Toyota-Modellwechsel Das meistverkaufte Auto der Welt verlässt Deutschland

Kein anderes Auto auf diesem Planeten wurde so oft gebaut wie der Toyota Corolla. Mehr als 32 Millionen Exemplare rollten in den vergangenen 40 Jahren aus den Fabriken des japanischen Konzerns. Nun steht ein Modell- und Namenswechsel an. Dennoch lebt der Corolla weiter.

In goldglänzendem Lack stand er auf einem Podest, und die Blitzlichter der Fotografen ließen das Auto funkeln wie ein Juwel. Für diesen Moment auf dem Autosalon in Paris im vergangenen September war der Toyota Auris in Star, der Wagen war soeben enthüllt worden, und mit dieser Premiere neigte sich auch die Karriere des weltweit erfolgreichsten Automodells dem Ende entgegen: des Toyota Corolla. Mit diesem Fahrzeug hatten die Japaner seit 1966 die Kompaktklasse bestückt - und tun dies auch weiterhin, allerdings nur außerhalb Europas. Denn das vor allen in den USA und Asien gefragte Stufenheckmodell der neuen Kompaktbaureihe Auris, das allerdings in Deutschland nicht angeboten wird, trägt weiterhin den Namen Corolla.

Der neue Name Auris wiederum wurde von der Agentur Nomen International Deutschland im Auftrag von Toyota Europa erfunden, und zwar schon vor drei Jahren "in einem sechsmonatigen Arbeitsprozess", wie die Namensberater mitteilen. Auris soll an "aurum", das lateinische Wort für Gold, erinnern, und die Endung "is" passt zu den anderen Toyota-Modellen wie Yaris oder Avensis. Hintergrund der Namensänderung sei eine "grundlegende Imagekorrektur" von Toyota. "In Europa konnte der Corolla das Image des zuverlässigen, aber biederen Pkw nicht ablegen. Dies lag auch am Namen, der von vielen europäischen Verbrauchern als unattraktiv und altmodisch empfunden wurde", schreibt Nomen.

Passend zum Ende des Corolla - zumindest in Deutschland trifft dies nach neun Generationen des Kompaktwagens ja zu - erscheint jetzt im Motorbuch-Verlag in Stuttgart die "Schrader-Typen-Chronik: Toyota Corolla" des Autors Joachim Kuch, die auf 96 üppig bebilderten Seiten die Geschichte des Bestsellers nachzeichnet, der seit 1971 auch hierzulande angeboten wird. Der Corolla war zugleich das erste Toyota-Modell, dass zwischen Sylt und Starnberg angeboten wurde, 6890 Mark kostet damals die zweitürige Version, das sportlicher geschnittene Coupé wurde für 7650 Mark angeboten.

Der neue Auris kostet inzwischen - grob gerechnet - das Vierfache. 15.200 Euro etwa verlangen die deutschen Händler ab 3. März, wenn der Verkauf startet, für das Einstiegsmodell der Baureihe. Zu Beginn sind vier Motorversionen im Angebot: zwei Benziner und zwei Diesel, die einen Leistungsbereich von 97 bis 177 PS abdecken.

Falls - und nichts spricht derzeit dagegen - der Auris an den Erfolg des Corolla anknüpfen kann, könnte sich auch der neue Wagen zum Goldesel für Toyota entwickeln. Denn wie man hört, schaffen es die Japaner, ein Exemplar in lediglich zwölf Stunden zu bauen. Ein VW Golf, so die Einschätzung von Branchenexperten, benötigt eine Bauzeit von rund 37 Stunden.

jüp

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.