Oldtimer-Messe Techno Classica Schöner wird's nicht mehr

VW-Porsche, Ford Capri, alte Minis und Hunderte Klassiker mehr: Auf der Techno Classica in Essen feiern Fans den Oldtimerboom. In die Partystimmung mischt sich aber auch Wehmut.

Jürgen Pander

Aus Essen berichtet Jürgen Pander


Als 1989 die Oldtimermesse Techno Classica das erste Mal öffnete, kamen 30.000 Besucher. Für dieses Jahr rechnen die Veranstalter mit 180.000. Das sagt viel aus über den Erfolg der Messe in Essen, aber auch über den Boom der Szene insgesamt. Seit Jahren wächst das Interesse, seit Jahren steigen die Preise.

Etwa 1250 Aussteller - darunter mehr als 220 Oldtimer-Clubs und Interessengemeinschaften - machen die Messehallen zu einer Fundgrube für Automobilenthusiasten jeder Art. Erstmals dabei sind in diesem Jahr etwa der Mercedes-Benz-Club Kuwait und der Porsche Club of America.

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Techno Classica: Festival des Altmetalls

Besonders gefeiert werden dieses Mal zum Beispiel 50 Jahre VW-Porsche, Peugeot 504 Cabrio und Ford Capri, 60 Jahre Mini und Skoda Octavia, 70 Jahre Abarth und VW Käfer Cabrio sowie 100 Jahre Citroën.

Woran es der Oldie-Szene mangelt: Nachwuchs

Dennoch spürt man beim Bummel über die Messe auch Wehmut. Viele Szenekenner sind sich einig: Es fehlt an Nachwuchs. Die Liebhaber altern mit ihren Preziosen, immer weniger Jüngere teilen die Leidenschaft. Einerseits, weil sie die meisten Autos, um die es auf der Messe geht, gar nicht mehr als Alltagsfahrzeuge im Straßenverkehr erlebt haben. Andererseits, weil das Auto generell an Status eingebüßt hat - und vermutlich weiter einbüßen wird. Wie sollte auch ein Sharingfahrzeug oder ein autonom fahrendes Robotaxi Klassikerpotenzial entwickeln?

Von einem "soziologischen" Problem spricht Ex-BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, seit 2014 Vizepräsident des internationalen Oldtimerverbands FIVA. "Das Durchschnittsalter der Gleichgesinnten wird von Jahr zu Jahr höher, und eine Verjüngung durch neue Generationen ist nicht sicher." Das sei der "vielleicht besorgniserregendste Trend" in der Szene.

Nach wie vor erzielen manche Oldtimer satte Renditen

Die Clubs mögen sinkendes Interesse verspüren, im Handel mit Autoklassikern hingegen gibt es noch keine Anzeichen einer Rezession. Der Deutsche Oldtimer-Index, der seit 1999 berechnet wird und der die Preise von 88 repräsentativen Durchschnitts-Oldies abbildet (darunter sind keine Supersportwagen oder exklusiven Raritäten), ermittelte für die vergangenen 20 Jahre ein durchschnittliche Wertsteigerung dieser Autos von 160 Prozent. Am deutlichsten legten seit 1999 demnach der VW-Bulli T2, der Citroën 2 CV und der BMW 3er (Baureihe E21) zu.

Das Interesse an Autos der Fünfzigerjahre sinke dabei, sagt Frank Wilke, Geschäftsführer des Bochumer Marktbeobachters Classic-Analytics. Dagegen ziehe die Nachfrage nach Oldies aus den Sechziger- und Siebzigerjahren an. Es lohnt sich also womöglich, dem ehemaligen Familienauto, das staubig und rostig ganz hinten in der Garage steht, mal wieder mehr Beachtung zu schenken.



insgesamt 44 Beiträge
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sunnysimon 12.04.2019
1. Oldtimer
nicht immer hatten die früheren 1960er, 1970er Automodelle Schönheit gepachtet. Ich denke nur an unser "erstes"Auto, Ford Escort, elfenbeinfarbig mit petrolfarbigen Dach. Selbst wenn dieser noch existieren sollte in einer baufälligen Garage in Rheingau, käme ich nie auf die Idee ihn aus seiner "Gnaden"-Garage wieder rauszuholen. Zuu hässlich, damals schon!
winnischneider 12.04.2019
2. Liebhaber altern
Einen Gesichtspunkt lässt der Autor außen vor warum keine jungen Fans nachfolgen. War es Mitte der 80 er noch möglich einen gebrauchten fahrbereiten Porsche Targa Bj 1969 für unter 10000 DM zu kaufen, sind bei den derzeitigen astronomischen Preisen die Jugend außen vor. Winfried
Kurt-C. Hose 12.04.2019
3.
Zitat von winnischneiderEinen Gesichtspunkt lässt der Autor außen vor warum keine jungen Fans nachfolgen. War es Mitte der 80 er noch möglich einen gebrauchten fahrbereiten Porsche Targa Bj 1969 für unter 10000 DM zu kaufen, sind bei den derzeitigen astronomischen Preisen die Jugend außen vor. Winfried
Da haben Sie recht, aber wenn Sie in den 80ern einen Porsche aus den sechzigern gekauft haben, wäre das Äquivalent heute, sich ein Auto um die 90er oder 2000er zu kaufen - also eher einen "Youngtimer" und den zu pflegen und zu behalten. Eigentlich lebt die Liebe zu den Automobilen doch davon, sich im gesetzteren Alter die schönen Autos der Jugend zu kaufen ;-)… und nicht zwingen die Glanzsterne des Automobilsammlerhimmels.
super-m 12.04.2019
4.
Ein ganzer Artikel über eine Messe und der Zeitpunkt, an dem die Messe stattfindet, wird nicht genannt...?
colinchapman 12.04.2019
5. Dr.Theissen hatr recht
ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, das Oldtimerzeitalter ist vorbei. Ich bin fünfzig und vermutlich einer der letzten, die zum Aroma von Lack und Öl selber noch in der Garage bohren, schleifen und schrauben. Das H-Kennzeichen-Alter ist mittlerweile im Baujahr 1989 angekommen, dazu zählen schon Autos wie der Mazda MX5 oder der Opel Calibra. spätestens wenn wir das Jahr 2030 haben werden und das H-Kennzeichen Alter bei der Jahrtausendwende angekommen sein wird, wird niemand mehr einen Oldtimer ohne Laptop und tiefgreifende Elektronikkenntnisse restaurieren können. Airbags, an denen nur im Umgang mit Sprengstoffen geschultes Personal hantieren darf, sowie elektronische Wegfahrsperren machen jetzt schon teilweise den Umgang mit Youngtimern für Amateure unmöglich. Es ist völlig ausgeschlossen, dass moderne Autos, in denen dutzende Steuergeräte programmiert sind, die alle zueinander passend geflasht sein müssen, im Jahr 2050 in einer Garage im do-it-yourself-Verfahren restauriert werden können. Ich habe mich nach einem Käfer mittlerweile auf das Restaurieren von Motorrädern verlegt, da wird mein KfZ-Elektrikwissen bis an mein Lebensende reichen.
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