Sturmtief "Xaver" Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor "extremen Orkanböen", eiskalter Polarluft und zum Teil heftigen Schneefällen. Das Sturmtief "Xaver" kann für Autofahrer gefährlich werden. Das sind die wichtigsten Tipps.

DPA

Von Markus Bruhn und


Als das Sturmtief "Christian" Ende Oktober über West- und Nordeuropa jagte, entstanden allein in Deutschland Versicherungsschäden in Höhe von rund 300 Millionen Euro. Das Sturmtief "Xaver", das die Meteorologen jetzt erwarten, dürfte eine ähnliche Heftigkeit entwickeln. Von den erwarteten Orkanböen, Überflutungen und Schneefällen werden vor allem auch Autofahrer betroffen sein. "Wenn möglich sollte man während des Orkans Termine absagen und auf das Autofahren verzichten", sagt Polizeisprecherin Anke Rieken aus Cuxhaven. Falls es gar nicht anders geht - hier sind die wichtigsten Ratschläge:

Wenn Sie morgen Auto fahren müssen, sollten Sie Folgendes beachten:
- Informieren Sie sich vor dem Start über die Verkehrslage, hören Sie während der Fahrt den Verkehrsfunk.
- Die Geschwindigkeit anpassen, bei Sturmböen also deutlich drosseln und immer mit möglichst beiden Händen das Lenkrad greifen. Wird das Auto von einer Windböe erfasst, kontrolliert gegenlenken. Schon eine Windböe von 70 km/h kann ein Auto, das mit Tempo 100 unterwegs ist, um einen Meter seitlich versetzen; fährt der Wagen 130 km/h, können es um bis zu vier Meter sein.
- Erhöhte Vorsicht beim Überholen von Lkw oder Bussen. Sobald der Wagen den Windschatten des überholten Fahrzeugs verlässt, wird das Auto wieder voll vom Wind erfasst und kann seitlich versetzen. Im Zweifelsfall auf das Überholen verzichten.
- Auf besonders starke Böen sollte man auch an Waldrändern oder in Waldschneisen, auf Brücken oder Bergkuppen gefasst sein.
- Möglichst ohne Dachlasten (Fahrräder, Skiboxen) fahren, denn die erhöhen die Windanfälligkeit des Autos erheblich.
- Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa in Hamburg, weist ausdrücklich darauf hin, dass Autofahrer besonders in Ausnahmesituationen ihre in der Straßenverkehrsordnung betonte Eigenverantwortung besonders ernst nehmen sollten.

Wo können Autos während des Sturmes sicher geparkt werden?
- Am sichersten sind natürlich Garagen oder Parkhäuser. Wer das Auto im Freien abstellen muss, sollte einen Parkplatz möglichst abseits von Bäumen, Gerüsten oder Gebäuden wählen.

Wann zahlt die Versicherung bei Sturmschäden am Auto?
- Eine Vollkaskoversicherung reguliert auch Sturmschäden, die Selbstbeteiligung bleibt natürlich bestehen.
- Eine Teilkaskoversicherung reguliert Sturmschäden nur dann, wenn der Wetterdienst bestätigt, dass am Schadensort zur Schadenszeit mindestens Windstärke 8 gemessen wurde.
- Eine Haftpflichtversicherung kommt nicht für Sturmschäden auf.
- Die Karambolage mit einem bereits umgestürzten Baum oder anderen, vom Sturm auf die Straße gefegten Gegenständen, gilt als Unfall; den entstandenen Schaden reguliert allenfalls die Vollkaskoversicherung.

Wie verhält man sich bei Überflutungen von Parkflächen oder Straßen?
- Generell gilt, dass tief liegende Zonen wie Hafengebiete, Uferpromenaden oder dort gelegene Tiefgaragen bei Flut- oder Sturmflutgefahr gemieden werden sollten.
- Falls das geparkte Auto im Wasser stand, auf keinen Fall versuchen, den Motor zu starten, denn das könnte zu kapitalen Schäden führen. Stattdessen das Auto in eine Fachwerkstatt schleppen und dort auf Flutschäden untersuchen lassen.
- Bei überfluteten Straßen oder Unterführungen größte Vorsicht walten lassen. Nur dann durchs Wasser fahren, wenn man dessen Tiefe sicher abschätzen kann und weiß, dass keine Gefahr für den Motor besteht. Falls Wasser in den Ansaugtrakt und von da in den Motor gelangt, können schwere Schäden die Folge sein.
- Ganz wichtig: Wenn die Flutgefahr bekannt ist, wie jetzt beim Sturmtief "Xaver", greift selbst eine Vollkaskoversicherung bei Wasserschäden nur eingeschränkt.

Wo wird es Straßensperrungen wegen des Sturmes geben?
- Wahrscheinlich ist die Sperrung folgender Brücken in Norddeutschland:
Rader Hochbrücke (Autobahn A7)
Hochbrücke Hohenhörn (A 23)
Fehmarnsundbrücke (Bundesstraße 207)
Sobald die auf diesen Brücken aufgestellten Sensoren Windgeschwindigkeiten ab der Stärke 5 registrieren, wird zunächst stufenweise das Tempolimit gesenkt, bei den Windstärken 9 bis 11 erfolgt die Sperrung für Lkw, Pkw mit Anhänger sowie Wohnwagengespanne und ab Windstärke 12 wird die Brücke komplett gesperrt.

Welche Verbindungen werden wegen des Sturmes eingestellt?
- Nach bisherigen Informationen wird der Fährverkehr auf die Insel Juist am Donnerstag und Freitag eingestellt; die Insel Norderney wird nur noch am Donnerstagvormittag angelaufen. Auch die Fährverbindungen zu den nordfriesischen Inseln und den Halligen werden eingeschränkt.
- Der "Sylt Shuttle" der Bahn verkehrt am Donnerstag und am Freitag ebenfalls nur eingeschränkt.
- Ob die Fähre nach Hiddensee sowie die Scandlines-Fähren (unter anderem nach Dänemark) am Donnerstag und am Freitag in den Häfen bleiben, wird nach aktueller Wetterlage entschieden.

Wo gibt es aktuelle Informationen zur Straßenverkehrslage?
- Für Schleswig-Holstein:www.strassen-sh.de
- Für Niedersachsen:www.vmz-niedersachsen.de
- Für Hamburg: www.hamburg.de/verkehr-aktuell/3741520/verkehrslage-stadtgebiet.html- Für Bremen: www.vmh.bremen.de
- Für Norddeuschland: www.verkehrsinfo-nord.de

- Bundesweit: www.verkehrsinfo.de



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