Straßenverkehr Die Ampel als Auslaufmodell

Schon bald könnte das nervige Warten an überflüssigen Ampeln mancherorts der Vergangenheit angehören. Mehrere Kommunen stellen derzeit ihre Ampelanlagen auf den Prüfstand. Städte wie etwa Köln oder München treiben die Abrüstung bereits aktiv voran. Die Gründe: leere Kassen und Sicherheitsbedenken.
Ampel in Düsseldorf: Bis zu 50 Prozent könnten ersetzt werden

Ampel in Düsseldorf: Bis zu 50 Prozent könnten ersetzt werden

Foto: Martin Gerten/ dpa

Berlin - Sie sollen den Verkehr regeln, doch manche Lichtzeichenanlagen wirken eher als Schikane. So dürften zumindest diejenigen empfinden, die nachts mehrere Minuten an einer wenig befahrenen Straße an einer Ampel stehen mussten. Doch das könnte sich ändern. Verkehrsforscher registrieren eine spürbare Tendenz zu Alternativen wie Kreiseln, Zebrastreifen oder der altgedienten Rechts-vor-Links-Regel.

Deutschland habe lange auf Ampeln gesetzt, sagt der Duisburger Verkehrsforscher Michael Schreckenberg. Dabei spreche vieles gegen die Lichtzeichenanlagen, darunter die Kosten, das Gefahrenpotential und der Nutzen. Schreckenberg sagt: "Etwa 30 bis 50 Prozent der Ampeln könnten bedenkenlos ersetzt werden."

Vielerorts sei die Installation einer Ampel nicht richtig überdacht worden, kritisiert der Wissenschaftler. Außerdem seien die meisten eigenwillig geschaltet. "Die 'Grüne Welle' funktioniert nicht richtig."

Diese Ansichten scheinen bei Gemeinden nun Gehör zu finden. So hat Köln bereits in den zurückliegenden Jahren 200 Ampeln abmontiert und durch einen Kreisverkehr oder Zebrastreifen ersetzt. Dadurch konnte die Stadt nach eigenen Angaben fast vier Millionen Euro an Strom und Wartung sparen. Weitere 90 Anlagen sollen folgen. In allen größeren Ruhrgebietsstädten, darunter Duisburg und Gelsenkirchen, gibt es laut Schreckenberg ähnliche Vorhaben. In München mussten seit Anfang 2010 zehn überflüssige Ampeln weichen.

Weitere Gemeinden setzen auf das Modell Shared-Space, bei dem in bestimmten Verkehrsbereichen radikal auf sämtliche Ampeln und Schilder verzichtet wird. Nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) laufen solche Projekte in bundesweit 50 Gemeinden.

Kreisverkehr auf dem Vormarsch

Dabei war Deutschland jahrzehntelang ein strikter Verfechter der Ampel. Seit der Inbetriebnahme der ersten Lichtsignalanlage 1924 sei den Planern "scheinbar nichts Besseres eingefallen", sagt Schreckenberg. Heute sind Schätzungen zufolge bundesweit 100.000 Kreuzungen mit Ampeln ausgestattet.

Inzwischen gebe es einen "massiven Trend zum Kreisverkehr". Für dessen Bau müssten im Schnitt einmalig 200.000 Euro gezahlt werden. Die Wartung einer einzigen Ampel koste dagegen jährlich 5.000 Euro. "Man hat gemerkt, dass man dadurch jede Menge Geld sparen kann."

Zudem seien Kreisel sicherer. "Bei Ampeln geben viele Autofahrer noch mal Gas und fahren mit 70 Stundenkilometer durch", sagt Schreckenberg - auch bei Rot. Bei einem Kreisel müssten die Fahrer dagegen immer auf rund 30 Stundenkilometer abbremsen.

Rückenwind erhalten die Kommunen auch vom Fahrradfahrerclub ADFC. "Wir befürworten den Trend grundsätzlich", sagt ADFC-Verkehrsexperte Wilhelm Hörmann. Ampeln suggerierten eine "Scheinsicherheit". Kinder hätten für das Warten häufig keine Geduld und überquerten die Straße bei Rot. Die Autofahrer verließen sich dagegen zu stark auf die Verkehrsregelung. Der Sicherheitsgewinn durch Ampeln sei gering.

Aus Sicht des Automobilclubs ADAC sind Kreisverkehre zudem effizienter. Sie könnten den Verkehr vielerorts besser bewältigen, sagt ADAC-Verkehrsreferent Jürgen Berlitz. "Alles bleibt im Fluss."

Doch Verkehrsforscher Schreckenberg räumt ein: "Der Kreisverkehr ist keine Alternative für jede Kreuzung." Besonders in Stadtgebieten gebe es wegen des großen Durchmessers Platzprobleme. Auch bei mehrspurigen Straßen seien Ampeln weiterhin notwendig.

rom/dapd
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