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Deutschlandreise im Elektroauto, Teil 2: Das letzte Abenteuer

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Deutschlandreise im Elektroauto, Teil 2 Ein Königreich für eine Steckdose

Sören Harder tourt im Elektroauto Tesla Model S durch Deutschland. Doch Schnellladestationen sind rar. Der Preis für spontane Abstecher: eine nervenaufreibende Tanklotterie.

SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Sören Harder hat sich auf eine Abenteuerreise begeben und ist mit dem Elektroauto Tesla Model S quer durch Deutschland gefahren. Im ersten Teil seines Tourberichts kämpfte er gegen falsch geparkte Wasserkisten und die Reichweitenangst. In Teil 2 hat er zunächst einmal: Hunger.

Warten und laden und warten und essen und warten und reden

Seit einer Stunde fahre ich an einer Autobahnraststätte nach der anderen vorbei, ohne anzuhalten - dabei knurrt mir schon die ganze Zeit der Magen. Aber weil ich den Tesla an einem Supercharger aufladen und erst bei dieser Gelegenheit etwas essen will, muss ich mich gedulden. Dann, kurz vor Magdeburg, erscheint endlich die Ausfahrt zum Autohof Irxleben. Dort warten Ladestation und Hamburger.

Das vollständige Aufladen des leeren Akkus dauert fast zwei Stunden. Um die Batterie halbvoll zu machen, braucht es aber nur eine halbe Stunde. Das sei typisch für Lithium-Ionen-Batterien, heißt es bei Tesla: Am Supercharger lädt die Batterie mit 300 Ampere - bei dieser Stärke erhitze sich der Akku rasch. Je länger er lade, desto langsamer ziehe er die Energie, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Während das Model S Energie saugt, verdrücke ich mein Mittagessen. Als ich nach 40 Minuten zum Auto zurückkehre, schleichen zwei Geschäftsmänner aus Bielefeld, die mit einem BMW unterwegs sind, um meinen Wagen herum. Die beiden quetschen mich sofort mit Fragen über Reichweite, Akku-Langlebigkeit und Tankproblematik beim Tesla aus. Was mir bei dem Gespräch auffällt: Die Ansprüche an ein E-Mobil sind größer als an ein normales Auto. Umweltfreundlich und alltagstauglich muss es sein, optisch ansprechend, aber trotzdem zukunftsweisend, sogar das serienmäßige Internet wird kritisiert: "Ist ja nur 3G, kein LTE." Als ich nachhake, wie schnell die Onlineverbindung in ihrem BMW sei, sagen die Geschäftsleute: "Der hat gar keins."

Kaum ist das Gespräch mit den Geschäftsleuten beendet, komme ich mit Elektroauto-Kollegen ins Plaudern: neben meinem Tesla hängt mittlerweile nämlich ein zweites Model S am Supercharger. Die Besitzer haben ihren Tesla vor rund drei Monaten gekauft - und unternehmen damit gerade eine Reise durch Deutschland, so wie ich. Ihr Spartipp für mehr Reichweite: "Mit Tempo 140 im Windschatten eines Transportwagens auf der Autobahn fahren." Die Klimaanlage, ja, die koste auch Energie. Ohnehin schaffe sie es nicht, bei heißem Wetter für genug Kühlung zu sorgen - man überlege bereits, die Scheiben zusätzlich abkleben zu lassen, um die Sonne auszusperren. Ansonsten sind die beiden Besitzer mit ihrem Tesla zufrieden. "Fahrer von Elektroautos sind vielleicht aber auch kompromissbereiter", sagen sie.

"Doch, der kommt deutlich weiter als 100 Kilometer"

Nach zwei Stunden Lade- und Gesprächszeit geht die Fahrt weiter. Mit vollen Akkus auf der A9 in Richtung Süden, entschließe ich mich, in Leipzig Halt zu machen. Auch dort weckt die rote Limousine Interesse. Ob vor dem Völkerschlachtdenkmal oder auf der belebten Karl-Liebknecht-Straße: Es hagelt Fragen zum Tesla. "Ja, der fährt rein elektrisch", antworte ich, und "doch, der kommt deutlich weiter als 100 Kilometer."

Von Leipzig will ich weiter nach Erfurt, dort soll das Auto über Nacht an die Steckdose. Am nächsten Tag, so lautet mein Plan, ist Mannheim mein Ziel. Dort trat Autopionierin Bertha Benz ihrerzeit schließlich zur berühmten Überlandfahrt an, um Skeptiker von Automobilen zu überzeugen. Irgendwie fühlt sich eine Fahrt mit dem Tesla S genauso an: Elektromobilität ist im 21. Jahrhundert angekommen. Nur glaubt das noch kaum einer.

Ein Einzelzimmer mit Stellplatz und Steckdose, bitte!

Beim Abendessen in Leipzig telefoniere ich Hotels in Erfurt ab. Um den Testwagen zu laden, benötige ich zwingend eine Bleibe mit eigenem Parkplatz. Von Elektro-Ladeplätzen will ich da noch gar nicht sprechen. Einige Hotels sind mit E-Mobilen bereits vertraut ("Wir schließen einfach eine Kabeltrommel an eine Steckdose und verlegen sie zu ihrem Auto.") - doch leider sind diese Unterkünfte ausgebucht. Langsam dämmert mir: Wer elektrisch unterwegs ist, muss langfristig planen.

Fünf weitere Hotels haben entweder keine Zimmer frei oder bieten keine Lademöglichkeit. In einem Hotel bemüht man sich, den Hausmeister noch zu erreichen. Ich fahre bereits die A9 Richtung Hermsdorfer Kreuz, als mich der Rückruf erreicht: "Leider keine guten Nachrichten für Sie, Herr Harder."

Daraufhin beschließe ich, zum nächsten Supercharger bei Münchberg hinter Hof zu fahren. Eine Übernachtungsmöglichkeit habe ich aber auch da noch nicht.

Lesen Sie im letzten von drei Teilen, wieso lokale Energieversorger der natürliche Feind des E-Autos sind - und warum unser Mitarbeiter nach seiner Tour nicht nur reich an Erfahrung ist, sondern auch tatsächlich Geld gespart hat.

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