Toyota Hybrid-Rennwagen Der Elektroantrieb lernt das Rennen

Sport treiben hält fit, Sportabstinenz macht schlapp. Vielleicht gilt das auch für Autokonzerne? Toyota jedenfalls meldet sich im Motorsport zurück. Nach acht sieglosen Jahren in der Formel 1 treten die Japaner im Juni in Le Mans an - und zwar mit einem Hybrid-Rennwagen.

Toyota

Die neue Sportlichkeit von Toyota wurde von ganz oben verordnet. Denn der Chef des Konzerns, Akio Toyoda, hat Benzin im Blut, fährt liebend gerne schnelle Autos und lässt sich mit Vorliebe im feuerfesten Rennanzug fotografieren. Logisch, dass er auch das oft als etwas langweilig und lustfrei wahrgenommene Unternehmen zusehends auf Sportlichkeit trimmt. Der jüngste Coup: Toyota kehrt nach Le Mans zurück.

Das 24-Stunden-Rennen hat unter Autoherstellern inzwischen fast einen höheren Stellenwert als die grotesk überzüchtete Formel 1. Zuletzt lieferten sich beim Langstreckenrennen an der Sarthe Audi und Peugeot über mehrere Jahre ein Prestigeduell, wer denn nun den besseren Diesel-Rennwagen baue. In den vergangenen acht Jahren siegte Audi sieben Mal, Peugeot triumphierte einmal. Kürzlich zog sich die französische Marke überraschend aus dem Rennzirkus zurück. Toyotas Neustart, die Marke war bereits in den neunziger Jahren in Le Mans aktiv, kommt Veranstaltern und Fans daher gerade recht.

Für Toyota wiederum bietet das Rennen nicht nur die Chance, das Image zu verbessern, sondern auch den Ruf als Hybrid-Pionier zu zementieren. Der Rennwagen mit dem Namenskürzel TSO 30 tritt nämlich mit einem 3,4-Liter-V8-Benziner in Kombination mit mindestens einem Elektromotor an, wie jetzt bei ersten öffentlichen Testfahrten in Le Castellet bekannt wurde.

Gelingt Toyota ein Exoten-Sieg wie einst Mazda?

Weil Lithium-Ionen-Akkus für den Renneinsatz zu schwer und zu träge wären, kommen als Stromspeicher so genannte Supercaps zum Einsatz. Diese speziellen Kondensatoren erlauben extrem schnelle Ladezyklen und können schon mit ein paar Bremsmanövern vor einer Kurvenkombination komplett aufgeladen werden. Parallel geben die Supercaps ihre Energie auch blitzschnell wieder frei, so dass der Rennwagen am Kurvenausgang oder beim Überholen geradezu einen Satz nach vorn macht. Das soll den Fahrern Alexander Wurz, Nicolas Lapierre und Kazuki Nakajima helfen, die maßgeblich vom Rennstall TMG in Köln entwickelte Karbonflunder an die Spitze des Feldes zu manövrieren.

Wie genau der Hybridantrieb mit dem sperrigen Kürzel THS-R (Toyota-Hybrid-System-Racing) funktioniert, ist noch unbekannt. Und das nicht nur aus Sorge vor der Konkurrenz, sondern vor allem, weil es die Ingenieure offenbar selbst noch nicht so recht wissen. Erprobt werden bislang zwei unterschiedliche Systeme, bei denen die Elektromaschinen wahlweise die Front- oder die Hinterachse antreiben. Welche Konfiguration das Rennen macht, muss bald entschieden werden. Am 6. Mai soll der TS030 im belgischen Spa erstmals ein Rennen fahren.

