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Tesla Model X: Elektroauto für die Großfamilie

Foto: DAVID MCNEW/ REUTERS

Tesla Model X Strom unter den Flügeln

Das Auto soll geräumig wie ein Minivan sein, beschleunigen wie ein Porsche - und das mit einem Elektromotor. Tesla-Chef Elon Musk hat das neue Modell X vorgestellt. Der Flügeltürer soll auch die letzten Zweifler vom Stromantrieb überzeugen. Es könnte sogar klappen.

Rund um den Flughafen von Hawthorn geht gerade nichts mehr. Nur im Schritttempo quälen sich die Autos um das Areal im Süden von Los Angeles. Das ist normal in der Millionen-Metropole, doch dieser Stau ist anders. Während sonst in den USA immer noch viele V6- und V8-Motoren bollern, hört man hier vor allem das ungewohnte Surren Dutzender Elektromotoren. Fast jedes zweite Auto im Gewühl ist nämlich ein Tesla Roadster.

Das Ziel der E-Auto-Fahrer ist das Designcenter der Marke Tesla Motors. Dort, in einem ehemaligen Hangar, gibt Firmenchef Elon Musk an diesem Freitag den Startschuss für die nächste Attacke auf den Verbrennungsmotor. "Wenn sich nicht bald etwas ändert, sind wir alle im Eimer", ruft er seinen Fans entgegen.

Musks Strategie klingt logisch. "Wenn das Elektroauto den Durchbruch schaffen soll, muss es nicht gleich gut, sondern besser sein als alles Bisherige", sagt er. Dann zieht er das Tuch vom neuen Modell X. Es ist ein Luxusliner der Fünf-Meter-Klasse, eindrucksvoll, wuchtig, selbstbewusst. "Der bietet Platz wie ein Minivan, sieht aus wie ein SUV und fährt wie ein Sportwagen", beteuert der Chef. Das Publikum jubelt. Es ist ein bisschen so wie früher, als Steve Jobs seinen Anhängern ein neues i-sonstwas vorstellte.

Grundsätzlich ist eine halbwegs sportlich gestylte Familienkutsche ja nichts Neues. Doch wenn die Motoren kaum größer sind als eine Getränkekiste und die Akkus als flaches Sandwich im Wagenboden untergebracht sind, wird es interessant. Dann reicht der Platz zum Beispiel für eine dritte Sitzreihe. Und er reicht für je einen Kofferraum vorn und hinten. Bei Tesla heißt das Gepäckabteil im Heck klassisch "Trunk", das im Fond nennen sie "Frunk". Allein in den Frunk, behauptet Musk, passe mehr Gepäck als in einen Audi Q7.

Eine Mischung aus Maserati und BMW

Solange das Auto verschlossen auf der Bühne steht, sind einige Tesla-Fans allerdings doch noch etwas skeptisch. An die Form des Wagens, mit einer Schnauze nach Art des Maserati Quattroporte und einem Heck wie beim BMW 5er GT müssen sie sich erst gewöhnen. Doch als Musk die Türen öffnet, ist das Eis gebrochen. Beifall brandet auf. Wie bei einem Mercedes SLS öffnen sich die Fondtüren wie Flügel. "Falconwing-Doors", wie sie sich Chefdesigner Franz von Holzhausen für das Model X hat einfallen lassen, hat man bislang noch nie an einem Familienauto gesehen.

Als Musk lässig auf die dritte Sitzreihe flutschen möchte, muss er sich aber gehörig verbiegen. Trotzdem lächelt er tapfer in die Kameras und sagt: "Noch nie war Einsteigen so einfach." Dann lässt er sich doch lieber in der zweiten Sitzreihe nieder.

Als die Gäste ins Auto dürfen, ist der Fahrerplatz am begehrtesten. Man sitzt hier so bequem und luftig wie in einer Mercedes S-Klasse und blickt in ein Cockpit, das jeden Computerfreak neidisch macht. Die voll animierten Instrumente sehen besser aus als Fernsehen in HD und der riesige Tochscreen auf der Mittelkonsole strahlt brillanter als ein iPad. "Niemand will in einem Auto für viele tausend Dollar auf Qualitäten verzichten, die Computer und Telefone für wenige Hundert Dollar bieten", sagt Musk.

Starthilfe von Toyota und Mercedes

Ganz neu ist diese schöne neue Infotainment-Welt für die Tesla-Gemeinde allerdings nicht. Sie stammt, wie auch der Antrieb des neuen Autos, aus dem Modell S, das ab Juni in den Handel kommt. Im Falle des Model X jedoch werden - auf Kundenwunsch und gegen Aufpreis - beide Achsen mit Elektromotoren bestückt. Dann wird aus dem Elektroauto ein Allradler. Zu den E-Maschinen wird an diesem Abend noch nichts Näheres mitgeteilt.

Musk gibt nur eine Information preis: "Das Model X schafft den Sprint von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden und hängt damit auch den Porsche 911 ab." Wie beim Model S dürfte allerdings auch bei diesem Auto bei 200 km/h Schluss sein. Zur Reichweite ist nur zu hören, dass es zwei unterschiedlich große Batteriepakete geben soll, wobei das Größere Strom für gut 400 Kilometer speichern kann.

War der Tesla Roadster noch ein elektrifizierter Lotus, sind die Limousine S und das Model X eigene Entwicklungen, die sich eine gemeinsame Plattform teilen. Allerdings gebe es prominente Geburtshelfer, räumt Musk ein. Tesla hat seinen Partnern und Teilhabern Daimler und Toyota bei der Elektrifizierung von Smart, A-Klasse und RAV-4 geholfen. Im Gegenzug haben die großen Autohersteller den Newcomern bei der Entwicklung seiner Autos unter die Arme gegriffen, berichtet Musk.

Von Toyota übernahm Tesla für eine handvoll Dollar auch die Fabrik in Kalifornien, in denen die neuen Modelle gebaut werden sollen. Dort laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Serienproduktion des Modell S. Bis auch das Modell X dort vom Band läuft, werden allerdings noch fast zwei Jahre vergehen. Die Fangemeinde scheint das nicht zu stören. Im Gegenteil: Kaum war die Enthüllungsshow vorbei, unterschrieb mancher Premierengast schon eine Vorbestellung.

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