Vergleichstest An diesen Fahrradschlössern verzweifeln Diebe

Die Stiftung Warentest hat Fahrradschlösser geprüft und verglichen. Von 20 Modellen überzeugten nur fünf. Deren Preisunterschiede sind enorm.

Guido Mieth/ Getty Images

Egal ob an der Straßenlaterne oder im Keller, gegen Fahrraddiebe hilft meist nur ein gutes Schloss. Vor allem Bügel-, Falt- und Kettenschlösser versprechen Sicherheit - oft aber zu Unrecht, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt.

Die Tester haben 20 Schlösser untersucht - mit Methoden, die Fahrraddiebe nutzen: Sie traktierten die Schlösser mit Spezialwerkzeugen, Bolzenschneidern, Zangen und akkubetriebenen Winkelschleifern. Jedes vierte Schloss ließ sich dabei erstaunlich schnell knacken. Das Faltschloss Luma Carpenter und das Kettenschloss Abus Tresor hielten den Attacken nur wenige Sekunden stand.

Zusätzlich wurden die Schlösser auf Handhabung, Schadstoffe und Haltbarkeit - etwa Korrosionsbeständigkeit - untersucht.

Diese fünf Schlösser schnitten im Test mit der Gesamtnote "gut" ab:

  • Abus Granit Xplus 540/160HB2 (Bügelschloss, Note 1,6)
  • Abus Bordo Granit Xplus 6500/110 (Faltschloss, Note 1,9)
  • Decathlon B'Twin 940 (Bügelschloss, Note 2,0)
  • Abus Citychain 1010/110 (Kettenschloss, Note 2,0)
  • Kryptonite Kryptolok 990 (Bügelschloss, Note 2,0)

Gute Schlösser müssen den Testergebnissen zufolge auch keine dreistelligen Summen kosten. So liegt der Preis des Decathlon B'Twin bei 36 Euro, das Kryptolok 990 ist für rund 50 Euro zu haben. Das teuerste Modell (Abus Bordo Granit Xplus 6500/110) kostet hingegen satte 128 Euro.

Wer ausschließlich auf Diebstahlschutz setzt und weniger Wert auf Schadstofffreiheit sowie komfortable Handhabe legt, findet womöglich noch weitere geeignete Modelle. In unserer Bildergalerie haben wir die Schlösser aufgeführt, die sich laut Stiftung Warentest am schwersten knacken lassen und in dieser Kategorie Noten zwischen 2,0 und einer glatten 1,0 erzielen:

Unterm Strich lässt sich sagen, dass Gewicht vor Diebstahl zu schützen scheint. So bringen die acht besonders gut schützenden Modelle zwischen 1,3 und 2,6 Kilogramm auf die Waage.

Preisabfragezeitpunkt:
23.05.2019, 04:40 Uhr
Ohne Gewähr

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Abus Granit X-Plus 540/160
Hersteller:
Abus
Preis: 67,95 Euro

Ausgerechnet das schwerste getestete Schloss bildet eine Ausnahme - das Kettenschloss Dr. Mabuse III des Herstellers XLC. Das nach einem Literaturschurken benannte Schloss wiegt 2,9 Kilogramm - schnitt bei der Aufbruchsicherheit mit der Note 4,2 jedoch schlecht ab. Obendrein ließ es sich nach dem Korrosionstest nicht mehr öffnen.

ene

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insgesamt 56 Beiträge
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Prokrastes 24.04.2019
1. Schadstoffe?
Welche Relevanz haben "Schadstoffe" bei einem Fahrradschloss? Die Dinger sind nicht dafür gedacht, in Kleinkindermünder gesteckt zu werden, werden auch nicht zur Nahrungszubereitung verwendet und aus abgereichertem Uran dürften sie auch nicht bestehen. Wurde denn wenigstens untersucht, ob die Schlösser auch "vegan" und erdstrahlenneutral sind?
Armin2 24.04.2019
2. Test nichts wert
Testsieger bei den Faltschlössern soll das Abus Bordo Granit Xplus 6500/110 sein? Da weiß man gleich, dass man den Test in die Tonne treten kann. Mein Pedelec war mit exakt diesem Schloss gesichert. Es zu knacken hat offenbar weniger als 1 Minute gebraucht.
Freitagabend 24.04.2019
3. Vermeintliche Sicherheit
Auch die teuersten und schwersten Fahrradschlösser werden in max 1-2 Minuten mit einem Akku-Winkelschleifer durchtrennt. Da man Bügelschlösser nur sehr schwer anschliessen kann, werden die Fahrräder einfach weggetragen/weggefahren und dann abseits der Öffentlichkeit geknackt. Manchmal ist aber auch das gar nicht nötig. Es gibt genug Tests die zeigen, dass es keine Sau interessiert, ob ein Schloss in aller Öffentlichkeit geknackt/durchtrennt wird. Das einzig wirksame ist, wenn man den meist organisierten Banden auf den Pelz rückt. Das macht man mit Tracking-Technologie, die am besten im Rahmen des Fahrrads integriert ist, und durch konsequente Videoüberwachung von neuralgischen Fahrradabstellplätzen (Bahnhöfe, Unis, Innenstädte etc.). Ach ja: genug polizeiliche Planstellen und der Einsatz von modernen Technologien, um Diebstahl-Videos auszuwerten und Straftäter zu verfolgen, wäre auch nicht schlecht.
janwilhelmine 24.04.2019
4. 2 Schlösser
Noch eine Variante sind 2 Schlösser. 1 zum Anschließen des Rades und 1 zum Abschließen von Reifen mit Rahmen. Da kann auch 1 davon weniger gut sein. Hat sich bei mir mit Markenrad in Berlin unterwegs seit Jahren bewährt
wally76 24.04.2019
5. Gesamtnote?
Wen interessiert bei einem Test von Fahrradschlössern eine Gesamtnote? Wesentliches Kriterium ist die Aufbruchsicherheit und danach die Handhabbarkeit. Alles andere ist völlig uninteressant. Im Übrigen stimmt es nicht, dass man mit Bügelschlössern "fast nie" Rahmen und festen Gegenstand zusammenschließen kann. Mit dem Sattel neben einen Laternenmast oder ein Verkehrsschild gestellt, Bügel um den Pfosten und das Sitzrohr des Rahmens, passt. Leider sind die Pfosten von Verkehrsschildern leichter zu knacken als viele Fahrradschlösser. Was am Bügelschloss wirklich nervt sind Transport und Klappern.
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