Trend-Gefährt Quad Wie ein Betonklotz in der Kurve

Quads sind in, Quads machen Spaß - und doch will das Fahren mit den vierrädrigen Geländefahrzeugen gelernt sein. Typisch für das von den Ranches in den USA stammende Gefährt ist eine besonderes, leicht schwimmendes Fahrgefühl.


Sottrum/Hannover - Spaß ist der Begriff, den wohl die meisten Besitzer mit ihrem Quad verbinden. Denn die kleinen und wendigen Mischungen aus Motorrad, Kart und Auto gelten grundsätzlich als Fahrzeuge mit hohem Unterhaltungswert. Und das Interesse an ihnen ist rasant gestiegen: Laut Stephan Immen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg waren Anfang 2004 gerade einmal 23.317 Fahrzeuge in der Rubrik "dreirädrige und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge" zugelassen. Ein Jahr später war die Zahl auf 48.327 gestiegen. Außer Acht gelassen wird jedoch oft, dass ein Quad nicht nur Freude machen kann. Der Fahrspaß endet schnell in gefährlichen Situationen, wenn die Besonderheiten beim Umgang mit einem Quad nicht beachtet werden.

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Quad: Funmobil mit Eigenheiten

"Quads haben ganz spezielle Fahreigenschaften", warnt Hermann Schenk, Verkehrsexperte der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. "Sie sind weder Motorrad noch Auto." So stammen zwar die Motoren in der Regel aus der Motorradfertigung. Auch sitzt der Fahrer wie beim Zweirad oben auf dem Gefährt. Aber entsprechendes Fahren mit dem "Hineinlegen" in Kurven wird allein schon durch die vier Räder unmöglich. Vom Auto wiederum unterscheidet ein Quad nicht nur die fehlende Karosserie. Die kurze und meist "hochbeinige" Bauweise sorgt auch hier für ein kaum vergleichbares Fahrverhalten.

Nicht für die Straße gedacht

"Quads stammen ursprünglich aus den USA", erklärt Roger Eggers vom TÜV Nord in Hannover. "Sie wurden als Freizeitfahrzeuge vor allem für den Einsatz im Gelände konzipiert. Für die Straße waren sie eigentlich nicht gedacht." Eine Folge der Offroad-Auslegung ist auch die typische Bauweise: Es gibt einen stabilen Rahmen, breite und dicke Reifen, manchmal Allradantrieb - und eben die hohe Sitzposition, die zugleich auch den Schwerpunkt des Gefährts erhöht. "Dadurch sind sie zum Teil sehr kippelig", erklärt Eggers.

Zusammen mit dem kurzen Radstand führt das zu der speziellen Fahrweise. Weil sich das Quad in Kurven nicht wie ein Motorrad zur Seite neigt, muss der Fahrer dies laut Schenk mit entsprechenden Körperbewegungen ausgleichen: "Man sollte daher Kurven lieber langsam anfahren. Das Bremsen oder Beschleunigen in Kurven ist eher etwas für Könner."

Das liegt auch mit daran, dass Quads in der Regel über eine starre Hinterachse verfügen. Das bedeutet, dass immer beide Räder gleich angetrieben werden. In einer Kurve dreht daher das kurveninnere Rad wegen des kleineren zu fahrenden Radius' eher durch. Die Folge des ganzen Zusammenspiels: "Ein Quad neigt zum Untersteuern, schiebt also in der Kurve eher geradeaus", erläutert Manfred Schiemer, dessen Firma Trail Trial in Rott (Bayern) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Verkehrswacht (DVW) Fahrtrainings für Quads anbietet.

Zusätzlich gewöhnungsbedürftig wird das Fahren wegen der langen Federwege - auch die sind ein Erbe des Geländeursprungs. "Das führt zu einem etwas schwammigen Gefühl beim Fahren", sagt Schiemer. Bemerkbar machen sich die Federwege auch beim Bremsen: "Es kommt zu einem stärkeren Eintauchen des Fahrzeugs." Das Quad drückt also vorne in die Federn. Der Fahrer, der sich beim Bremsen am Lenker abstützt, unterstützt diese Neigung noch. "Grundsätzlich neigt das Heck daher früh zum Aufsteigen."

Laut Roger Eggers vom TÜV Nord führen diese speziellen Eigenschaften dazu, dass Quads teils auch für den Straßeneinsatz umgebaut werden. "Es gibt Spezialanbieter, die Umbauten in Richtung Go-Kart anbieten." Die Umbauten haben einen tieferen Schwerpunkt des Fahrzeugs zur Folge. Auch die Geländereifen werden dann meist gegen Niederquerschnittsreifen mit besserer Straßeneignung ausgetauscht.

Nie ohne Helm

Zu bedenken sind noch weitere Eigenheiten eines Quads: Laut Thomas Kampka vom Quadzentrum Sottrum (Niedersachsen) wird ein Quad wie ein Motorrad meist mit dem Fuß geschaltet. Das müssen eingefleischte Autofahrer erst üben. "Auch ein Rückwärtsgang ist noch nicht bei allen erhältlichen Fahrzeugen Standard."

Das Image des Quads als Fun-Mobil hat außerdem zur Folge, dass eher selten über nötiges Fahrkönnen nachgedacht wird. Auch die Fahrzeugwahl wird nicht selten übereilt getroffen. "Viele Leute kaufen ihre Quads über das Internet, ohne sich beraten zu lassen", sagt Thomas Kampka. "Wenn das Fahrzeug dann ankommt, ist womöglich der Rahmen zu kurz für die eigene Körpergröße. Eine unbequeme Sitzhaltung ist eine der Folgen." Kampka rät daher grundsätzlich, ein Quad nicht ohne vorherige Probefahrt anzuschaffen.

Dann ist da noch etwas, das nicht vergessen werden sollte: Auch wenn ein Quad aus Spaß bewegt wird, ist es in der Regel im normalen Straßenverkehr unterwegs. "Hier ist zu beachten, dass ein Quad recht klein ist und zwischen zwei Autos leicht übersehen werden kann", sagt Eggers. Zum richtigen Umgang mit Quads sollte daher auch das Tragen der geeigneten Schutzkleidung inklusive eines Helms gehören.

Von Heiko Haupt, gms



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