Tomoto Buggy Rückkehr des Flower-Power-Mobils

In den sechziger Jahren verwandelte der Kalifornier Bruce Meyers den ersten VW Käfer in einen luftigen Beach-Buggy. Zwischenzeitlich machten Cabrio und Roadster dem Hippie-Mobil den Garaus - jetzt kehrt der Strandfloh zurück.


Thorsten Jaschke versucht von Dortmund-Eichlinghofen aus, das Flower-Power-Gefühl der späten Sechziger wiederzubeleben. Der Besitzer der Firma Crazy Cars & Vehicles hat bei einem italienischen Hersteller namens LAM den Tomoto Buggy entdeckt und importiert den luftigen Zweisitzer nun nach Deutschland. Vorbild des Strandflitzers ist der Original-Buggy, der seine Karriere zu Hippie-Zeiten am Strand von Pismo-Beach in Kalifornien begann. Der umgebaute Käfer stieg zum Kultobjekt auf, er war der freizügige Bruder des einstigen VW Beetle und ließ zu den Klängen der Beach Boys fast alle Hüllen fallen.

Entwickelt wurde der Ur-Buggy vom Bootsbauer Bruce Meyers, der ein leichtes Spaßgerät wollte, mit dem man es in den Dünen krachen lassen konnte. Als Basis dient den Konstrukteuren des Sandflohs das Fahrgestell des VW Käfer, das für ein wendigeres Fahrverhalten leicht gekürzt wurde. An der Hinterachse gab es breite Reifen, die nicht im Sand versinken, und über die Bodengruppe wurde eine luftige Kunststoffschale gestülpt, die je nach Mode und Zeitgeist lackiert und mit allerlei Chrom und Leuchten veredelt wurde.

Das Konzept fand auch in Deutschland Anklang – obwohl es auf Sylt selbst im Sommer nicht so sonnig wird wie in Kalifornien. Dennoch nahmen einige Karosseriebauer den Kampf mit dem TÜV auf, so dass ab 1968 auch bei uns die ersten Lifestyle-Ableger des Käfers losrollten. Selbst große Unternehmen wie Karmann mischten in dieser Nische mit. Allerdings währte die Karriere der Tangas unter den Open-Air-Autos hierzulande nur kurze Zeit. Mit dem Ende des Käfers und dem Siegeszug konventioneller Cabrios lief ihre Zeit ab. Und so, wie heute die Beach Boys nur noch bei Oldie-Parties auftreten, stößt man allenfalls noch bei Veteranentreffen auf Buggys.

Im Boden gibt's ein Loch als Wasserablauf

Das will Importeur Jäschke ändern. Dabei setzt er auf einen nur 500 Kilo schweren Zweisitzer, den sein Lieferant in Monza weitgehend von Hand vor allem aus Fiat-Teilen montiert. Rund 150 Exemplare werden pro Jahr gefertigt. Als Antrieb dient übrigens ein 1,1-Liter-Motor aus dem Panda.

Die Karosserie besteht wie damals aus Kunststoff und ist genau so knapp geschnitten wie beim Original. Wer über die kniehohe Seitenwand geklettert ist und sich in die tiefliegende Lederschale des Fahrersitzes gefädelt hat, fühlt sich in etwa so, als führe er in einer Badewanne. Immerhin: Die Wanne besitzt eine Frontscheibe und einen Überrollbügel. Ansonsten aber rollt man im neuen Buggy dahin wie auf dem Präsentierteller. Vor schlechtem Wetter schützt lediglich ein Stoffverdeck. Es anzubringen, ist ähnliche fummelig und nervenzehrend wie der Versuch, im stürmischen Regen ein Zelt aufzubauen. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es für den Fall des Wassereinbruchs, ein Ablaufloch im Boden des Fahrzeugs gibt.

Ein Geruch, wie früher beim VW Käfer

Die bessere Entscheidung lautet daher: Hände fest ums Sportlenkrad schließen, beherzt aufs winzige Alupedal im engen Fußraum treten, zurückschalten in den dritten Gang und dem Regen davonfahren. Dabei knattert der Vierzylinder im Heck wie weiland der Boxer-Motor des Käfers. Er riecht auch ähnlich. Denn mehr als die Abgasnorm Euro-2 erfüllt der Motor nicht. Dafür hätte er Kraft ohne Ende – wenn Jäschke ihn denn ließe. Doch um für den Wagen überhaupt eine Zulassung zu bekommen, musste er als Quad deklariert werden. "Dann sind unter anderem die Crashanforderungen nicht so streng", sagt der Importeur. Das erklärt auch, warum der Motor von 65 auf 21 PS gedrosselt werden musste. Der Tomoto Buggy ist daher statt 160 km/h nur noch mit maximal Tempo 80 unterwegs.

Der Grundpreis des Tomoto liegt bei 15.990 Euro. Für das gleiche Geld gäbe es auch einen offenen Smart oder, etwas Verhandlungsgeschick vorausgesetzt, ein gebrauchtes Klappdach-Cabrio. "Doch das ist die falsche Zielgruppe", sagt Lars Lorenzen vom Fachmagazin "Quadwelt". Echten Freaks ist die Preisdifferenz möglicherweise schnuppe. "Wer Elf- oder Zwölftausend Euro für ein Quad oder ein All-Terrain-Vehicle ausgibt, der kommt beim Buggy und damit bei der Aussicht auf ein cooles Freizeitgefährt mit zwei nebeneinander liegenden Sitzen und einem ordentlichen Verdeck schon ins Grübeln."



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