Supercar-Clubs Prunk auf Pump

Mein Haus, mein Boot, mein geborgter Luxusschlitten: PS-Protze auf Pump sind die Geschäftsidee sogenannter Supercar-Clubs, von denen jetzt gleich zwei in Deutschland eröffnet haben. Sie bieten ihren Mitgliedern Edelkarossen auf Leihbasis.

Von Jürgen Pander


"Luxus genießen, ohne ihn zu erwerben" ist das Leitmotiv des Celerity Clubs, der am Kurfürstendamm residiert und mit einer Lounge im Berliner Autoforum Meilenwerk vertreten ist. Gegründet wurde der Car-Sharing-Club von Thomas Lach, ehemals Vizepräsident der Softwarefirma SAP.

Der Club richte sich an einen "handverlesenen Kreis von Menschen", heißt es auf der Internet-Seite, die Mitgliederzahl ist auf 200 begrenzt. Wie viele im Moment dabei sind, will Lach nicht verraten. Der Fuhrpark umfasst derzeit 14 Modelle, vom Aston Martin Vantage V8 über Ford GT bis Ferrari 612 Scaglietti.

In der Praxis funktioniert der Prunk-PS-Verleih so: Für eine einmalige Aufnahmegebühr von 1990 Euro können mindestens 30 Jahre alte Menschen mit bis dahin "unauffälligem Verkehrsverhalten" Mitglied im Celerity Club werden. Sodann besteht die Auswahl zwischen drei Intensitätsstufen, bei denen eine Jahresgebühr von 9950, 19.950 oder 29.950 Euro fällig werden.

Für sei Geld erwirbt das Clubmitglied Bonuspunkte, die sich in Luxusautotage umtauschen lassen. Dabei gilt die Faustregel, dass umso mehr Punkte vom Konto abgebucht werden, je exklusiver das Auto ist; zudem wird an einem Wochenende eine höhere Punktzahl fällig als an einem Werktag.

Doch natürlich will der Celerity Club viel mehr sein als ein Autoverleiher mit spezieller Note. Es gehe auch um Netzwerken, um Kontakte, um gesellschaftliche Events, heißt es bei den Berlinern. "Noch in diesem Jahr wollen wir daher den Club auf eine andere Stadt erweitern", sagt Lach. München sei beispielsweise interessant, oder auch der Raum Düsseldorf.

Das dürfte Carsten Pauli hellhörig machen, den Vertriebsleiter des Hydeclubs in Düsseldorf, der seit 1. Mai aktiv ist und die gleiche Geschäftsidee verfolgt. Noch gibt es keine feste Räumlichkeit für den Hydeclub, doch die wesentlichen Koordinaten stehen fest. Pauli: "Wir planen mit etwa hundert Mitgliedern, knapp über 20 haben bereits unterschrieben. Derzeit gibt es acht Autos, am Ende soll der Fuhrpark etwa 30 Fahrzeuge umfassen. Wir streben ein Verhältnis von Mitgliedern zu Autos von 3:1 an, denn es soll ja nicht zu Engpässen kommen."

Frisch gewaschen und vollgetankt

Zugriff haben die Mitglieder auch in diesem Fall auf stets frisch gewaschene und vollgetankte Modelle von Lamborghini, Wiesmann, Ferrari, Bentley oder Porsche. Und selbstverständlich steht auch in Düsseldorf - ebenso wie in Berlin - der unvermeidliche Protz-Proll-Geländewagen Hummer für die Mitglieder bereit. Die Preisstaffelung ist nahezu identisch. Die Aufnahmegebühr in den Hydeclub beträgt 2000 Euro netto, Punkteguthaben gibt es zum Preis von 10.000, 21.000 und 32.000 Euro.

Vertriebsexperte Pauli sagt, das Konzept sei nicht nur für autoaffine Privatleute interessant, sondern auch für Firmen, die ebenfalls eine Mitgliedschaft erwerben können. "Es gibt doch kaum einen besseren Anreiz für einen Mitarbeiter, als die Aussicht auf ein Wochenende mit einem Traumwagen", meint er.

Grundsätzlich seien der Idee vom Luxus auf Leihbasis keine Grenzen gesetzt. "Das Prinzip funktioniert nicht nur mit Autos, sondern auch mit Booten oder Immobilien", sagt Pauli. Der italienische Circle Club bietet seinen Mitgliedern das alles schon, und darüber hinaus auch noch Flugzeuge sowie Kunstwerke, die von den Mitgliedern je nach Anlass und Bedarf für eine Weile in Besitz genommen werden können.

Alle paar Tage ein neues Luxusauto

Wird man so zum Blender? Nicht zwangsläufig, denn normalerweise erfolgt schon allein durch die hohen Clubgebühren eine gewisse Selektion. Und natürlich ist es einfacher und auch billiger - und bestimmt auch spaßiger - einen Lamborghini für ein Wochenende und ein andermal einen Bentley für eine Spritztour auszuleihen, und sich um nichts weiter als den Zündschlüssel kümmern zu müssen - als diese Autos zu kaufen und dauerhaft zu unterhalten. Mutmaßlich ist sogar die Ökobilanz der Luxusclubs in Ordnung, denn immerhin werden die eingesetzten Rohstoffe wenigstens angemessen genutzt.

Als Vater aller Luxusauto-Clubs gilt der ehemalige Formel-1-Weltmeister Damon Hill, der im Oktober des Jahres 2000 in London den P1-Club eröffnete. Inzwischen nennt sich die Vereinigung solventer PS-Afficionados "The largest supercar club in the world" und beziffert allein den Wert des Fuhrparks auf 7,7 Millionen Euro.

In London beheimatet ist auch der Écurie 25 Club, in Italien ist der schon erwähnte Circle Club aktiv und an der US-Westküste der Club Sportiva, bei dem unter anderem Mario Andretti Mitglied ist - noch ein ehemaliger Formel-1-Champion.



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