Zweifelhafte Tempokontrolle Der Blitz des Kahn

Wegen Raserei sollte Oliver Kahn 2009 seinen Führerschein abgeben. Er sei 163 km/h gefahren, wo Tempo 80 erlaubt war, hieß es im Bußgeldbescheid. Der Ex-Bayern-Star protestierte und bekam recht: Nach SPIEGEL-Informationen hatte ein Lichtreflex den Blitzer ausgelöst - möglicherweise kein Einzelfall.
Oliver Kahn im Stadion: Tempokontrolle auf deutschen Straßen unzuverlässig?

Oliver Kahn im Stadion: Tempokontrolle auf deutschen Straßen unzuverlässig?

Foto: dapd

Hamburg - 163 km/h stand auf dem Bußgeldbescheid, den Oliver Kahn im Herbst 2009 erhielt. Der Ex-Nationaltorwart sei auf der A8 nahe dem Chiemsee 83 km/h zu schnell gefahren. Doch die Überprüfung der Geschwindigkeitsmessung entlarvte die Tempokontrolle auf deutschen Straßen als unzuverlässig.

Nach SPIEGEL-Informationen stellten drei Gutachter danach fest, dass nicht Kahns 650 PS starker Mercedes, sondern ein vorauseilender Lichtreflex die Messung ausgelöst hatte. Die tatsächliche Geschwindigkeit konnte deshalb nicht mehr präzise festgestellt werden. Das Bußgeldverfahren gegen Kahn wurde deshalb eingestellt.

Eine Analyse ergab, dass an diesem Tag rund 40 weitere Autos nicht korrekt von dem Blitzgerät erfasst wurden. Gutachter vermuten, dass massenweise Bußgeldbescheide nicht die korrekte Geschwindigkeit wiedergeben und deshalb ungültig sind. Das könnte eine Flut von Einsprüchen zur Folge haben.

Voraussetzung für die Fehlmessung ist, dass Sonnenlicht in einem bestimmten Winkel auf das Fahrzeug trifft und von dort zum Messsensor reflektiert wird. Der Hersteller Eso bestreitet jeden Gerätefehler.

Mehr über fehlerhafte Tempomessungen erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

jus