Toyota Corolla Verso Ein Van wie Werder

Kaufzurückhaltung, Stagnation, Krise? Bei Toyota jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Um 20 Prozent stieg der Autoabsatz in Deutschland im ersten Quartal des Jahres, die Produktion in Europa wird gesteigert und bald kommt ein weiteres Volumenmodell zu den Händlern, der alles noch besser machen soll - der neue Corolla Verso.

Von Jürgen Pander


Elegantes Logo: Die Topversion "Executive" verfügt als erstes Fahrzeug in Europa über eine Frontkamera, die den toten Winkel beim Herausfahren aus schlecht einsehbaren Ausfahrten nahezu abschafft

Elegantes Logo: Die Topversion "Executive" verfügt als erstes Fahrzeug in Europa über eine Frontkamera, die den toten Winkel beim Herausfahren aus schlecht einsehbaren Ausfahrten nahezu abschafft

Toyota geht es derzeit wie den Fußballern von Werder Bremen: Die Marke hat einen Lauf. Auch wenn die Konkurrenz ordentlich auftritt und bisweilen sogar in Führung geht - den Japanern gelingt immer wieder der entscheidende Treffer. Jüngstes Beispiel ist der Kompaktvan Corolla Verso, der ab 24. April verkauft wird. Aus dem Siebensitzer wird mit wenigen Handgriffen ein zweisitziger Kleintransporter mit völlig ebenem Laderaum. Das Auto bietet serienmäßig sieben Airbags, darunter einen Knieairbag für den Fahrer.

Zudem verfügt die Topversion "Executive" als erstes Fahrzeug in Europa über eine Frontkamera, die den toten Winkel beim Herausfahren aus unübersichtlichen Ausfahrten oder engen Gassen nahezu abschafft (eine Heckkamera mit Einparkhilfe ist ebenfalls an Bord). Auf Wunsch wird ein DVD-System mit Bildschirmen in den Kopfstützen der Vordersitze installiert. Und das Design - innen wie außen - hat auch nichts mehr von der Freudlosigkeit früherer Modelle. Es stammt vom Italiener Elvio D'Aprile, der in Toyotas europäischem Designzentrum bei Nizza arbeitet.

Innenansicht des Toyota Corolla Verso: Cockpitinstrumente wie aus Eis

Innenansicht des Toyota Corolla Verso: Cockpitinstrumente wie aus Eis

Es ist offenbar die Summe solcher Details, die der japanischen Marke mehr und mehr Sympathie und auch Kunden beschert. Das vielzitierte "Kaizen", also das Prinzip der stetigen Verbesserung, scheint inzwischen auch hier zu Lande Früchte zu tragen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Corolla Verso Luna
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.794 ccm
Leistung: 129 PS (95 kW)
Drehmoment: 170 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 195 km/h
Verbrauch (ECE): 7,7 Liter
CO2-Ausstoß: 182 g/km
Kofferraum: 63 Liter
umgebaut: 1.563 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 17 (TK) / 14 (VK)
Preis: 21.500 EUR
Wie akribisch die Japaner dabei vorgehen, beschreibt Technik-Sprecher Peter Wandt am Beispiel der neukonstruierten Crashbox des Corolla Verso. Das unscheinbare Bauteil (Ersatzteilpreis zirka 35 Euro) sitzt als Verbindung zwischen Fahrzeugrahmen und Stoßfänger und soll im Falle eines Aufpralls möglichst viel Energie absorbieren. "Anfangs waren wir erschrocken, wie sehr das Auto beim Standardaufprall beschädigt wurde", sagt Wandt, "sogar die Kotflügel waren zerbeult". Dabei sollten gerade bei diesem Crashtyp - der Wagen wird mit 15 km/h frontal (40 Prozent Überdeckung) auf ein festes Hindernis gefahren - möglichst wenige Bauteile demoliert werden. Denn das Ausmaß des Schadens ist ein wesentliches Kriterium bei der Einteilung in die Versicherungsklassen.

Neu entwickelte und patentierte Crashbox: Im Falle eines Aufpralls möglichst viel Energie absorbieren

Neu entwickelte und patentierte Crashbox: Im Falle eines Aufpralls möglichst viel Energie absorbieren

"Neun Monate lang tüftelten die Ingenieure in Japan an einer effektiveren Crashbox, dann hatten sie eine Lösung gefunden", beschreibt Wandt den Aufwand, der getrieben wurde, um die günstigste Versicherungseinstufung der Kompaktvanklasse zu erzielen. Der Trick sind versetzt angebrachte Sicken in dem Bauteil, wodurch die Aufprallenergie sehr viel gleichmäßiger und effektiver abgebaut wird. Das simple aber wirkungsvolle Prinzip wurde prompt zum Patent angemeldet.

Beim Antrieb greift Toyota auf die drei bewährten Motoren zurück. Zwei Benziner mit 110 oder 129 PS (81 oder 95 kW) sowie ein Commonrail-Turbodiesel mit 116 PS (85 kW). Wir waren mit dem stärkeren der beiden Ottomotoren unterwegs, der gut zum Wagen passt. Die Fortbewegung sportlich zu nennen, wäre übertrieben, ein flotter Reisewagen aber ist der Corolla Verso 1.8 allemal. Positiv fiel uns die geringe Seitenneigung in zügig durchfahrenen Kurven auf, weniger gut gefiel uns die störend in die Blickrichtung ragende A-Säule, wenn es nach links geht.

Umfangreiche Sicherheitsausstattung: Serienmäßig sieben Airbags

Umfangreiche Sicherheitsausstattung: Serienmäßig sieben Airbags

Attraktiv und zugleich sachlich ist die Armaturentafel gestaltet. Sachlich, weil es nur wenige Tasten gibt und deren Funktionen auf Anhieb zu kapieren sind. Attraktiv, weil sowohl die Klimaanlage als auch die Cockpitinstrumente so bläulich-transparent schimmern, als wären sie aus Eis. Toyota spricht von Optitron-Anzeigen in aquamarin - jedenfalls sieht es klasse aus. Noch ein Pluspunkt: Es gibt ausreichend Ablagen und Staufächer.

Die Marketingleute von Toyota glauben, dass die Zeit der Siebensitzer angebrochen ist, weshalb das Auto lediglich in der Basisversion (19.600 Euro) nur mit fünf Sitzen, sonst jedoch stets mit sieben Plätzen ausgeliefert wird. Ob dies nun zutrifft oder nicht, fest steht, dass auf den niedrigen Höckern ganz im Heck ausschließlich Kinder bequem mitfahren. Für Erwachsene wird die Enge in der dritten Reihe schon unmittelbar nach dem Einsteigen lästig. Immerhin lassen sich die drei Sitze in Reihe zwei jeweils einzeln um bis zu 24 Zentimeter vor oder zurück schieben und die Neigung ihrer Lehnen um bis zu 30 Grad verstellen.

Toyotas Optimismus, vom neuen Corolla Verso noch in diesem Jahr 14.000 Exemplare in Deutschland zu verkaufen, wirkt realistisch. "Leben Sie los" lautet er Werbeslogan für das neue Modell. Es klingt wie "legen Sie los". Man könnte es auch als sportliche Aufforderung an die Konkurrenz deuten. Wir haben verstanden.



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