Totalschaden DDR-Mief in Dosen
So schlecht wie ihr Ruf seien Ostprodukte nicht gewesen, wirbt Internet-Händler Jahn auf seiner Webseite. Doch kaum etwas riecht schlechter als sein neustes Produkt: konservierte Trabi-Abgase.
Eisenhüttenstadt - Zu DDR-Zeiten war der Mief des tuckernden Zweitaktmotors allgegenwärtig, heute weht nur noch selten der Duft des Zwickauer Trabanten durch die Straßen der Republik. Die letzten Exemplare des Ost-Autos erregen heute Aufsehen, werden sorgfältig gepflegt und auf kultigen, internationalen Treffen vorgeführt.
Die Ostalgie-Bewegung kommt dem Unternehmer Thorsten Jahn im brandenburgischen Eisenhüttenstadt gerade recht. Der 33-Jährige macht den DDR-Mief zu Geld: Seit etwa einer Woche verkauft er Abgase des Kultmobils in Blechdosen. Die Produktion der exklusiven Ware ist einfach. Jahn und seine Mitarbeiter halten einen Wattebausch vor das Abgasrohr ihres Trabanten, treten kräftig aufs Gas und verpacken die mit Rußpartikeln und Gestank gesättigten Bällchen in Blechbüchsen.
"Die Luft des Ostens" erläutert das Etikett den Inhalt der Dose, über einem Trabanten prangt die Knutschszene von Leonid Breschnew und Erich Honecker. Das Arrangement kostet 3,98 Euro, plus Portokosten in fast derselben Höhe, denn die Ostluft vertreibt Jahn über seinen Internethandel "osthits.de". Bislang hat er immerhin mehr als hundert Dosen verkauft, im Lager warten weitere 1800 auf zahlungsfreudige Liebhaber schlechter Luft oder unverbesserliche Ostalgiker.
Bis nach Italien hat der gelernte Stuckateur bereits Dosen mit stinkendem Inhalt geschickt. "Auch Anfragen aus Kanada liegen vor", sagt er. Mit der kuriosen Geschäftsidee will Jahn den einst zu DDR-Zeiten ständig präsenten Geruch vor dem Vergessen bewahren.
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