Tankstellen Benzinpreis auf Rekordkurs

Autofahrer werden an den Zapfsäulen massiv zur Kasse gebeten: Nur noch wenige Cent ist der Durchschnittspreis für Superbenzin von der Höchstmarke von September 2005 entfernt. Ein Experte hält sogar einen Anstieg auf 1,60 Euro für realistisch.

Hamburg – Der Preisanstieg für Benzin geht munter weiter. Verbraucher berichten von Preisen bis zu 1,44 Euro pro Liter Superbenzin am Himmelfahrtwochende, der Durchschnittspreis erreichte nach Angaben des ADAC am vergangenen Samstag in Deutschland mit knapp 1,41 Euro einen neuen Jahreshöchststand. Das sind nur drei Cent weniger als der absolute Rekordpreis vom 3. September 2005 – nach dem Hurrikan "Kathrina" kostete der Liter 1,44 Euro.

Auch wenn gestern der Durchschnittspreis mit 1,40 Euro für Superbenzin (1,14 Euro für Diesel) wieder leicht sank – dauerhaft müssen Fahrer mit weiteren Kostenanstiegen rechnen - obwohl Automobilverbände schon den momentanen Kurs für überhöht halten. "Wir zahlen schon seit Wochen zuviel für Benzin", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel zu SPIEGEL ONLINE. Zwar sei der Rohölpreis für die europäische Sorte Brent auf knapp 70 US-Dollar pro Barrel gestiegen, doch damit nicht auf ein Niveau, das die derzeitigen Preise rechtfertige. "Es gäbe Luft für Preisnachlässe nach unten", sagte Hölzel.

Anstiege um diese Jahreszeit sind jedoch nicht ungewöhnlich. Regelmäßig komme es im Mai zu Beginn der Reisesaison in den USA zu erhöhten Spritpreisen, weil wegen der erhöhten Nachfrage auch Benzin von europäischen Märkten eingekauft werde, sagte der ADAC-Sprecher.

1,60 Euro pro Liter?

Der Energieexperte Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hält einen weiteren drastischen Anstieg der Benzinpreise für möglich. Bräuninger sagte der "Bild"-Zeitung: "1,60 Euro für Super-Benzin ist realistisch." Als Gründe nannte Bräuninger die "höhere Mehrwertsteuer, die erst jetzt voll durchschlägt, und den steigenden Energiebedarf durch die boomende Weltwirtschaft." Dabei sei Hoffnung auf Besserung nicht angebracht: Die Verbraucher müssten sich längerfristig auf höhere Spritpreise einstellen, so der Experte. Auch Hölzel wollte nicht ausschließen, dass bei einem weiteren Anstieg des Rohölpreises bald eine neue Rekordmarke erreicht sei.

Der Anstieg des Rohölpreises bei Brent steht in Zusammenhang mit der Unsicherheit von Lieferungen aus Iran sowie der Befürchtung von Anschlägen in der Ölförderung in Nigeria – vor wenigen Wochen hatte das Barrel dort noch 63 Dollar gekostet.

Es ist zu erwarten, dass jetzt der Tank-Tourismus in Nachbarländer zunimmt – in der Schweiz kostet der Liter Super derzeit laut ADAC-Angaben 1,00 Euro pro Liter Superbenzin oder Diesel, in Österreich 1,07 Euro pro Liter (Diesel: 0,98 Euro), in Polen 1,13 Euro (Diesel: 0,97 Euro).

Doch was können Verbraucher tun, die nicht in Grenznähe wohnen? "Vor den Pfingstferien sollte man lieber jetzt tanken und sich nach günstigen Preisen umschauen – beispielsweise sind oft die Tankstellen an großen Supermärkten günstiger", sagt Hölzel. Wenn ein Großteil der Verbraucher gezielt nach günstigen Preisen suche, verhindere die sinkende Nachfrage möglicherweise einen weiteren Anstieg der Spritpreise.

Mit Material von ddp

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