Tesla Roadster Zu cool, um wahr zu sein

George Clooney hat einen bestellt, Arnold Schwarzenegger reservierte gleich zwei: Der Tesla Roadster gilt als heißestes Elektroauto der Welt. Kurz vor dem Verkaufsstart gerät der kalifornische Hersteller des Sportwagens ins Schlingern - was die Elektroauto-Branche um Jahre zurückwerfen könnte.

George Clooney ist Warten nicht gewohnt. Schon gar nicht, wenn es sich um etwas so Beliebiges wie einen 100.000-Dollar-Sportwagen handelt. Doch zurzeit harrt der Hollywood-Star seines Tesla Roadsters, jenes batteriebetriebenen Flitzers, der unter Kaliforniens A-Promis als absolutes In-Auto gilt. Zumindest muss Clooney nicht allein warten: Auch Gouverneur Arnold Schwarzenegger sowie die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben den Roadster geordert - und den kompletten Kaufpreis im Voraus bezahlt.

Inzwischen ist klar, dass die Reichen und Schönen mehr Geduld beweisen müssen als geplant. Denn Tesla Motors, der Hersteller des Vorzeige-Elektroautos, kämpft mit Problemen: Der Auslieferungstermin verschob sich mehrfach, Top-Manager wurden abrupt ausgetauscht. Gerät der Traum von Elektroauto, das ganz ohne Emissionen auskommt, wieder einmal unter die Räder? "Das Thema kommt zwar immer wieder", sagt ein skeptischer Branchenkenner, "doch dann setzt irgendwann die Realität ein." Tatsächlich ist die Geschichte des Elektroautos vor allem eine Aneinanderreihung von Desastern. Den letzten großen Flop fabrizierte Mitte der Neunziger General Motors (GM) mit dem EV1. Dank seiner Bleiakkus konnte die ausgesprochen hässliche GM-Fuhre zwar immerhin 160 Kilometer weit fahren. Aber nur, wenn man sie acht Stunden auflud. Auch andere Elektrokonzepte fielen beim Verbraucher durch - zu schlapp die Akkus, zu lustfeindlich das Design.

Dotcom-Milliardäre bauen ein Auto

Bei Tesla sollte alles anders werden. Tatsächlich ist die Geschichte des Unternehmens aus San Carlos fast zu cool, um wahr zu sein: Der Ingenieur Martin Eberhard beschließt 2003, eine Ökogefährt zu bauen, das Spaß macht. "Elektroautos wurden bisher von Leuten gemacht, die keine Autos mögen", sagte er. Angetrieben werden soll der Roadster von 6831 Lithium-Ionen-Akkus, wie sie auch in Laptops oder Handys Verwendung finden.

Als Finanziers gewinnt der umtriebige Firmengründer die Crème de la Crème des Silicon Valley. Neben Paypal-Gründer Elon Musk steigen die Google-Boys Brin und Page ein, ferner etliche Wagniskapitalfonds mit erstklassigem Ruf. Die Dotcom-Milliardäre lieben Eberhards Idee. Und sie sind überzeugt, dass ein kalifornisches Startup das Zukunftskonzept Elektroauto viel besser umsetzen kann als ein behäbiger Industriegigant wie GM. "Silicon Valley ist bei allem, was es tut, Weltspitze", formuliert Musk in der "Business Week" seinen Anspruch.

Die Medien verschlingen die Geschichte "Internet-Milliardäre revolutionieren Autoindustrie" natürlich wie Schokolade. Auch bei Politikern und Showstars findet der Tesla Roadster schnell Anklang. Kein Wunder: Das Auto ist nicht nur unweltfreundlich, es beschleunigt darüber hinaus in weniger als vier Sekunden von null auf hundert, kann also einen Porsche 911 mühelos versägen. Zudem sieht der Roadster sexy aus - das Karosseriedesign kommt von der britischen Sportwagenmanufaktur Lotus und hat so gar nichts von früheren Müsli-Elektroautos.

Gouverneur Schwarzenegger, der früher am liebsten in spritsaufenden Hummer-Geländewagen vorfuhr, lobt den Tesla überschwänglich: "Ich habe dieses Auto probegefahren, und es ist heiß." Für die Westküstenprominenz legt Tesla ein Programm mit dem Namen Signature One Hundred auf: Die ersten hundert Autos gibt es nur gegen Vorkasse. Die Wagen sind rasch verkauft - wer würde nicht gerne als erster in einem Tesla den Rodeo Drive entlangbrettern? Insgesamt will Tesla 2007 nach eigenen Angaben 600 Fahrzeuge ausliefern - bei vorheriger Reservierung und üppiger Anzahlung.

Schneller als die Konkurrenz?

