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09. November 2013, 10:36 Uhr

Brände beim Tesla Model S

Wie sicher sind Elektroautos?

Drei Brände in sechs Wochen - das trifft nicht nur die US-Vorzeigefirma Tesla hart, es schadet der gesamten Elektroauto-Branche. Wie groß ist die Feuergefahr wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind Elektroautos unsicherer als herkömmliche Fahrzeuge?

Nein, sagen Experten vom ADAC. Der Automobilclub hat in den vergangenen Jahren gleich mehrere Elektroautos einem Crashtest unterzogen. Mit dem Ergebnis: Bei der Sicherheit stehen sie Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselantrieb in nichts nach. So ging beispielsweise ein Vergleich zwischen dem elektrischen VW E-Up und dem Up-Benziner unentschieden aus. Auch den strengen Crash-Test EuroNcap bestanden Elektro- und Hybridautos mit Bravour. Zwar gab es bis dato keine offizielle Unfallsimulation mit dem Tesla S in Europa. Dafür erhielt die Limousine in den USA die Spitzenauszeichnung von der nationalen Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA). Nur etwa ein Prozent aller getesteten Autos erzielt dieses Fünf-Sterne-Resultat.

Wo liegen die Schwachpunkte eines Elektroautos, die Brände auslösen können?

Das größte Sicherheitsrisiko beim Elektroauto ist die Batterie. Diese wird durch einen massiven Container umgeben, damit niemand den hohen Spannungen der Akkus ausgesetzt wird. Im Vergleich zu Benzintanks besitzt die Batterie aber einen gravierenden Nachteil: Während der Kraftstoff erst dann brennt, wenn ein Funke ihn entflammt, können sich beschädigte Batterien selbst entzünden - zum Beispiel durch einen Kurzschluss. Spätestens seit dem Brand eines Chevrolet Volt ist das bekannt. Drei Wochen nach einem simulierten Seiten-Crash ging die Batterie in Flammen auf. GM besserte alle Chevy-Modelle nach ebenso wie den baugleichen Opel Ampera.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Auto nach einem Unfall in Flammen aufgeht?

Nach einer Untersuchung der Prüfgesellschaft Dekra brennt deutlich weniger als ein Prozent der Autos nach einem schweren Unfall. Beim ersten Tesla-Brand hatte ein Metallstück den Batteriecontainer im Unterboden aufgeschlitzt.

Sind drei Brände bei Tesla schon eine schwarze Serie?

Für das Image ja, statistisch gesehen lässt sich das nicht genau sagen. Tesla-Chef Elon Musk will im laufenden Geschäftsjahr 21.500 Fahrzeuge seines Model S verkaufen. Bezogen darauf sind drei brennende Fahrzeuge 0,014 Prozent. Eigentlich wenig. Wenn man allerdings bedenkt, dass von der Summe aller schwerer Unfälle lediglich ein Prozent zu einem Brand führt, scheint ein Prozentsatz von 0,014 auf eine weitgehend unfallfreie Flotte wieder recht hoch.Vergleichswerte von anderen Autobauern gibt es keine.

Wie müssen die Sicherheitskräfte einen Elektro-Brand löschen?

Wasser marsch? Das hilft bei einem Elektroauto schlechter als gedacht. Das mussten die Feuerwehrleute bei dem ersten Tesla-Brand im Bundesstaat Washington leidvoll erfahren. Nachdem die Männer ihre Strahlrohre auf den Wagen richteten, nahmen die Flammen nicht ab, sondern loderten stärker als zuvor. Erst ein chemischer Schaum konnte das Feuer löschen. "Das lag vielleicht an der schlechten Erreichbarkeit der Batterie", vermutet Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf. Denn nach den Erkenntnissen der Prüforganisation kann ein Batteriebrand durchaus mit Wasser gelöscht werden - es dauert nur länger als mit Zusatzmitteln.

Vor etwa einem Jahr hatte die Dekra drei Antriebsbatterien eines aktuellen Elektroautos gelöscht. Diese brannten weniger heftig als Benzin. Wirksamer als Wasser waren jedoch eine Wasser-Gel-Mischung und Wasser mit einem Zusatz. Dieser reduzierte die Oberflächenspannung des Löschwassers und konnte so besser den Akku kühlen.

Bei den Tesla-Unfällen musste die Feuerwehr die Fahrer nicht einmal befreien - das Auto hatte die Insassen selbst aufgefordert, den Wagen zu verlassen.

mhu

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