Autogramm Toyota Supra Mit 340 PS auf Cayman-Jagd

Fans haben lange auf den neuen Supra gewartet - und bekommen, was sie niemals wollten: einen Motor von BMW und kein Schaltgetriebe. Kann das gut gehen?

Toyota

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Der erste Eindruck: Hast du ein Problem? Der Neue wirkt wie der muskelbepackte Rüpel, der gern andere auf dem Schulhof herumschubst. "Verdichtetes Extrem" nennt Toyota das Design des Wagens. Es zeichnet sich durch zwei Gegensatzpaare aus: einen kurzen Radstand bei großen Rädern und eine sehr schmale Gürtellinie bei einer breiten Spur.

Dadurch wirkt der Wagen trotz der vergleichsweise kompakten Maße ziemlich bullig. Es stecken jedoch auch allerlei Anleihen an den Vorläufer, die vierte Generation des Supra, im Design: Die Leuchten und auch der bürzelförmige Spoiler zitieren den Heckflügel des alten Modells.

Das sagt der Hersteller: Vor allem eines - es ist DER Supra, auch wenn die weibliche Form bei eingefleischten Fans beliebt ist. Ansonsten: selber fahren. Denn Zahlen wie Leistung oder Beschleunigung seien beim Supra zweitrangig, erklärt Masayuki Kai, Leiter des Supra-Entwicklungsteams in München: "Was zählt, ist das Gefühl. Das war auch eine Lehre aus dem GT86, der auf dem Datenblatt nicht zu den Stärksten gehört, aber enorm viel Spaß macht."

Der beinahe gleich große, aber deutlich schwächere GT86 soll die Übungsmaschine für den Suprafahrer sein, erklärt Kai: "Der ist zum Üben und Lernen gedacht, der Supra ist dann unser Kampfjet." Und wer so martialische Vergleiche zieht, hat auch ein klares Ziel: den Porsche Cayman zu schlagen. Diesem Ziel sei Toyota mindestens nahegekommen, erklärt Ingenieur Kai: "Beide sind auf der Landstraße ebenbürtig, der Supra ist auf Langstrecken deutlich komfortabler - dafür hat der Cayman leichte Vorteile auf der Rennstrecke."

Drei Elemente sollen den Supra zum Porsche-Jäger machen: eine breite Spur kombiniert mit einem kurzen Radstand und einem niedrigen Schwerpunkt. "Der Wagen liegt genau im goldenen Schnitt dieser Werte", sagt Kai stolz. Diesen Elementen musste sich alles kompromisslos unterordnen, auch das Design. Deshalb sei die Kabine trotz der breiten Karosserie schmal und relativ dunkel, so Toyota-Ingenieur Kai. "Aber das und die breitere Spur gleichen den Nachteil gegenüber dem Mittelmotorkonzept des Porsche Cayman aus."

Das ist uns aufgefallen: Mit verbundenen Augen hielte man Toyotas "Kampfjet" für einen BMW, so unverkennbar summt der Reihensechszylinder drauflos. Das ist zwar ungewohnt, passt aber zum Wagen. Denn auf den ersten Metern ist von der versprochenen Kompromisslosigkeit nichts zu spüren, im Gegenteil. Der Supra ist, genau wie der Reihensechszylinder, ein ruhiger und unkomplizierter Begleiter. Zunächst.

So schwimmt er im Stadtverkehr leise mit, gleitet im Stil eines Gran Turismo entspannt über die Autobahn - bis man dem Drang im rechten Fuß nicht mehr standhalten kann. Tief grummelnd macht der Supra einen Satz nach vorn, so schnell, dass die Bedenken, ob ein Schaltgetriebe nicht doch besser gewesen wäre, irgendwo auf der Straße zurückbleiben und nie mehr aufschließen können.

Die 340 PS des BMW-Motors mögen Fanatikern vielleicht als zu wenig erscheinen und sind im Vergleich zu anderen Sportwagen keine Hausnummer. Doch das Fahrgefühl vermittelt: Leistung ist das Letzte, was dem Wagen fehlt.

Egal in welcher Situation, der Supra hechtet beim Tritt aufs Gaspedal sofort in Richtung Horizont. Möglich wird das durch das Drehmoment von 500 Nm, das von 1600 bis 4500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Das spielt der Supra vor allem auf der Landstraße aus. Und dort stört die eingeschränkte Rundumsicht der engen Kabine auch nicht. Im Gegenteil, durch die schmale Windschutzscheibe fühlt sich der Wagen eher wie ein gut sitzender Helm an, der den Blick auf das Wesentliche fokussiert.

Präzise folgt der Supra jeder Lenkbewegung, ohne dabei nervös zu wirken oder die Insassen von links nach rechts zu schütteln. Wer im Sportmodus unterwegs ist und am Scheitelpunkt den Fuß fallen lässt, wird mit etwas Übersteuern belohnt. Das wird vom ESP sanft wieder eingefangen, das im Supra aber mehr entspannter Leibwächter als bevormundender Oberlehrer ist.

