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Studie Rinspeed Xchange: Vergesst das Fahren

Foto: Rinspeed

Studie Rinspeed Xchange Rückwärts auf der Autobahn

Autonomes Fahren ist das Zukunftsthema der Autoindustrie. Die Schweizer Firma Rinspeed hat sich deshalb überlegt, wie ein Interieur aussehen könnte, wenn der Fahrer gar nicht mehr fahren muss.

"Nicht mal fliegen ist schöner", sagt Frank M. Rinderknecht, der Chef der Firma Rinspeed aus Zumikon bei Zürich. Er spielt damit auf den Werbeslogan des seligen Opel GT an ("Nur fliegen ist schöner") und will zugleich auf die neue Kreation seines Unternehmens aufmerksam machen: die Studie "XchangE". Die Spielerei mit dem großen E am Wortende soll deutlich machen, dass es sich zudem um ein Elektroauto handelt.

Doch um Akku, E-Motor oder Reichweite geht es bei diesem Konzeptauto nicht, sondern der Wagen soll die Vision vom selbstfahrenden Auto vorantreiben. Rinderknecht erklärt es folgendermaßen: "Bis heute hat kaum jemand das Thema aus Sicht des Fahrers konsequent zu Ende gedacht. Schließlich muss ich während der autonomen Fahrt nicht weiter wie gebannt auf die Straße schauen, sondern kann mich anderweitig sinnvollen Dingen hingeben."

Das Konzeptauto ist daher mit einem neu konstruierten Gestühl ausgestattet sowie mit einem verschiebbaren Lenkmodul. Die Rinspeed-Leute denken sich das so: Wenn das Auto erst einmal kapiert hat, wohin die Fahrt gehen soll und die automatische Steuerung aktiviert ist, schiebt der Fahrer das Lenkrad in die Mitte der Armaturentafel und beginnt mit der Hingabe an die schon zitierten "anderweitig sinnvollen Dinge".

Ein Nickerchen bei vollem Tempo? In Bahn oder Jet völlig normal

Er kann die Beine übereinander schlagen, den Sitz in Lümmelposition fahren, sogar die Sitzposition um 180 Grad drehen und sich beispielsweise den Mitreisenden im Fond zuwenden. Selbstverständlich, so beteuern die Schweizer, sei der Wagen umfassend vernetzt, so sei es möglich, im Internet zu surfen, zu spielen oder "Filme in Top-Qualität" anzuschauen. Also all das, was die Leute auch in der Bahn oder im Flugzeug machen.

Und das ist genau die Frage: Warum muss es unbedingt ein autonom fahrendes Auto sein, wenn man die dadurch angeblich gewonnene Freiheit sowie längst geboten bekommt: in anderen Verkehrsmitteln nämlich. Ganz zu schweigen von den juristischen Hürden, die noch zu überspringen sind, ehe Autos mit Lenkrädern, die sich mal eben beiseite schieben lassen, zugelassen werden. Trägt nicht auch bei autonomer Fahrt der Fahrer immer die letzte Verantwortung? Wenn man jedoch mit dem Rücken zur Fahrrichtung sitzt, dürfte es schwierig sein, überhaupt etwas von dem mitzukriegen, was man gemeinhin das Verkehrsgeschehen nennt.

Die Studie "XchangE", die beim Autosalon in Genf (6. bis 16. März 2014) zu sehen sein wird, regt zweifellos die Phantasie an und zeigt ein paar schöne Ideen, wie beispielsweise Autos auf die Schnelle auf einem Parkplatz oder im Stau nach einer Vollsperrung auch als Wohn- oder Konferenzzimmer genutzt werden könnten. Das Thema autonomes Fahren als solches bringt sie allerding kaum voran.

jp