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12. April 2019, 06:42 Uhr

Oldtimer-Messe Techno Classica

Schöner wird's nicht mehr

Aus Essen berichtet

VW-Porsche, Ford Capri, alte Minis und Hunderte Klassiker mehr: Auf der Techno Classica in Essen feiern Fans den Oldtimerboom. In die Partystimmung mischt sich aber auch Wehmut.

Als 1989 die Oldtimermesse Techno Classica das erste Mal öffnete, kamen 30.000 Besucher. Für dieses Jahr rechnen die Veranstalter mit 180.000. Das sagt viel aus über den Erfolg der Messe in Essen, aber auch über den Boom der Szene insgesamt. Seit Jahren wächst das Interesse, seit Jahren steigen die Preise.

Etwa 1250 Aussteller - darunter mehr als 220 Oldtimer-Clubs und Interessengemeinschaften - machen die Messehallen zu einer Fundgrube für Automobilenthusiasten jeder Art. Erstmals dabei sind in diesem Jahr etwa der Mercedes-Benz-Club Kuwait und der Porsche Club of America.

Besonders gefeiert werden dieses Mal zum Beispiel 50 Jahre VW-Porsche, Peugeot 504 Cabrio und Ford Capri, 60 Jahre Mini und Skoda Octavia, 70 Jahre Abarth und VW Käfer Cabrio sowie 100 Jahre Citroën.

Woran es der Oldie-Szene mangelt: Nachwuchs

Dennoch spürt man beim Bummel über die Messe auch Wehmut. Viele Szenekenner sind sich einig: Es fehlt an Nachwuchs. Die Liebhaber altern mit ihren Preziosen, immer weniger Jüngere teilen die Leidenschaft. Einerseits, weil sie die meisten Autos, um die es auf der Messe geht, gar nicht mehr als Alltagsfahrzeuge im Straßenverkehr erlebt haben. Andererseits, weil das Auto generell an Status eingebüßt hat - und vermutlich weiter einbüßen wird. Wie sollte auch ein Sharingfahrzeug oder ein autonom fahrendes Robotaxi Klassikerpotenzial entwickeln?

Von einem "soziologischen" Problem spricht Ex-BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, seit 2014 Vizepräsident des internationalen Oldtimerverbands FIVA. "Das Durchschnittsalter der Gleichgesinnten wird von Jahr zu Jahr höher, und eine Verjüngung durch neue Generationen ist nicht sicher." Das sei der "vielleicht besorgniserregendste Trend" in der Szene.

Nach wie vor erzielen manche Oldtimer satte Renditen

Die Clubs mögen sinkendes Interesse verspüren, im Handel mit Autoklassikern hingegen gibt es noch keine Anzeichen einer Rezession. Der Deutsche Oldtimer-Index, der seit 1999 berechnet wird und der die Preise von 88 repräsentativen Durchschnitts-Oldies abbildet (darunter sind keine Supersportwagen oder exklusiven Raritäten), ermittelte für die vergangenen 20 Jahre ein durchschnittliche Wertsteigerung dieser Autos von 160 Prozent. Am deutlichsten legten seit 1999 demnach der VW-Bulli T2, der Citroën 2 CV und der BMW 3er (Baureihe E21) zu.

Das Interesse an Autos der Fünfzigerjahre sinke dabei, sagt Frank Wilke, Geschäftsführer des Bochumer Marktbeobachters Classic-Analytics. Dagegen ziehe die Nachfrage nach Oldies aus den Sechziger- und Siebzigerjahren an. Es lohnt sich also womöglich, dem ehemaligen Familienauto, das staubig und rostig ganz hinten in der Garage steht, mal wieder mehr Beachtung zu schenken.

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