Totalschaden Worte aus Chrom

Der Ex-Staatsminister und heutige "Zeit"-Chefredakteur Michael Naumann hat den BMW Z8 Probe gefahren. Er findet, das Auto sei eine "Retro-Gemütsvitrine".

Von Jürgen Pander


BMW Z8: Ein Cabriolet zur Sommerszeit ist immer etwas Feines

BMW Z8: Ein Cabriolet zur Sommerszeit ist immer etwas Feines

"Der Aschenbecher zum Beispiel ist zu klein", klagt Michael Naumann, Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", in einem Fahrbericht über den BMW Z8. Das Auto ist zwar längst nicht mehr neu, doch ein Cabriolet zur Sommerszeit ist immer etwas Feines. Besonders wenn es sich um den Z8 handelt: Den sieht man nicht an jeder Ecke, und deshalb wird man sehr gut gesehen, wenn man drinsitzt.

Naumann fuhr unter anderem auf der Autobahn zwischen Hamburg und Berlin, wie er mitteilt. Viel Spaß scheint das nicht gemacht zu haben. Die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde nennt er "zwar abgeregelt, gleichwohl hinlänglich". Ausprobieren wie das ist, mit 250 Sachen gen Hauptstadt zu brettern, konnte er vermutlich nicht. Im Bericht werden ein Fiat Punto, diverse Baustellen und "durchgehende, sinnlose Geschwindigkeitsbegrenzungen" auf Tempo 100 als Haupthemmnisse des ungebremsten Vorwärtskommens genannt.

Überhaupt scheint der ehemalige Staatsminister kaum Freude an der freundlichen Leihgabe der Firma BMW gehabt zu haben. Optisch gefiel ihm der Wagen nicht sonderlich wegen seiner "freudianisch interpretierbaren, furchtbar männlichen Vorderpartie" und "muskulären Schwellungen" an den Radkästen. Und die ganze Technik hielt offenbar auch nicht das, was sich Naumann versprochen hatte. "Dieser Motor hingegen verhält sich zu allen seinen Vorgängern wie eine CD zur guten alten Vinylplatte. Das analoge Rauschen fehlt, die Abwesenheit des Ungenauen verstört." Zu ausgereift, zu perfekt, zu gut, findet Naumann. "Überhaupt nichts hakelt. Das fehlt."

"Ein wirklicher Sportwagen", so der Chefredakteur, "ein Roadster steht bei Regen am Straßenrand, weil die elektrische Anlage versagt." Nein, das tut er nicht. Jedenfalls nicht mehr - seit ungefähr 15 oder 20 Jahren. Und falls andere Edelfedern der Wochenzeitung ähnlicher Meinung sein sollten, werden sie ebenfalls bittere Enttäuschungen erleben. Nachzulesen ist das eventuell schon in der nächsten Ausgabe der "Zeit", denn für die ist ein Fahrbericht des Feuilletonchefs über den Maserati 3200 GT angekündigt.



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