mal geprüft, welche Beziehungen es zwischen der "Intelligent Mobility GmbH" - dem Hersteller des Testsiegers und der "pemag Treuhand AG" gibt, deren Firmenlogo im Bild auf dem Teststand zu sehen ist. Oft lassen sich die Testkriterien und Testsiege bei der Stiftung nämlich auf eine Art erklären, die wenig mit ihrem eigentlchien Auftrag zu tun hat. Aber wer legt sich schon mit der allmächtigen Stiftung an...
casparman 30.07.2015
3. Tja...
... jeder der halbwegs intelligent ist weiss, dass lediglich Vollintegralhelme guten Schutz bieten, alles andere ist völliger Mumpitz und schützt den Kopf allenfalls vor ner kleinen Platzwunde wenn man aus dem Stand umfällt... Denn die wirklich ernsten Kopfverletzungen betreffen Kiefer-, Wangen- und Nasenknochen sowie den Nacken und die Schädelbasis... oder warum tragen Motorrad- und Mountainbiker wohl Vollintegralhelme? Diese Art von Fahrradhelm wird lediglich für Menschen hergestellt, die alles fressen, was ihnen die Industrie hinwirft...
3-plus-1 30.07.2015
4. Placebo-Vergleich
Entweder ein Helm bietet vernünftigen Kopfschutz bei Stürzen oder er taugt für körperliche Anstrengung (Hitzeabfuhr). Erstes bieten Motorradhelme, denn die können auch fast ganz dicht sein, da sich der Fahrer bei weitem nicht so anstrengt, wie auf dem Fahrrad, und die Luft durch den Fahrtwind reingepustet wird. Jetzt hat aber manch Radler eine irrationale Angst, wenn er mit dem Rad die selbe Geschwindigkeit erreicht, wie beim 100m Lauf. Dafür baut nun eine Industrie Styroporhütchen, die ein Gefühl vermitteln sollen ohne zum Hitzeschlag zu führen. Bei Stürzen helfen ist unter den Voraussetzungen kaum möglich, eher wird der Hebel auf die Nackenwirbelsäule durch die Kopfumfangvergrößerung erhöht. Richtig gefährlich wird der "Fahrradhelm" dann aber, wenn er so ein aerodynamisches "Bürzel" hinten hat. Wenn man damit nämlich in der Kurve den Reifenkontakt verliert und auf dem Rücken über den Boden rutscht, wird es RICHTIG gefährlich für die Wirbelsäule. Es gibt schon einen Grund warum (gute) Motorradhelme hinten glatt und rund sind: Sie sollen auf dem Asphalt gleiten. Und noch etwas zu dem Vergleich Motorrad und Fahrradhelm: Fahrradhelme, die spektakulär zerbrechen, zeigen damit NICHT, dass sie vor schweren Verletzungen geschützt hätten sondern nur, dass sie brüchig wie ein Baise waren, um weiter die Angst der Träger zu schüren. Echte (!) Helme sind so konstruiert, dass die Aussenschale nahezu nie zerbricht (und dass Innematerial die Kraft aufnimmt)
kugelsicher, 30.07.2015
5. falsche Verleumdung
Zitat von snetremHoffentlich haben die investigativen Journalisten des Spiegel auch mal geprüft, welche Beziehungen es zwischen der "Intelligent Mobility GmbH" - dem Hersteller des Testsiegers und der "pemag Treuhand AG" gibt, deren Firmenlogo im Bild auf dem Teststand zu sehen ist. Oft lassen sich die Testkriterien und Testsiege bei der Stiftung nämlich auf eine Art erklären, die wenig mit ihrem eigentlchien Auftrag zu tun hat. Aber wer legt sich schon mit der allmächtigen Stiftung an...
Sie scheinen ja ein ganz intelligenter zu sein, zumindest was das Behauptungen aufstellen betrifft. Für das richtige Recherchieren hat es dann aber scheinbar nicht mehr gereicht. Auf der Maschine steht nicht "pemag" sondern pewag! Und das sind die hier: http://www.pewag-group.com/ Die stellen Maschinen, Schneeketten etc. her. Was diese Maschine zum Testen mit dem Testsieger Helm zu tun haben soll, dürfen sie uns ruhig erklären, anstatt halbgare Andeutungen zu machen. Und zur SW. Sie werfen ihr Korruption vor. Haben sie dafür auch nur einen stichhaltigen Beweis? Bisher hat es in all den Jahren noch keiner geschafft, der SW Käuflichkeit zu belegen. Es versucht erst keiner. Aber sie haben die Beweise? Her damit.
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