Totalschaden Ode an den schlechten Geschmack

Kernig, rau und aggressiv: Der Sound eines Porsche-Motors zeichnet sich seit ehedem durch einen etwas bissigeren Klang aus. Für Porsche wohl zu bissig - zumindest musikalisch schlagen die Schwaben jetzt ganz sanfte Töne an.

Von Victor Bruns


Warum gibt es Lieder über Autos? Zum Beispiel, weil Autofahren und der Genuss von Musik gut zusammenpassen. Oder auch deshalb, weil ein Automotor auf rhythmischem Gebiet durchaus mit den stampfenden Beats flotter Popmusik zu vergleichen ist.

Jetzt beim gut sortierten Porsche-Händler: Nicky K.'s "Ode an den Boxer"

Jetzt beim gut sortierten Porsche-Händler: Nicky K.'s "Ode an den Boxer"

Und dann natürlich, weil manche Autos nicht nur dazu taugen, Pendler von A nach B zu schaffen, sondern auch dazu, um Images oder Klischees zu transportieren. Deshalb gibt es Stücke wie "Mustang Sally" von Wilson Picket oder "Mercedes Benz" von Janis Joplin.

Eigentlich müsste es auch einen Song über den Porsche 911 geben, denkt der Auto-Aficionado. Leider kam auch der Österreicher Nicky K. auf die Idee, der im richtigen Leben Nikolaus Kalita heißt und als Komponist, Texter und Musikproduzent arbeitet.

Der Mann hat eine "Ode an den Boxer" geschrieben, sie dreimal hintereinander in unterschiedlicher Mundart gesungen, auf CD pressen lassen und den Autobauern aus Zuffenhausen angedreht. 20 Mark verlangen die für das Machwerk und jubilieren: "Erstmals gibt es eine musikalische Liebeserklärung an den Porsche 911."

Die klingt allerdings so weich, seicht, schmusig und ohne jeden Drive, als werde hier ein Hyundai Elantra besungen (übrigens: nichts gegen Hyundai). Der Text gibt - besonders als "Wiener Carrera Mix" - selbst wohlwollenden Hörern den Rest.

Ein Beispiel: "I brauch ka Katz und i brauch kan Stern.
Romeo und Giulia hob i a net so gern.
I brauch ka Pferd mit an Rotkopf-Zwölfer.
Alles was i brauch, Bua, is a Neunölfer."

"Dieses Lied macht Emotionen deutlich", schreibt Porsche in einem Begleitschreiben zur CD. "In der Tat", möchte man rufen, wenn die "Stopp"-Taste den Gesang des Herrn K. endlich auf die Standspur zwingt.

An einer Textstelle weicht das Entsetzen jedoch der Anerkennung. Dann singt Nicky: "Und hättens im Himmel 98 Oktan - Petrus würd sicher Neunelfer fahrn." Dieser Reim dürfte absolut einmalig sein in der Musikgeschichte. Wir warten auf Lieder mit den Reimworten: ESP, Klarglasoptik und Gurtkraftbegrenzer. Musik, zwo, drei!

Hörprobe: Ode an den Boxer



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