Techno Classica Umschwärmtes Altmetall

Retro-Design, Auto-Museen, Neuauflagen alter Erfolgsmodelle - die Autobranche sucht immer öfter in der Vergangenheit nach Zukunftsperspektiven. Auf der Techno Classica, der größten Oldiemesse der Welt, sind die Originale der verklärten alten Zeit zu sehen.


Das Geschäft mit dem Altmetall blüht. Mehr als fünf Milliarden Euro setzt die deutsche Klassik-Branche derzeit pro Jahr um, wie eine Studie der Oldtimer-Organisation Fiva ermittelte. Auto-Klassiker erzielen horrende Preise, Youngtimer haben längst Kultstatus erreicht, und selbst die Hersteller versuchen mit der Wiederaufnahme von Uralt-Hits - wie Mini, Fiat 500, Opel GT, VW Scirocco oder demnächst Ford Capri -, den Trend zu erhaschen und ihr Image durch ein originelles Gefährt zu bereichern. Die Wurzeln der komplett rückwärts gewandten Automobil-Verehrung sind ab dem morgigen Donnerstag (bis Sonntag, 30. März) auf der Techno Classica in Essen zu besichtigen.

Auf der nach eigenen Angaben weltweit größten Messe für altes, fahrbares Blech sind Oldtimer und alte Rennwagen im Gesamtwert von 200 Millionen Euro versammelt. Die Palette der präsentierten Pretiosen reicht vom Ferrari 365 GTB/4 "Daytona" bis zum Mercedes Benz Typ "Mannheim" 370, vom Bugatti T 57 C Cabriolet bis zum Bentley Blower Le Mans - gezeigt werden reine Ausstellungsfahrzeuge, aber es stehen auch zahlreiche Modelle zum Verkauf. Das Sortiment in Essen wird nach Angaben des Messeveranstalters mehr als 2500 Wagen zählen.

Zu den Raritäten im Angebot zählen neben dem Ferrari GTB/4 und dem Mercedes Mannheim auch ein Talbot 105 Werksrennwagen, ein Wanderer W 25 K oder ein Bizzarrini 5300 GT Stradale. Im vergangenen Jahr wurden als Höhepunkte zwei liebevoll restaurierte Mercedes-Benz 300 SL zum Preis von 600.000 und 610.000 Euro verkauft. Die Preise für solche Wagen stiegen zuletzt rasant.

Oldtimerfahrer sind ganz überwiegend männlich. In Deutschland sind 98,2 Prozent der Klassiker-Fans Männer, und jeder besitzt im Durchschnitt gleich zwei Wagen. Und fast jeder ist Mitglied in irgendeinem Oldie-Club. Für viele Clubs - und natürlich die Altmetall-Fans - ist die Techno Classica, die in diesem Jahr zum 20. Mal stattfindet, der Auftakt zur neuen Saison. Erwartet werden in den Essener Messehallen in den kommenden drei Tagen rund 150.000 Besucher.

Jubiläen, Rekorde und alte Geschichten

Unter den 1000 Ausstellern sind natürlich auch fast alle Automobilfirmen. Alfa Romeo etwa zeigt neben dem neuen 8c Spider die Ahnen dieses Autos, nämlich den 8c 2300 Mille Miglia (Baujahr 1931), den 8c 2900 B Lungo (Baujahr 1935) und den lediglich 18-mal gefertigten Alfa Romeo Tipo 33 stradale. Peugeot wiederum feiert das 25. Jubiläum des Kleinwagens 205, von dem zwischen 1983 und 1998 knapp 5,3 Millionen Exemplare gebaut wurden. Opel wiederum präsentiert Renn-Oldies, etwa einen Rennwagen aus dem Jahre 1903, einen Rekordwagen mit 12,3 Liter Hubraum von 1914 sowie den Rallye Ascona 400, mit dem Ari Vatanen vor 25 Jahren die legendäre Safari-Rallye gewann.

Bei Ford schließlich feiert das T-Modell 100. Geburtstag - das Automobil, mit dem (ab dem Baujahr 1914) die Fließbandfertigung begann und das die Massenmotorisierung in den USA einläutete. Gleich fünf Typen des Tin Lizzy genannten Vehikels werden in Halle 3 zu sehen sein. Insgesamt wurden von dem Modell, das nach Einführung der Fließbandproduktion für einen Preis von 370 Dollar angeboten wurde, binnen 19 Jahren mehr als 15 Millionen Exemplare produziert.

jüp



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