Autopilot Kraftfahrt-Bundesamt warnt Tesla-Besitzer

Seit einem tödlichen Unfall mit einem Tesla ist das Autopilot-System des Elektromobils in der Kritik - und weist offenbar schwere Mängel auf. Das Kraftfahrt-Bundesamt griff deswegen jetzt zu ungewöhnlichen Mitteln.

Tesla Model S. Warnung vom Kraftfahrt-Bundesamt
Dominik Asbach/ Laif

Tesla Model S. Warnung vom Kraftfahrt-Bundesamt


Tesla-Besitzer dürften in den letzten Tagen überraschende Post vom Kraftfahrt-Bundesamt erhalten haben: Die Behörde ermahnt alle deutschen Fahrer des Elektroautos in einem Brief, bei der Nutzung des Assistenzsystems "Autopilot" das Verkehrsgeschehen im Blick zu behalten.

"Bei dem in Ihrem Fahrzeug verbauten sogenannten Autopilot handelt es sich um ein reines Fahrerassistenzsystem und nicht um ein hochautomatisiertes Fahrzeug, das ohne ständige Aufmerksamkeit des Fahrers betrieben werden kann", heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag.

Teslas System kann - ähnlich wie Assistenztechnik anderer Hersteller - unter anderem die Spur und den Abstand zum vorderen Fahrzeug halten. Der "Autopilot" war jedoch in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein tödlicher Unfall in Florida bekannt wurde, bei dem im Mai ein Tesla mit eingeschaltetem System unter einen querenden Lastwagenanhänger raste. In den USA kritisierte die einflussreiche Testorganisation Consumer Reports nach Bekanntwerden des Unfalls im Juli, der Name Autopilot sei verwirrend, weil er Fahrern ein falsches Gefühl der Sicherheit gebe.

Wie der SPIEGEL zuletzt berichtete, hatten Beamten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), der höchsten technischen Instanz des Verkehrsministeriums, nach dem tödlichen Unfall in den USA das Model S viele Tausend Kilometer getestet und waren zu einem vernichtenden Ergebnis gekommen: Das Fahrzeug stelle "eine erhebliche Verkehrsgefährdung" dar, so die Beamten.

Erhebliche Mängel beim "Autopiloten"

Bei den Tests ließ sich die "Autopilot"-Funktion beispielsweise auch innerorts aktivieren, obwohl das System für derlei komplexe Verkehrssituationen gar nicht ausgelegt ist. Der Notbremsfunktion attestierten die Prüfer im Vergleich zu anderen Fahrzeugen eine "unzureichende Performance", die Sensoren des Fahrzeugs, die bei Überholvorgängen nach hinten scannen, seien erstaunlich kurzsichtig und könnten mit der Realität auf deutschen Autobahnen nicht mithalten.

Tesla betont stets selbst, dass der "Autopilot" seine Elektrowagen nicht zu selbstfahrenden Fahrzeugen mache und die Fahrer immer den Überblick und die Hände am Steuer behalten müssten. Bei der jüngsten Software-Aktualisierung wurden immerhin die Sicherheitsmaßnahmen verschärft: Nach dreimaliger missachteter Aufforderung, die Hände wieder auf das Lenkrad zu legen, schaltet sich das System ab und kann erst nach dem Parken wieder aktiviert werden.

Der Empfehlung der Beamten der BASt, dem Tesla vorläufig die Zulassung zu entziehen, folgte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt offenbar nicht, sondern entschied sich für die Variante mit dem Brief. Das Kraftfahrt-Bundesamt empfiehlt deswegen in Bezug auf den "Autopiloten": "Bitte beachten Sie unbedingt auch die in den Bedienungsanleitungen des Herstellers hierzu ausgewiesenen Verhaltenshinweise."

mhe/dpa



insgesamt 89 Beiträge
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axcoatl 14.10.2016
1. Jeder, der einen Tesla hat, weiß das. Aufschrei im Dienste der Auto-Lobby
Anscheinend vermiest Tesla den deutschen Autoherstellern das US Geschäft, und nun wollen sie das hier in Deutschland nicht ebenfalls erleiden. Da schickt man schon mal über die Lobby eine Behörde vor.
MisterD 14.10.2016
2.
Das KBA hat da nun schweres Problem. Im Grunde müsste man dem Tesla aufgrund der Mängel tatsächlich die Zulassung entziehen. Kann man aber nicht, weil man sich in der Dieselaffäre zum absoluten Horst gemacht hat. Die Welle die hier gemacht wird, wirkt leider daher auch wie ne Retourkutsche gegen die USA. Schade, denn das Thema ist bitterernst.
Racer77 14.10.2016
3. Forderung nach Nachbesserung?
Wenn ich die Maßnahme nun mit dem "Dieselgate" vergleiche, dann habe ich den Eindruck, dass es von der sicherheitstechnischen Seite gesehen hier bei Tesla viel schlimmer aussieht. Wegen der Beobachtung nach hinten durch das Tesla-System scheint dieses ja wohl nur für die USA mit maximal 70-80 mp/h ausgelegt zu sein. Wenn also nun alle Diesel nachgebessert werden sollen, dann müsste man Tesla auch zur Nachbesserung verpflichten um die Fahrzeuge auf einen für Deutschland notwendigen technischen Standard zu bekommen. Die NOx beim Diesel verkürzen das Leben um paar Monate während ein Tesla, der mit 100 davor zieht wenn jemand mit über 200 von hinten herankommt doch direkt das Ende eines Lebens bedeuten kann. Aber die Dieselhasser werden das natürlich anders sehen...
a.peanuts 14.10.2016
4. Zukunft geht anders
Werde mir weder eine Datenschleuder zulegen noch ein "Pilotauto" Zu anfällig ist die Elektronik,und nach 2 Jahren verliert das Auto 2/3 an Wert. Dann schon lieber einen tollen Oldtimer als Cabrio,die behalten ihren Wert.
noalk 14.10.2016
5. Ttip
Würde mich mal interessieren, wie dieser Fall unter TTIP behandelt würde. Könnte Tesla bei Absatz-/Umsatzrückgang in D wegen entgangenen Gewinns mit Aussicht auf Erfolg klagen?
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