Techno Classica Faszination Altmetall

Von heute bis zum Sonntag öffnet in Essen die "Techno Classica" ihre Pforten. Es ist die größte Oldtimermesse weltweit, auf der mehr als 1000 Aussteller vertreten sind und rund 150.000 Besucher erwartet werden. Die Szene ist längst auch ein kapitaler Wirtschaftsfaktor.


Das komplette Gelände der Messe Essen - 18 Hallen, vier Freiflächen und die Galeria - ist belegt von Firmen, Clubs und Initiativen, die in irgendeiner Form mit alten Autos zu tun haben. Diese Ballung von Oldtimer-Knowhow macht die "Techno Classica" zur weltweit größten Messe für klassische Fahrzeuge. In diesem Jahr findet die Veranstaltung zum 19. Mal statt. "Wir haben eine deutlich zunehmende Nachfrage von Ausstellern aus Frankreich verspürt, und erstmals sind auch spanische Anbieter in Essen vertreten", sagt Stefan Eck vom Veranstalter Siha. "Als Handelsplatz für Oldies wird die 'Techno Classica' inzwischen weltweit wahrgenommen."

Etwa 2000 klassische Automobile stehen in Essen zum Verkauf. Schon daran lässt sich erkennen, wie groß das Potenzial auf dem Markt der Altfahrzeuge ist. Die internationale Auto-Veteranen-Vereinigung FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) taxierte den Umsatz im Bereich "historischer Fahrzeuge" innerhalb der EU im vergangenen Jahr auf 16,6 Milliarden Euro. Rund 55.000 Menschen, so die Erhebung weiter, lebten innerhalb der EU vom Geschäft mit oder rund um die Oldtimer. Allein im Bereich "Privatverkäufe" seien im vergangenen Jahr rund 760 Millionen Euro bewegt worden.

Der Trend zum Oldtimer oder zum noch nicht ganz so betagten Youngtimer ist nicht neu, sondern bereits seit einigen Jahren verstärkt zu beobachten. "Neu aber ist", sagt Messeorganisator Eck, "dass die Industrie inzwischen auf die Verknüpfung von Tradition und Moderne setzt." So stünden in diesem Jahr beispielsweise bei BMW das neue 3er Cabriolet neben klassischen Fahrzeugen der Bayern, bei Peugeot das neue 207 CC Cabriolet neben rüstigen Franzosen aus länger zurückliegenden Baujahren, und bei Mercedes die aktuelle Studie Ocean-Drive neben tipptopp gepflegten Flügeltürern oder Ponton-Limousinen.

Sympathie aus der Historie ziehen

"Immer intensiver verknüpfen die Marken ihre Neuwagen mit der Geschichte", hat Eck beobachtet. "Weil sich die Produkteigenschaften immer mehr angleichen, wird die Historie, die grundsätzlich als positiv und sympathisch vermittelt und wahrgenommen wird, als Kriterium immer wichtiger."

Ferrari darf als prototypische Beispiel dafür gelten. Die Italiener haben im vergangenen Sommer auf ihrem Fabrikgelände in Maranello die Abteilung "Ferrari Classiche" ins Leben gerufen - eine Idee, die augenscheinlich überreif war, denn die Nachfrage nach Zertifizierungen (der Echtheitsbeweis eines Ferrari ist entscheidend beim Verkauf solcher Autos) und Restaurationen ist groß. Bis zum Ende dieses Jahres, so verkündete Ferrari jetzt in Essen, sollen in Europa und Nordamerika insgesamt 17 "Ferrari Classiche Certification Centre" eröffnet werden. Der Kult ums Kulturgut Altmetall hat offenbar gerade erst begonnen.

jüp



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