Taunus-Runde Afrika-Rom-New York an einem Tag

Warum in die Ferne schweifen – wer von Frankfurt aus ins Grüne startet, genießt beim Autowandern nicht nur tolle Kurven und spektakuläre Ausblicke. Der Taunus bietet Besuchern auch eine Prise Rom und einen Hauch von Afrika.


Autowandern in Namibia oder Touren durch Island sind spektakulär - aber wem das zu weit oder zu teuer ist, dem bietet auch die deutsche Provinz so einiges. So genügt zum Beispiel ein Samstag in Frankfurt, um eine Zeitreise zwischen dem modernen New York und dem alten Rom zu machen, nach der hessischen Heimat zu forschen und den Abend in Afrika ausklingen zu lassen. Das mag verrückt klingen, ist aber alles inklusive bei der Route, die im Halbkreis über die Frankfurter Hausberge durch den Taunus führt. Morgens geht es los, am besten mit einem Frühstück auf dem Opernplatz. An den sonnigen Tischen in Frankfurts Gutt Stubb hat man den klassischen Konzertbau im Rücken und eine Skyline vor Augen, die an Manhattan erinnert. Wer ins Auto steigt und zwischen Maintower, Bankentürmen und Messe aus der Stadt fährt, braucht nicht viel Phantasie, um sich in New York zu wähnen.

Hinaus geht es zum ersten Stück über die A5 nach Norden, bis zum Bad Homburger Kreuz. Dort schnuppert man bei der Runde ums Casino etwas Champagnerluft und rollt dann über die gut ausgebaute B 456 gen Nordwesten, wo die beiden großen Attraktionen dieser Reise warten.

Als die Römer noch im Taunus hausten

Keine 20 Minuten hinter der Kurstadt wartet das Römercastell Saalburg. Hier kann man in die Frühgeschichte deutsch-italienischer Beziehungen abtauchen. Die Anlage, die vor zwei Jahren in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, diente vor fast 2000 Jahren als Kaserne für mehr als 500 Fußsoldaten und Reiter, die von hier aus einen Abschnitt des Limes bewachten. Teile des Grenzwalls lassen sich bei einem Spaziergang um das Kastell erkunden. Den Kasernenalltag zu Zeiten der Römer erklären Ausstellungen und Führungen. Und selbst wer keine Zeit hat, sollte sich wenigstens in der Taberna eine Bratwurst nach antikem Rezept gönnen.

Außerdem lohnt ein Blick auf den Parkplatz. Hier steht ein großer Gedenkstein, der an das allererste Autorennen in Deutschland erinnert. Ausgerufen vom New Yorker Zeitungsverleger Gordon Bennet, gingen am 17. Juni 1904 von hier aus 18 Rennwagen aus sieben Nationen auf eine 128 Kilometer lange Runde über Weilburg, Limburg, Königstein und Bad Homburg, die viermal durchfahren wurde. Es gewann der Franzose Leon Thèry in beachtlichen 5 Stunden und 55 Minuten.

Der Hessenpark lockt mit Fachwerk-Spezialitäten

Die nächste Etappe der Taunus-Runde dauert weniger als eine Viertelstunde. In dieser Zeit überbrückt man mehr als tausend Jahre, nämlich auf der Fahrt von der Saalburg in den Hessenpark nach Neu-Anspach. In dem Freilichtmuseum stehen zahlreiche alte Fachwerkhäuser, die im ganzen Land abgetragen und hier wieder aufgebaut wurden. Nun ist wieder eifriges Hämmern aus der Schmiede zu hören, aus der Bäckerei duftet es nach Holzofenbrot, im Wald pflegt der Köhler seinen glühenden Meiler, und überall laufen Schweine, Kühe, Pferde oder Gänse zwischen den herausgeputzten Fachwerkhäusern herum. Für Autowanderer allerdings hat dieser Stopp einen Haken: Die große Schranke am Marktplatz. In die Vergangenheit kommt man nur per pedes.

Vom Hessenpark aus führt die Route über Dorfweil nach Schmitten und von dort auf den Feldberg. Natürlich kann man den direkten Weg nehmen und schon zehn Minuten später den Blick in die Ferne schweifen lassen. Alternativ geht es über Seelenberg, Oberems und Glashütten, über Dutzende schön geschwungener Kurven von Süden her auf den höchsten Berg des Taunus. Schon lange vor Erreichen des 879 Meter hohen Gipfels, sieht man den großen Aussichtsturm, dessen Baupläne noch von Kaiser Wilhelm II. abgesegnet wurden. Der 1902 eingeweihte Steinturm ist 40 Meter hoch und hat eine voll verglaste Aussichtsplattform, von der man bis in die Rheinebene, den Odenwald und den Spessart blicken kann.

Überraschung: Es gibt auch einen Opel-Zoo

Ferner gibt es hier eine Falknerei, in der 40 Greifvögel gehalten werden. Doch Tiere stehen erst am Ende der Tour auf dem Programm. Schließlich fehlt auf der Rundfahrt noch der versprochene Abstecher nach Afrika. Der beginnt am Feldberg mit der Abfahrt über den Sandplacken und den schönen, aber gefährlichen und meist gut von der Polizei observierten Kurven hinunter nach Oberursel. Noch vor Oberursel trifft man auf die B455, biegt rechts ab und fährt auf das Millionärs-Städtchen Königstein zu. Und dann gelangt man auch schon nach Afrika, nämlich auf halbem Weg nach Königstein. Dort befindet sich der Opel-Zoo, der aus einem privaten Gehege im Garten Georg von Opels hervorgegangen ist.

Seit der Tierpark im vergangenen Jahr modernisiert wurde, gibt es hier nicht nur eine afrikanische Savannenlandschaft, sondern auch ein edles Buschrestaurant. Wer es geschickt einrichtet, kommt genau richtig zum Sundowner und genießt von der Terasse den Blick auf grasende Giraffen, während dahinter die Skyline von Frankfurt zu leuchten beginnt. Spätestens dann wird einem klar, wie dicht Afrika, das Alte Rom und Mainhattan beieinander liegen.

Anmerkung der Redaktion: In diesem Text stand in einer früheren Version, der Feldberg sei der höchste Berg Hessens. Tatsächlich ist die Wasserkuppe im Landkreis Fulda mit 950,2 Metern die höchste Erhebung des Bundeslands. Der Feldberg ist lediglich der höchste Berg des Taunus. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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