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19. November 2013, 16:52 Uhr

Brände beim Model S

US-Verkehrsbehörde nimmt Tesla ins Visier

Das Tesla Model S galt bisher als Vorzeigefahrzeug. Bis drei davon nach Unfällen Feuer fingen. Firmenchef Elon Musk hat nun die Untersuchung der Brände selbst in Auftrag gegeben. Ein riskantes Unterfangen. Droht dem jungen Unternehmen eine Rückrufaktion?

Nach drei Bränden innerhalb weniger Wochen will die US- Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA das Elektroauto Tesla S genauestens prüfen. Die Behörde leitete eine Voruntersuchung ein, die zu einem Rückruf führen könnte. Tesla-Chef Elon Musk hatte eine freiwillige Serviceaktion des Herstellers noch vor wenigen Tagen kategorisch ausgeschlossen. Der mindestens 72.000 Euro teure Wagen wird seit kurzem auch in Deutschland verkauft.

Eine Rückrufaktion hätte für den jungen Autohersteller aus Kalifornien schwerwiegende Folgen. Technische Defekte schaden dem Image und kämen Tesla teuer zu stehen. Die bereits jetzt verkauften 19.000 Fahrzeuge müssten alle nachgebessert werden.

Tesla-Chef Elon Musk bleibt bei seiner bisherigen Argumentationsstrategie. Im Firmenblog bestritt er erneut, dass die Elektro-Sportlimousine besonders feuergefährdet sei. Gegenüber Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren sei das Risiko sogar geringer, erklärte er und führte entsprechende Statistiken an. Es gebe "kein sichereres Auto auf der Straße als das Model S". Tatsächlich hatte die US-Verkehrssicherheitsbehörde dem Fahrzeug gute Noten nach einem simulierten Crash ausgestellt.

Metallteile drangen offenbar in das Batteriegehäuse ein

In der Realität fällt die Bilanz anders aus. Bei zwei Unfällen in den USA waren offenbar Metallgegenstände auf der Fahrbahn in den Unterboden des Fahrzeugs vorgedrungen und hatten die dort verbaute Batterie beschädigt. In einem dritten Fall in Mexiko löste eine heftige Kollision das Feuer aus. Alle drei Fahrer konnten die Wagen unverletzt verlassen.

Tesla-Chef Musk betonte, die NHTSA selbst um eine Untersuchung gebeten zu haben. Er wolle verhindern, dass sich "eine falsche Wahrnehmung der Sicherheit von Elektroautos festsetzt". Er kritisierte die Berichterstattung in den Medien, die die Vorfälle hochgespielt hätten.

Die verwendeten Lithium-Ionen-Batterien sorgten allerdings schon häufiger für Ärger, etwa in Laptops oder Mobiltelefonen. General Motors verbesserte die Konstruktion seines Elektroautos Chevrolet Volt, nachdem die Akkus erst Tage nach einem Crashtest in Flammen aufgegangen waren. Auch Boeing überarbeitete die Batteriekonstruktion in seinem "Dreamliner" nach Bränden und einem daraus resultierenden Flugverbot.

Um die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls zu senken, wird der Hersteller nun die Bodenfreiheit der luftgefederten Autos erhöhen. Tesla dehnt als vertrauensbildende Maßnahme zudem seine Garantie auf Feuer aus.

Die Brände hatten die Aktie des Börsenlieblings Tesla einbrechen lassen. Am Montag fiel der Kurs um weitere zehn Prozent. Seit seinem Höchststand von 194,50 Dollar vor anderthalb Monaten hat das Papier annähernd 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Nach wie vor ist die Tesla-Aktie noch mehr als dreimal so teuer wie zu Jahresbeginn. Der Wagen fand besonders im wohlhabenden Silicon Valley viele Fans. In diesem Jahr will Tesla etwa 21.500 Stück bauen; ein neues günstigeres Modell soll die Verkäufe vervielfachen.

mhu, dpa

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