Vermeintlich exotische Antriebstechnologien sind in Le Mans übrigens keine Seltenheit. Das haben vor Toyota nicht nur Audi und Peugeot mit ihren Diesel-Rennern bewiesen. Sondern auch Mazda gehört in diese Ahnenreihe. Beim bisher einzigen Sieg der Marke in Le Mans 1991 trat der Mazda-Renner mit einem Antriebskonzept an, dem in der Serie nie der Durchbruch gelang: es war ein Wankelmotor.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
dr.u. 27.01.2012
1. Dann wird's ja doch nicht langweilig in Le Mans
Zitat von sysopSport treiben*hält fit, Sportabstinenz macht schlapp. Vielleicht gilt das auch für Autokonzerne? Toyota jedenfalls*meldet sich im Motorsport zurück. Nach acht sieglosen Jahren in der Formel 1 treten die Japaner im Juni in Le Mans an -*und zwar mit einem Hybrid-Rennwagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,811572,00.html
Dann kann es ja doch noch interessant werden, wenn der Toyota Hybrid gegen den AUDI Hybrid antritt; nach dem Peugot kneift…
Boandlgramer 27.01.2012
2.
Mir ist nach wie vor rätselhaft, warum Peugeot sich zurückgezogen hat, denn die Siegesquote in Le Mans ist nur eine Seite der Medaille. In der ganzen Serie (ILMC/LMS - die meisten sind ja 6-Stunden-Rennen) hat Peugeot Audi ziemlich stehen lassen. Insbesondere 2011 darf man auch für Le Mans nicht vergessen, dass zwar ein Audi förmlich von den Peugeots über die Ziellinie getrieben wurde - dahinter fuhren nämlich die ganze Rotte von Peugeots, die drei Werkspeugeots und der Oreca. Es ärgert mich allerdings ein wenig, dass - aus Marketinggründen vermutlich - die Technik als "Hybrid" verkauft wird. Es ist ein elektrisches KERS, nicht mehr und nicht weniger... Echte Hybrid-Rennwagen sehen wir dann, wenn der Spritverbrauch drastisch limitiert wird - aber dann gibt es in der LMP-Klasse kein Feld mehr. Vielleicht wäre das eine Aufgabe für die GTs Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf Toyota und den neuen Audi R18(H).
Zynic 27.01.2012
3. Dann wechseln wir das Reglement
Zitat von sysopSport treiben*hält fit, Sportabstinenz macht schlapp. Vielleicht gilt das auch für Autokonzerne? Toyota jedenfalls*meldet sich im Motorsport zurück. Nach acht sieglosen Jahren in der Formel 1 treten die Japaner im Juni in Le Mans an -*und zwar mit einem Hybrid-Rennwagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,811572,00.html
Nachdem MAZDA mit dem Wankel gewonnen hatte, hat man sich entschlossen schnell das Reglement zu ändern. Erfolgt das auch nach dem Sieg von TOYOTA?
cancun771 27.01.2012
4. ???
Zitat von BoandlgramerMir ist nach wie vor rätselhaft, warum Peugeot sich zurückgezogen hat, denn die Siegesquote in Le Mans ist nur eine Seite der Medaille. In der ganzen Serie (ILMC/LMS - die meisten sind ja 6-Stunden-Rennen) hat Peugeot Audi ziemlich stehen lassen. Insbesondere 2011 darf man auch für Le Mans nicht vergessen, dass zwar ein Audi förmlich von den Peugeots über die Ziellinie getrieben wurde - dahinter fuhren nämlich die ganze Rotte von Peugeots, die drei Werkspeugeots und der Oreca. Es ärgert mich allerdings ein wenig, dass - aus Marketinggründen vermutlich - die Technik als "Hybrid" verkauft wird. Es ist ein elektrisches KERS, nicht mehr und nicht weniger... Echte Hybrid-Rennwagen sehen wir dann, wenn der Spritverbrauch drastisch limitiert wird - aber dann gibt es in der LMP-Klasse kein Feld mehr. Vielleicht wäre das eine Aufgabe für die GTs Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf Toyota und den neuen Audi R18(H).
Was soll denn wohl das Kriterium sein, das ein Auto zum "echten" Hybrid adelt? Zwei Antriebsquellen sind nach gängiger Definition dafür ausreichend. Und der Toyota kann immerhin sogar rein elektrisch fahren, anders als die Mildhybrid-Pkw von Mercedes und BMW.
nick999 28.01.2012
5. KERS oder Hybrid
Zitat von cancun771Was soll denn wohl das Kriterium sein, das ein Auto zum "echten" Hybrid adelt? Zwei Antriebsquellen sind nach gängiger Definition dafür ausreichend. Und der Toyota kann immerhin sogar rein elektrisch fahren, anders als die Mildhybrid-Pkw von Mercedes und BMW.
Die Supercaps dürfen nach Reglement (http://m.toyota.de/Images/toyota_news_details_2012_06_techn_Daten_TS030Hybrid_tcm281-1107017.pdf) zwischen zwei Bremsvorgängen 500kJ Bremsenergie speichern. Das sind etwa 0,14kWh. Das ist nicht viel. Was ist ein echter Hybrid? Beide Antriebssysteme müssen die gleiche Leistung liefern können. In dem verlinkten Beitrag heißt es jedoch: "verbundene Extra-Power wird das Herausbeschleunigen aus Kurven optimieren und spektakuläre Überholmanöver ermöglichen" Das ist ein KERS, mehr nicht.
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