Totalschaden Big in Japan

Deutsche Autobauer trumpfen in Japan wieder mal auf. Mit Leistung und Geschwindigkeit. Die Japaner dagegen zeigen mit zahlreichen alternativen Antriebskonzepten, wohin die Zukunft in der Branche wirklich geht.

Von Frank Wald, Tokio


Opel Astra OPC X-Treme

Opel Astra OPC X-Treme

Ein auf 444 PS getrimmter Opel Astra OPC X-treme mit Flügeltüren, eine Batmobil-ähnliche Studie von Mercedes und eine Superflunder von VW, die den Weltrekord im Kreisfahren hält. Ganz toll! - Dabei hätte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, als er bei der Vorstellung der F400-Carving-Studie mit einer Glaskugel in der Hand über die "Zukunft des Automobils" spekulierte, einfach nur durch die Glaskugel hindurch blicken sollen. Dann hätte er den gegenüber liegenden Toyota-Stand gesehen, auf dem der fahrfertige Brennstoffzellen-Prototyp FCHV-4 (Fuel Cell Hybrid Vehicle) stand.

Mercedes F 400 Carving
DPA

Mercedes F 400 Carving

Während die Stuttgarter mit ihrem seit Jahren angekündigten Brennstoffzellen-Auto Necar auf sich warten lassen, wollen die Japaner ihren Wasserstoff-Wagen in zwei Jahren auf dem Markt anbieten. Auch Konzerntochter Daihatsu gleich nebenan wartet mit einem vergleichbaren Auto auf: dem FCV, der ebenfalls mit dem abgasfreien Motor betrieben wird. Und Toyota ist kein Einzelfall.

Alternative Antriebskonzepte sind bei allen japanischen Herstellern auf dem Vormarsch, wie bei der Tokio Motor Show zu sehen ist. Meistens handelt es sich dabei um Hybride, also Kombinationen von Verbrennungs- und Elektromotoren, die, wie der Honda Civic Hybrid oder Toyotas Dreiliter-Auto ES3 (Eco Spirit Cube) kurz vor der Markteinführung stehen oder bereits (Toyota-Van Previa) auf Japans Straßen fahren.

VW W12 Coupé

VW W12 Coupé

Zwar haben die Japaner wegen ihres gigantischen Verkehrsaufkommens und wegen der verschärften Low-Emission-Gesetze im wichtigen Exportmarkt USA den größeren Druck, solche Autos zu entwickeln. Die Ernsthaftigkeit und die Ideenvielfalt aber, mit der sie dabei vorgehen, ist beispielhaft. Vielleicht ja auch mal für den einen oder anderen Hersteller hierzulande. Die prognostizieren den Serienanlauf von Brennstoffzellenfahrzeugen in Deutschland nicht vor dem Jahre 2010. Bis dahin scheuchen sie lieber automobile Donnerkeile mit 300 Sachen durch die Steilkurven.



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