Die Auswahl an Fahrmodi ist erfrischend klein: Es gibt "Sport" - und eben "Normal". Doch auch wer gern quer fährt, kommt auf seine Kosten. Der "Traction mode" erlaubt deutlich mehr Übersteuern - oder man schaltet das ESP kurzerhand einfach per Knopfdruck aus.

Das Verlangen nach mehr Fahrspaß kommt im Supra allerdings nie wirklich auf - denn es gibt davon einfach genug. Die Frage, ob er denn nun wirklich schneller ist als der Porsche Cayman, spielt da nach wenigen Metern keine Rolle mehr. Dafür ist die Vorfreude auf die nächste Kurve viel zu groß - auch wenn der Weg dorthin zumindest auf der Rennstrecke die größte Schwäche des Supra zeigt. Denn dort bauen die Bremsen des Wagens relativ schnell ab.

Das muss man wissen: Außen Japan, innen Bayern - so müsste man den Supra wohl in einem Satz zusammenfassen. Nimmt man im Wagen Platz, wird die Verwandtschaft mit dem Z4 offensichtlich. Schalter, Display, das iDrive-Bediensystem und der Wählhebel der Automatik - alles aus dem BMW-Regal.

Der vertraute Klang des Motors ist Absicht. Der habe den Entwicklern so gefallen, dass sie ihn kaum geändert haben, erklärt Entwickler Kai. Und auch wenn die Zusammenarbeit mit BMW manche Traditionalisten vor den Kopf stoßen mag: Ohne sie gäbe es keinen Reihensechszylinder bei Toyota - und damit auch keinen Supra, erklärt der Ingenieur: "Denn wenn er keinen Reihensechszylinder hätte, wäre er kein Supra. Dann hätten wir den Wagen auch nicht so genannt."

Fotostrecke

16  Bilder
Toyota GR Supra: Konnichi wa, BMW-San

Toyota sieht den Wagen trotz des bayerischen Motors als eigenständiges Fahrzeug. Denn die Hardware ist zwar identisch, nach der Entwicklung der gemeinsamen Plattform gingen beide Teams aber getrennte Wege. Die Abstimmung von Motor, Software und Fahrwerk machte Toyota alleine, vor allem auf dem Nürburgring. Eine dortige S-Kurve im Abschnitt Wehrseifen stand deshalb auch Pate für den ersten Buchstaben des Schriftzugs am Heck.

Das werden wir nicht vergessen: Der Supra ist offenbar ein extrem beliebter Rüpel. Denn das aggressive Äußere scheint niemanden abzuschrecken - im Gegenteil. Motorradfahrer recken den Daumen hoch, an Bushaltestellen wartende Kinder lächeln dem Wagen nach, und sogar Polizisten, die am Straßenrand auf Temposünder lauern, schauen dem Wagen fasziniert hinterher.

Dazu dürfte auch der Sound des Supra beitragen, denn der Wagen klingt zwar sportlich, ist aber angenehm leise. Er verzichtet auf das inzwischen übliche, prollige Gespratzel in allen Fahrsituationen. Nur wenn man im Sportmodus vom Gaspedal geht, blubbert er leise ein-, zweimal nach - und dann ist wieder Ruhe. Das passt. Denn wer Porsche jagen will, sollte sich anschleichen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: GR Supra
Karosserie: Coupe
Motor: Reihensechszylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achstufen-Automatikgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.998 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 500 Nm
Von 0 auf 100: 4,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,5 Liter
CO2-Ausstoß: 170 g/km
Kofferraum: 290 Liter
Gewicht: 1.495 kg
Maße: 4379/1854/1292
Preis: 62.900 EUR


insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
larsgernhardt1 17.05.2019
1. Das ist keine Supra!!!
Das Ding sieht aus wie ein schlecht getunter Z4, grausam. Bin selbst lange Zeit Supra gefahren aber das Ding sieht albern und eben wie ein Z4 aus. Schade drum
s.l.bln 17.05.2019
2. Fehlversuch
Wer sich sowas wie das Remake eines japanischen Kultcoupes kauft, will normalerweise genau das haben und keinen verkleideten BMW, bei dem man sich in der Kabine nichtmal Mühe gibt, das zu verbergen. Die hatten früher einen speziellen Charakter und den hätte man irgendwie in einer moderneren Fassung reproduzieren müssen, wenn man das mit dem Remake ernst meint. Offenbar ist das nicht gelungen. Wahrscheinlich findet das trotzdem Käufer.
rockwater 17.05.2019
3.
Sieht scheisse aus.
ma_fer 17.05.2019
4.
Wie ist denn der Halter für die Brötchen geformt?
varesino 17.05.2019
5. Mein neues Hobby
Falsche Luft Ein- und Auslässe suchen und zählen. Ich glaube dieser Toyota ist defenitiv führend in dieser Disziplin. Auch bei pseudo-aerodynamischen Zierrat ganz vorne dabei. Und was noch? Ein bayrischer Samurai aus Austria. Danke Toyota, das lange Warten hat sich gelohnt.
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