Volocopter Flugtaxi-Versuch in Stuttgart geglückt

Mit dem Flugtaxi den Stau hinter sich lassen: Das soll künftig Verkehrsprobleme lösen. Wie das aussehen könnte, hat ein Testflug in Stuttgart gezeigt - allerdings ohne Menschen an Bord.

Thomas Kienzle / AFP

Er sieht aus wie ein Mix aus Hubschrauber und Drohne: In Stuttgart ist am Samstag ein sogenannter Volocopter - ein Flugtaxi - zu seinem ersten Flug in einer europäischen Innenstadt abgehoben. Gut vier Minuten lang drehte das elektrisch angetriebene Vehikel mit 18 Rotoren seine Runden - ohne Passagiere. Ein Pilot steuerte das Fluggerät vom Boden aus.

Der Flug ist Teil eines Forschungsprojekts der Landesregierung und der Stuttgarter Hochschule für Technik. Besucher sollen vor und nach dem Flug befragt werden, ob sie sich vorstellen könnten, mit einem solchen Gefährt die Taxifahrt zum Flughafen zu ersetzen. Würden die Menschen solche Flugtaxis als Transportmittel akzeptieren?

Die Antworten sind noch nicht ausgewertet. Aber an die Idee knüpfen sich verschiedene Hoffnungen und auch finanzielle Interessen.

An dem Bruchsaler Start-up ist etwa auch der Autobauer Daimler beteiligt, der hier ein Geschäft für die Zukunft sieht: "Ich bin überzeugt, dass wir auf diese Weise das Stauproblem in den Städten auf spezifischen Strecken lösen können", sagte Konzernchef Ola Källenius kurz vor dem Testflug des Volocopters.

Vision: Flugtaxis in smoggeplagten Megacities

Daimler und der chinesische Großaktionär Geely hatten kürzlich angekündigt, ihre Kooperation auf Flugtaxis auszuweiten. Dazu steigt der chinesische Konzern über eine Finanzierungsrunde bei Volocopter ein. Daimler ist bereits seit 2017 beteiligt. Die helikopterähnlichen Flugtaxis mit Elektroantrieb sollen vor allem in stau- und smoggeplagten Megacities unter anderem in China zum Einsatz kommen.

Geely und Volocopter wollen ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um Luftmobilität auch "in den wichtigen chinesischen Markt zu bringen". Geely war im Februar 2018 mit 9,7 Prozent der Anteile beim Daimler-Konzern eingestiegen und damit auf einen Schlag zum größten Aktionär geworden. Seitdem prüfen die Schwaben und die Chinesen, wie sie sinnvoll zusammenarbeiten können.

Angeführt von Geely sammelte Volocopter bei der abgeschlossenen Finanzierungsrunde 50 Millionen Euro ein, insgesamt hat die Firma bisher damit 85 Millionen Euro von Investoren erhalten. Die Gründer bleiben Hauptanteilseigner. Gegen Ende des Jahres will Volocopter weiteres Geld einwerben. Das Unternehmen ist nicht das einzige, das die Vision fliegender Taxis verfolgt.

"Nichts bewegt so viel wie attraktive Bilder für die Zukunft"

Der Volocopter hatte seinen komplett autonomen Jungfernflug vor zwei Jahren in Dubai absolviert. Für einen kommerziellen Betrieb fehlt bisher noch die Genehmigung. Volocopter-Chef Florian Reuter rechnet damit in zwei bis drei Jahren. Flüge ohne Pilot dürften noch länger auf sich warten lassen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wirbt jedenfalls kräftig mit. "Natürlich wäre das auch für mich ein optimales Gerät", sagte er. Für den Moment sei er froh, dass Menschen solche Ideen hätten. "Nichts bewegt so viel wie attraktive Bilder für die Zukunft."

insgesamt 89 Beiträge
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soerensen 14.09.2019
1. "das Stauproblem auf spezifischen Strecken"
Könnte man auch mit den von Daimler hergestellten Bussen lösen.
bernhard.geisser 14.09.2019
2. Lärmwerte?
Im Video hatte ich den Eindruck dieser eine Volocopter macht Lärm wie ein dichtbefahrene Bundesstrasse. Wäre interessant gewesen ob beim Testflug Lärmmessungen gemacht wurden und mit welchem Resultat in Bezug auf Lärmgrenzwerte.
urmel_99 14.09.2019
3.
Zitat von soerensenKönnte man auch mit den von Daimler hergestellten Bussen lösen.
Ich finde es wieder toll... Immer motzen die Leute über "hundert Jahre alte Technologie", die die Auto-Industrie herstellt. Nun bringen sie Innovationen, und es wird die uralte Technologie herbeigesehnt... Aber ich bin überzeugt davon, dass Sie Recht haben. Irgendwann wird es für den Pöbel fliegende Busse (von VW oder Dacia) geben. Die anderen fliegen dann mit "SUVs", und über die wird dann genauso hergezogen wie heute über die fahrenden SUVs. Merke: Das Problem ist nicht die Technik, sondern der Mensch!
timetostandup 14.09.2019
4. energietechnisch ist das Blödsinn
ein wie auch immer geartetes Fluggerät verbraucht - alleine um die Höhe zu halten - ein vielfaches der Energie eines Mobils das sich auf dem Boden fortbewegt. Den geringsten Fahrwiderstand hat ein Zug auf Bahngleisen, energieeffiziente Fortbewegungsmittel sollten also sprichwörtlich am Boden bleiben. Gerade angesichts der Erkenntnis dass es keinen Planeten B gibt, sollte sich die Energie der Ingenieure auf effiziente Fortbewegung konzentrieren und nicht auf elitäre Egoistenlösungen für abgehobene Politiker und Vorstände.
claus7447 14.09.2019
5. Klar ....
Zitat von soerensenKönnte man auch mit den von Daimler hergestellten Bussen lösen.
... man kann auch die Entwicklung den Chinesen oder anderen überlassen.
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