Telespiel-Revival auf der IAA Ping, Pong, Smart - gewonnen!

Wie Tischtennis - nur mit Autos und Computer. Das Telespiel Pong, 1972 vorgestellt, erlebt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung ein kurioses Revival: als Geschicklichkeits-Duell mit zwei Elektromobilen. SPIEGEL ONLINE probierte es aus, Fahrer gegen Fahrerin.

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Von , Frankfurt am Main


Die Daimler-Kleinstwagenmarke Smart stellt auf der IAA den Smart Electric-Drive vor. Der Zweisitzer mit Elektroantrieb ist das erste E-Modell der Marke, das in den freien Verkauf kommen wird - und zwar ab kommendem Frühjahr. Rund 19.000 Euro wird der E-Smart kosten, dazu kommen dann noch einmal monatlich knapp 90 Euro für die Lithium-Ionen-Batterie, denn der Stromspeicher muss gesondert geleast werden. Das klingt nicht besonders attraktiv. Daher versucht Smart, das Auto auf der IAA mit einer lustigen Spielerei als Trendmobil zu positionieren.

SPIEGEL ONLINE probierte es aus. Und zwar nicht einfach so zum Spaß, sondern als Auto-Redaktions-Duell. Frau gegen Mann. Während die Frage, welches der Geschlechter besser Einparken kann, wohl auf ewig unbeantwortet bleiben wird - zumal inzwischen verstärkt unerlaubte Hilfsmittel wie Rückfahrkameras und Einparkautomaten eingesetzt werden - stand beim großen Smart E-Ball-Turnier von SPIEGEL ONLINE der Gewinner am Ende eindeutig fest. Zugegeben, es war nur ein einzelnes Match. Aber dramatisch war es auf jeden Fall. Ergebnis: 6:4, 8:2, 7:2 - für den Mann. Der Ergebnis des beantragten Dopingtests liegt allerdings noch nicht vor, die derzeit in Neuseeland ausgetragene Rugby-WM hat in den Labors offensichtlich Vorrang.

Das Auto-Geschicklichkeitsspiel, das auf der IAA seine Weltpremiere erlebte, greift die Idee des Telespiel-Klassikers Pong auf. Es geht darum, wie beim Tischtennis einen virtuellen Ball ins gegnerische Feld zurückzuspielen. Verpasst man den Ball, erhält der Gegner einen Punkt. Früher, vor dem Fernseher, drehte man an einem Knopf, um den eigenen Schläger am Spielfeldrand auf und ab zu bewegen. Auf der IAA ist die Arena auf einer Großleinwand abgebildet, und die Schläger werden per Elektro-Smart bewegt: man fährt einfach vor oder zurück. Ein Laserstrahl, der auf das Heck des Wagens gerichtet ist, misst die Bewegungen des Autos und übermittelt sie an den Computer. Der wiederum berechnet daraus die Schlägerstellung.

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Smart E-Ball: Autofahren als Telespiel
Auf einer geraden Fahrbahn vor und zurück fahren - trivialer geht es eigentlich nicht. Denkt man, steigt ein und tritt aufs Pedal. Lenken ist überflüssig, einzig den Schalthebel in der Mittelkonsole muss man zwischen D (Vorwärtsfahren) und R (Rückwärtsfahren) hin- und herbewegen. Und dazu wohldosiert beschleunigen oder bremsen. Das ist durchaus ernst gemeint, denn binnen 5 Sekunden beschleunigt der Elektro-Smart von 0 auf Tempo 60. Gut, dass es an beiden Enden der jeweiligen Fahrbahnen kleine Kiesbetten gibt. Immer wieder mal landet ein allzu forscher E-Ball-Spieler mit dem Auto in den Steinchen - und muss dann wieder herausgeschoben werden.

Immer nur vor und zurück: Autofahren auf die simple Tour

Halten wir also fest: Man braucht ein bisschen Gespür fürs Gaspedal und einen Blick dafür, wohin der Ball auf der Großleinwand fliegen wird. Außerdem sollte man vorwärts und rückwärts sauber auseinander halten können. Schon bei diesem Grundvoraussetzungen scheint es jedoch Unterschiede zwischen Frau und Mann zu geben. Das jedenfalls legen die Ergebnisse nahe, die unser Duell erbrachte. Mit dem technischen Material hatte dies übrigens nichts zu tun, denn nach der ersten Partie wurden die Wagen getauscht.

Welche Rückschlüsse erlaubt das Spiel für die Autofahrkünste von Frauen und Männern? Selbstverständlich gar keine. Für Smart bedeutet die Aktion auf der Messe eine hohe Aufmerksamkeit. Mehr als hundert Duelle pro Tag wurden ausgefahren. Die Elektro-Smarts wurden nach rund vier Stunden ausgetauscht, die Akkus mit einer Kapazität von 17,6 kWh kamen dann allmählich an ihre Grenzen. Insgesamt blieb bei Zuschauern und Mitspielern wohl die Erkenntnis zurück, dass die E-Antriebstechnik brauchbar funktioniert, und das Elektroautos keinesfalls Spaßbremsen sind. Das hätte man zwar schon vorher wissen können, doch auf diese Art war es einfach unterhaltsamer.

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tweet4fun 25.09.2011
1. E-Smart?
Zitat von sysopWie Tischtennis - nur mit Autos und Computer. Das Telespiel Pong, 1972 vorgestellt, erlebt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung ein kurioses Revival: als Geschicklichkeits-Duell mit zwei Elektromobilen. SPIEGEL ONLINE probierte es aus, Fahrer gegen Fahrerin. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,787798,00.html
Da muß Daimler aber eine Menge Marketing hinlegen, um mich noch einmal in die Kiste reinzubringen. Ich hatte den Benzin-Smart zweimal als mehrtägiges Leihfahrzeug testen dürfen hier in Kalifornien. Es war ein Desaster! In jeder Hinsicht! Kein Platz, rumpliger Fahrkomfort a la Postkutsche, unlogische Bedienung usw. Das Teil müßte man mir fast schenken, damit ich es behalten würde. Selbst als E-Mobil.
neue_mitte 25.09.2011
2. tolles Städter-Spielzeug
Zitat von sysopWie Tischtennis - nur mit Autos und Computer. Das Telespiel Pong, 1972 vorgestellt, erlebt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung ein kurioses Revival: als Geschicklichkeits-Duell mit zwei Elektromobilen. SPIEGEL ONLINE probierte es aus, Fahrer gegen Fahrerin. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,787798,00.html
Das darf aber nicht sein, denn Frauen können doch alles mindestens genauso gut, wie Männer, nein eigentlich ja besser. Deswegen versteht ja auch keiner, wieso Spitzenpositionen so dünn feminisiert sind, muss ja an der Boshaftigkeit der Männer liegen. Deswegen dringend Quoten! Das Smartie-Spiel hingegen ist sehr lustig, erzeugt kein Dreck, verbrennt keine Kohlenwasserstoffe (wenn mit EE aufgeladen), ist also ein Spaß mit guten grünen Gewissen. Würde in unserer Nachbarschaft auch dicke ankommen. Gut, der riesen Bildschirm wird teuer, zwei E-Smarts ja auch. Und was macht man ausserhalb des Spiels mit diesen Spielzeug-Autos der Städter auf dem Land?
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