Totalschaden Wellness auf der linken Spur

BMW startet im September ein Programm mit dem schönen Namen "Driver Vitality". Die Seminare "zur Erhaltung und Steigerung der körperlichen und geistigen Fitness von Autofahrern" richten sich offenbar an Teilnehmer, die zu erhöhtem Puls, Verbissenheit und Leistungsdruck hinterm Steuer neigen.


"Freude am Fahren" heißt der Slogan von BMW. Doch der Hersteller durchweg sportlicher Fahrzeuge hat offenbar erkannt, dass diese Freude immer öfter getrübt wird. Die Gründe dafür - das wird so nicht gesagt, lässt sich aber mit etwas Alltagserfahrung folgern - dürften unter anderem volle Autobahnen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, langsamere Verkehrsteilnehmer, Elefanten-Rennen und Ähnliches sein. Allesamt Ursachen, die bei flotten Fahrern flotter Fahrzeuge zu Stress und Nervosität führen.

BMW Driver Vitality: Warm machen, bevor es ernst wird

BMW Driver Vitality: Warm machen, bevor es ernst wird

"Genau hier setzt Driver Vitality an", teilt BMW mit. In einem Fünf-Sterne-SPA-Hotel im österreichischen Sölden gibt es deshalb Unterweisungen in autogenem Training, Atemtechnik oder progressiver Muskelentspannung, "die in hektischen Situationen für mehr Gelassenheit" sorgen sollen. Ergänzt wird das Programm durch einen Massage-Workshop gegen "Rückenschmerzen, klamme Finger, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich" sowie Vorträge über gesunde Ernährung, Medikamentenkonsum, Schlafmangel und Reisezeitplanung.

Vermutlich sind solche Lehrgänge sinnvoll. Denn ganz offensichtlich haben zahlreiche Vielfahrer auf Grund immer engerer Termine und immer dichterem Verkehr tatsächlich einige elementare Dinge vergessen, die für ein sicheres und verantwortungsvolles Vorwärtskommen im Auto notwendig sind. Es gäbe natürlich auch einfache Ratschläge. Etwa den, dass ein Gaspedal nicht grundsätzlich voll durchgetreten werden muss; oder den, dass auch ganze Kerle nach 500 Kilometern Nonstop auf der linken Spur nur noch halb zurechnungsfähig sind; oder den, dass es kein Zeichen von Intelligenz ist, die StVO grundsätzlich zu ignorieren.

Aber damit füllt man eben kein "ganzheitliches Fahrer-Training" im schönen Österreich. Die jeweils dreitägigen Veranstaltungen kosten übrigens 1485 Euro pro Person. Mit der richtigen Atemtechnik ist man auch darüber schnell hinweg.

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