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28. Februar 2017, 10:14 Uhr

"Tödliche Waffe"

Autokonzerne sollen von Airbag-Mängeln gewusst haben

Im Rechtsstreit um defekte Airbags des Zulieferers Takata geraten mehrere Autokonzerne unter Druck. Sammelkläger werfen fünf Herstellern eine Mitschuld vor. Sie sollen von den Problemen gewusst haben.

Die Vorwürfe der Klägeranwälte stützen sich auf interne Dokumente von Toyota, Ford, Honda und Nissan. Sie sollen belegen, dass die Konzerne bewusst Sicherheitsrisiken in Kauf nahmen, um Kosten zu sparen. Bei einem der Unternehmen etwa sei ein Airbag von Takata bereits im Jahr 2009 als "tödliche Waffe" bezeichnet worden.

Auch den deutschen Hersteller BMW haben die Anwälte im Verdacht. Der Konzern verweigere aber bislang die Kooperation bei den Ermittlungen. Ein Unternehmenssprecher in den USA war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen zu erreichen.

Die Klägeranwälte reichten am Montag neue Unterlagen beim zuständigen Gericht in Miami ein, um die Anschuldigungen gegen die Hersteller zu erhärten.

Takata gesteht Schuld ein

Die Autobauer sehen sich selbst als Geschädigte von Takata an. Sie verweisen auf ein Schuldgeständnis, das der Zulieferer im Rahmen eines Milliardenvergleichs mit dem US-Justizministerium am Montag abgegeben hat. Darin räumte Takata ein, die Hersteller mit gefälschten Testberichten über Risiken hinweggetäuscht zu haben.

Weltweit stehen mindestens 16 Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata-Airbags in Verbindung. Mehr als 31 Millionen Fahrzeuge werden beim größten Rückruf in der Geschichte der Autoindustrie in die Werkstätten müssen. Noch sind bei Millionen Fahrzeugen die Airbags nicht getauscht.

Im Vergleich zum Autohersteller VW, der im Zusammenhang mit dem Abgasbetrug in den USA nach straf- und zivilrechtlichen Prozessen eine Strafe von 4,3 Milliarden Euro zahlen muss, kam Takata noch günstig davon.

Der zuständige Richter im Prozess gegen den Zulieferer erklärte, er habe von einer noch höheren Strafe abgesehen, weil sonst die Gefahr eines Takata-Bankrotts bestehe und das den noch notwendigen Austausch vieler Airbags verzögern könnte.

cst/dpa/Reuters

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