Studie zum autonomen Fahren Kunden würden Apple-Autos kaufen

Bis Autos von ganz alleine fahren, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Und die sollten vor allem die traditionellen Autohersteller nutzen, denn zumindest US-Autofahrer vertrauen bei der Zukunftstechnologie eher auf Konzerne wie Apple oder Google - behauptet eine aktuelle Studie.
Selbstfahrendes Auto: US-Kunden vertrauen auf Google und Co.

Selbstfahrendes Auto: US-Kunden vertrauen auf Google und Co.

Foto: Google/ picture alliance / dpa

Wenn Sean über seinen Toyota spricht, klingt das so aufregend wie das Anlegen einer Excel-Tabelle. "Für mich muss mein Auto nur funktionieren", sagt der Mann aus Los Angeles auf die Frage, was ihm sein Prius bedeutet. Sean arbeitet als selbständiger Texter, seine Frau als Schauspielerin. "Ich sitze gerne im Auto, aber das Fahren an sich mag ich weniger", erklärt der Endzwanziger. Führe das Auto ohne seine Hilfe, würde Sean das begrüßen. Einem per GPS, Radar und anderem technischen Schnickschnack gelenkten Wagen traut der junge Familienvater mehr, als "einem Busfahrer in Manhattan".

Sean ist einer von 32 Teilnehmern einer ausführlichen Befragung der Wirtschafts- und Beratungsorganisation KPMG. Diese interviewte Autofahrer aus den Staaten Kalifornien, Illinois und New Jersey, ob sie bereit sind, auf selbstfahrende Autos umzusteigen - und wenn ja, auf welche. Die Untersuchung ist zwar nur bedingt repräsentativ, zeigt aber einen Trend, der die etablierten Autohersteller aufhorchen lassen sollte: Technologiefirmen wie Google oder Apple genießen bei der Zukunftstechnologie ein höheres Vertrauen als BMW, Nissan oder Daimler. Zumindest Kunden in den USA würden demnach eher von Apple autonom fahrende Autos kaufen als von Audi.

Auf einer Skala von eins (niedrigstes Vertrauen) bis zehn (höchstes Vertrauen) bewerteten die Befragten die Technologiekonzerne mit acht, die Hersteller der sogenannten Premiummarken mit 7,75 Punkten - während alle anderen Autohersteller sogar nur fünf Punkte erhielten. Auch Sean bewertete Apple und Google mit voller Punktzahl.

Aufregung um das "Google-Auto"

Dabei arbeiten fast alle Autobauer akribisch am fahrerlosen Fahren. Erst kürzlich schickte Mercedes eine autonom gelenkte S-Klasse auf die rund hundert Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim. Das Flaggschiff bewältigte die historische Strecke ohne Eingriff eines Fahrers.

Vor 125 Jahren wollte die Erfinder-Ehefrau Bertha Benz, die diese Stecke mit ihren Söhnen befuhr, ihrem Mann die Alltagstauglichkeit des Motorwagens beweisen. Auch beim autonomen Fahren sieht Mercedes die Serienfertigung in greifbarer Nähe. "Der Mercedes S500 Intelligent Drive ist ein Forschungsauto - basiert in der Basis aber komplett auf Serientechnologie. Das macht mich zuversichtlich, dass das autonome Fahren bis 2020 in einem Mercedes Realität wird", sagte Daimler Entwicklungschef Thomas Weber erst kürzlich im Interview.

Mercedes' ambitionierte Pläne ändern aber nichts daran, dass die befragten Amerikaner Google und Apple derzeit noch mehr zutrauen. Im Sommer erhielt ein unbestätigter Medienbericht in der Branche höchste Aufmerksamkeit. Demnach arbeitet Google an einem eigenen selbstfahrenden Auto, statt die Technik nur in die Modelle anderer Hersteller einzubauen. Der Internetkonzern habe Gespräche mit Auftragsfertigern geführt, ein Auto nach Google-Vorgaben zu bauen, berichtete ein Technologiejournalist in seinem Blog. Zuvor hatte dieser für das angesehene "Wall Street Journal" gearbeitet.

Auto-Newcomer haben heute leichtes Spiel

Mathieu Meyer, Leiter des Automobilbereichs bei KPMG, sieht vor allem in Kooperationsmodellen zwischen Autokonzernen und Technologiefirmen die Zukunft. Dass Apple und Co. den Autobauern das Geschäft abnehmen, glaubt er nicht. Auch, wenn der Unternehmenswert von Google etwa doppelt so hoch ist wie der von Daimler. "Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen an Fahrzeuge werden IT-Unternehmen wie Google oder Microsoft es vermutlich kaum schaffen, selbstfahrende Autos komplett selbst herzustellen", sagt er. "Dazu bedarf es einfach einer langen Erfahrung. Und die haben nun einmal nur die etablierten Hersteller. Deshalb gehe ich davon aus, dass es in diesem Bereich zu Kooperationen kommen wird", sagt Meyer.

In der Tat schien es jahrelang unmöglich, zu den Top-Automarken der Welt aufzuschließen. Doch heute haben Newcomer leichteres Spiel. Aktuell zeigt das der Erfolg des Elektroauto-Bauers Tesla, der - ohne jahrzehntelange Erfahrung im Automobilbau - mehr oder weniger auf Anhieb ein Auto auf die Beine gestellt hat, dem Tester rund um den Globus großen Respekt zollen. Möglich macht weiteren potentiellen Firmenblitzstarts ein Netz an Zulieferern wie Bosch oder Continental, die schon jetzt 75 Prozent aller Teile eines Autos stellen - auch bei den sogenannten Premiummarken wie Audi, Mercedes oder BMW.

So könnte auch Google problemlos in die Fahrzeugproduktion einsteigen. Gespräche über eine nicht näher definierte Kooperation zwischen Google und dem Autozulieferer Continental führten allerdings bislang zu keinem Ergebnis. Gleichzeitig ist auch ein anderes Modell denkbar: Strebt Google tatsächlich massiv in den Autobau, dann könnte sich das Unternehmen mit seinem Kapital auch einfach einen Hersteller kaufen.

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