Der Zeitplan wirkt ambitioniert, vor allem wenn man ihn mit den Elektroprojekten großer Autokonzerne vergleicht. GM etwa arbeitet an einem Gefährt namens Chevrolet Volt. Avisierter Starttermin: nicht vor 2010, eher später. "Autos mit einem kompletten Elektroantrieb sind immer noch eine schwierige Kiste", sagt Nick Margetts vom Marktforscher Jato Dynamics.

Bei GMs größtem Widersacher Toyota geht es kaum schneller. Der japanische Autobauer gilt mit seinem Hybridauto Prius zwar als Ökoprimus, hat dem Vernehmen nach aber erhebliche Probleme mit seinen Akkus. In der nächsten Prius-Generation sollen statt Nickel-Metallhydrid-Akkus leistungsfähigere Lithium-Ionen-Blöcke stecken. Doch wie unlängst bekannt wurde, könnte sich der Start des neuen Prius um mehrere Jahre verzögern, weil die Akkus unter bestimmten Bedingungen Feuer fangen. Das Phänomen ist aus der Computerbranche wohl bekannt - Sony hatte 2006 einen großangelegten Akku-Rückruf starten müssen, weil die Batteriespeicher von Laptops mehrerer Hersteller in Flammen aufgegangen waren.

Offenbar kam es kaum jemandem seltsam vor, dass Tesla Autos mit Lithium-Ionen-Antrieb Jahre vor den etablierten Herstellern ausliefern wollte. Inzwischen ist klar, dass Eberhard und seine Manager zu optimistisch waren. Hatte das Unternehmen Mitte 2006 noch eine Auslieferung Anfang 2007 versprochen, verschob sich der Starttermin seitdem immer wieder nach hinten. Erst wurde aus Frühling Sommer, dann gelobte Eberhard, man werde alle 600 vorbestellten Fahrzeuge im Oktober 2007 bereitstellen.

Termin nicht eingehalten, Chef gefeuert

"Wir werden zu diesem Zeitpunkt definitiv ausliefern", sagte der Vorstandsvorsitzende am 7. August der Nachrichtenagentur Reuters. Wenige Tage später wurde Eberhard überraschend durch Michael Marks ersetzt, einem Tesla-Geldgeber der ersten Stunde. Er fungiert nun als Interimschef. Einen endgültigen Nachfolger für den neuerdings als Cheftechnologen firmierenden Eberhard gibt es nicht. Das lässt vermuten, dass der Abgang nicht "lange vorbereitet" war, wie der Gründer in einem Brief an seine Kunden schreibt.

Der neue Chef hat als erste Amtshandlung nochmals den Zeitplan geändert. Im ersten Quartal 2008 sollen nun lediglich 50 Fahrzeuge ihren Besitzern übergeben werden. Die restlichen Autos folgen im Modelljahr 2008, Details unbekannt. Was genau das Problem ist, verrät Tesla nicht. In einem Brief an die Kunden schrieb Marks Ende September: "Tests zeigen, dass wir mehr Zeit benötigen." Der Vorstandschef spricht lediglich vage davon, dass man weitere "Lebensdauertests" durchführen wolle.

Angesichts der Probleme bei Toyota liegt es nahe, über die Akkus zu spekulieren. Tesla-Sprecher David Vespremi erklärte jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Verzögerungen haben nichts mit den Akkus zu tun." Möglicherweise macht dem Newcomer schlichtweg die Komplexität des Projekts zu schaffen. Man habe ihn gewarnt, dass die Gründung eines Autoherstellers extrem schwierig sei, juxte Eberhard kürzlich vor US-Journalisten. "Und wissen Sie was? Die hatten Recht!"

Das zweite Auto vor dem ersten

Ob Tesla Motors seinen Roadster wieder auf Spur bekommt, wird sich bald zeigen. Platzt der Auslieferungstermin im Frühjahr 2008, könnte es turbulent werden. Eberhard und Marks haben nach dem Roadster (Codename: Dark Star) nämlich bereits ein weiteres Projekt namens White Star angestoßen.

Dabei handelt es sich um einen batteriebetriebenen Fünfsitzer, der bereits 2009 in wesentlich größeren Stückzahlen als der Roadster in New Mexico vom Band rollen soll. Um die neue Fabrik in Albuquerque finanzieren zu können, will sich Tesla dem Vernehmen nach Geld an der Börse besorgen. Die Spritztour an die Wall Street wird aber nur gelingen, wenn der Roadster eine Erfolgsgeschichte wird. Und auch die eher freudlose Elektroauto-Branche könnte eine Erfolgsgeschichte mit etwas Glitzer und Glamour eigentlich gut gebrauchen.

George Clooney muss wohl noch ein bisschen warten, aber vielleicht macht das gar nichts: Der Ökofreak hat sich unlängst ein Elektrowägelchen der Marke Tango angeschafft. Der Zweisitzer kann zwar optisch nicht mit dem Tesla Roadster mithalten - aber dafür ist er verfügbar.

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