Trends Designer wollen Autos mit Aroma

Das Auto wird zum Freund und Helfer. Geht es nach den Visionen der Chefdesigner, werden Fahrzeuge sich immer mehr an die Bedürfnisse ihrer Besitzer anpassen - von der Raumtemperatur bis zum Autopiloten.


Weil der mobile Mensch künftig immer weniger Zeit in den eigenen vier Wänden und dafür mehr Zeit auf der Straße verbringen wird, machen ihm die Automobildesigner den Wagen zur zweiten Wohnung. Das zumindest erwartet Audi-Designer Peter Schreyer, und schreibt dem Auto von Morgen die Rolle eines persönlichen "Scouts" zu.

"Hang zur extremen Avantgarde": Autos wie dem SSR Concept Vehicle von Chevrolet könnten die Zukunft gehören
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"Hang zur extremen Avantgarde": Autos wie dem SSR Concept Vehicle von Chevrolet könnten die Zukunft gehören

Der Kunde sitzt in einer wohnlichen Infolounge und genießt die Möglichkeiten neuer Techniken: Er kann mit seinem Auto sprechen und bekommt von dem an Internet und Mobilfunk angeschlossenen Wagen fast alle Wünsche erfüllt.

Ähnlich sieht man die Zukunft bei BMW, wo unter dem Stichwort "Mobil & Connected" an der festen Verknüpfung von Schnellstraße und Datenautobahn gearbeitet wird. Dabei soll der Kunde die Wahl haben: Zum einen kann er "aktiv" fahren und sich lediglich vom Auto unterstützen lassen. Zum anderen bekommt er die Möglichkeit, sich von einem über Routenführung, Verkehrslage und Straßenzustand informierten Fahrzeug automatisch chauffieren zu lassen.

Ein weiterer großer Trend der nächsten Jahre geht, so BMW, hin zur Individualisierung des Autos. So erwartet Chefdesigner Chris Bangle, dass der Kunde künftig schon beim Kauf des Wagens "vermessen" wird. Auf diese Weise entsteht ein Datensatz, der nicht nur die Größe und die bevorzugte Sitzposition des Fahrers, sondern auch die Lieblingsmusik, die angenehmste Raumtemperatur und die wichtigsten Zieladressen des persönlichen Navigationssystems enthält.

Diese Daten können zum Beispiel durch einen elektronischen Fingerabdruck freigeschaltet werden. Aus dem unpersönlichen Leihwagen am Flughafen wird so das perfekte Abbild des eigenen Autos daheim.

Gleichzeitig rechnen die BMW-Designer mit einem zunehmend variablen Ambiente, das mit Geräuschen, Aroma und Licht unterschiedliche Stimmungen vermitteln kann. Auswechselbare Oberflächen erleichtern den Tapetenwechsel in den rollenden vier Wänden.

An welcher Stilrichtung sich die Autos der Zukunft orientieren werden, ist schwer vorhersehbar. Aber im Gespräch mit den führenden Designern bei Audi, BMW und Mercedes kristallisieren sich zumindest einige Trends heraus. Danach ist "Retro" als Rückbesinnung auf alte Formen und Traditionen noch immer aktuell. Dazu kommt eine Tendenz zur "technisch-funktionalen Ehrlichkeit" und ein Hang zu extremer Avantgarde.

Thomas Geiger



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