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15. November 2014, 09:24 Uhr

Einführung des Mindestlohns

Jetzt wird Taxifahren richtig teuer

Der Mindestlohn gilt bald auch in der Taxibranche. Viele Unternehmen wollen die Kosten direkt an die Fahrgäste weitgeben und die Preise spürbar anheben - im Schnitt um etwa 20 Prozent.

Berlin - Taxikunden müssen künftig deutlich mehr bezahlen. Weil ab dem 1. Januar 2015 auch für die rund 200.000 angestellten Taxifahrer in Deutschland der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gilt, will das Gewerbe die Preise erhöhen. Denn Taxifahrer werden bislang nicht nach Stundenlohn, sondern mit einer Umsatzbeteiligung von etwa 40 bis 45 Prozent bezahlt. Derzeit beträgt der Durchschnittslohn zwischen 6 Euro und 6,50 Euro pro Stunde.

Um die Mehrkosten auszugleichen, sollen die Taxipreise bundesweit im Schnitt um 20 Prozent steigen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den größten deutschen Städten. Die Tarife müssen von den Kommunen genehmigt werden, da das Taxi formell zum öffentlichen Nahverkehr zählt.

Einige Städte - zum Beispiel Hamburg - haben Erhöhungen schon zugestimmt. So beschloss der Hamburger Senat bereits zum Oktober eine Anhebung der Tarife um durchschnittlich 1,40 Euro oder rund 7,9 Prozent. Die Grundgebühr stieg von 2,90 auf 3,20 Euro. Bei einer Strecke bis zu vier Kilometer erhöhte sich der Kilometerpreis um 15 Cent auf 2,35 Euro, zwischen dem vierten und neunten Kilometer werden 2,10 statt 1,90 Euro fällig.

Auch in Berlin pochen die Taxiverbände auf höhere Fahrpreise. "Wie eine Tarifänderung im Einzelnen aussehen kann, wird zur Zeit geprüft", sagte eine Senatssprecherin. Zwar müsse der Preis für die derzeit rund 3000 Unternehmer mit 7683 Taxen wirtschaftlich sein. "Andererseits darf der Tarif nicht so sehr ansteigen, dass die Fahrgäste wegbleiben.

In Stuttgart sollen die Taxipreise zum Jahresbeginn im Schnitt um 15 bis 20 Prozent erhöht werden. Über den Antrag der Stuttgarter Taxizentrale solle noch im November entschieden werden. Der baden-württembergische Taxiverband hatte eine Preiserhöhung um 20 Prozent gefordert.

Auch in Sachsen werden die Taxikunden sich auf ähnliche Preissteigerungen einstellen müssen. In Dresden müssen sie laut Stadt bereits ab Mitte Dezember rund 20 Prozent mehr zahlen. In Leipzig bezeichnete ein Stadtsprecher die Erhöhung der Taxitarife als "alternativlos". Ab dem 7. Januar kostet dort eine Fahrt im Schnitt 26 Prozent mehr.

In Hannover soll der Taxitarif ebenfalls um knapp 20 Prozent angehoben werden, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Einen Beschluss habe es bislang aber noch nicht gegeben. Vom Taxigewerbe wurde eine Erhöhung von 25 Prozent beantragt. "Die Begründung liegt alleine in der Einführung des Mindestlohnes", sagte der Sprecher.

In Nordrhein-Westfalen erhielten die Behörden ähnliche Anträge auf Preiserhöhungen von Taxiverbänden. Etwa in Dortmund: "Durchschnittlich ist von einer Fahrpreiserhöhung von circa 18 Prozent auszugehen", teilte ein Stadtsprecher mit. In Köln und Düsseldorf soll es nach dem Willen von Taxiunternehmen Erhöhungen in der Spitze um bis zu 25 Prozent geben. In den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster sind Steigerungen um bis zu 18 Prozent beantragt. Die Zustimmung der jeweiligen Kreise und Städte zu den Anträgen steht noch aus.

wit/dpa

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