Hannes Langeder, hat umgesattelt, gewissermaßen. Der Linzer Künstler baute früher vornehmlich Fahrräder, bizarre meistens, mit Namen wie Mrimfaxi, Skinfaxi und Wurzelsepp. Sein jüngstes Kunstprojekt ist hingegen eine Auto-Fahrrad-Kreuzung. Ferdinand GT3 heißt sein Tandemfahrrad, das in der originalgetreu nachgebildeten Karosserie eines Porsche 911 GT3 RS verborgen ist.
Langeder nennt den mit Goldfolie überzogenen Pedal-Porsche ein "mobiles Art-Mimikry-Objekt". Er wählte einen Neunelfer aus, weil "der Porsche eine Art Archetyp des Autos ist". In Stuttgart-Zuffenhausen wird die überraschende Hommage, die in Österreich übrigens auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf, bislang hartnäckig ignoriert. "Ich hätte es ganz nett gefunden, wenn sich Porsche mal gemeldet hätte", sagt Langeder, "denn mein Ferdinand GT3 ist ja kein böswilliger Akt, sondern eher eine positive Vision für die Zukunft."
Während der vergangenen Monate stand der Ferdinand GT3 im Museum in Linz, und einmal pro Woche unternahm Langeder mit einem interessierten Museumsbesucher eine gemeinsame Ausfahrt quer durch die Stadt. "Man ist bei einer solchen Fahrt sehr aufeinander angewiesen, denn nur wenn man gemeinsam in die Pedale tritt, kommt man auch anständig vorwärts", sagt der Künstler, der privat übrigens einen Ford Transit fährt.
Der Ferdinand GT3, keck als langsamster Porsche der Welt gepriesen, soll in Zukunft noch gemächlicher werden. Langeder will die Übersetzung deutlich verkleinern, um auch steilere Anstiege hinauffahren zu können und um das futuristische Ideal der maximalen Geschwindigkeit noch radikaler in Frage zu stellen. "Bei einem normalen Fahrrad fällt man ja um, wenn man ein gewisses Tempo unterschreitet. Beim Ferdinand kann das nicht passieren, denn der ist ja ein Auto mit vier Rädern."
Sehr langsam, sehr goldig, sehr speziell
Wenn der goldfarbene Tret-Porsche durch Linz rollt, ist das natürlich eine Schau. Er sei zunächst skeptisch gewesen, wie wohl Passanten und vor allem andere Autofahrer das schnittige und doch so langsame Kunstobjekt aufnehmen würden. Die Bedenken erwiesen sich jedoch als unbegründet. "99 Prozent der Reaktionen sind positiv", berichtet Langeder, "bisweilen sind die Leute sogar richtig euphorisch."
Langeder ist die Feststellung wichtig, dass der Ferdinand GT3 eben kein weiteres verrücktes Kunstdingsbums ist, sondern der Versuch, sich durch Imitation an das wirkliche Leben anzunähern. Mimikry versteht er eben nicht als Abwehr möglicher Feinde, sondern vielmehr als Lockmittel, um sich beispielsweise mit der Frage nach der angemessenen Geschwindigkeit zu beschäftigen. "Im übrigen", sagt der Mann aus Linz, der die mobile Welt demnächst erneut überraschen will, "wäre es doch überlegenswert, ob wir nicht alle goldene Autos fahren sollten."
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Ferdinand GT3: Der goldig glänzende Ferdinand GT3 mit seinem adrett gekleideten Besitzer, dem Linzer Künstler Hannes Langeder. Liegeradfahren im hellen Anzug ist natürlich nur dann nicht lächerlich, wenn das Fahrrad als Porsche 911 GT3 verkleidet ist.
Unterbau: Die technische Basis des Ferdinand GT3 ist eine Tandem-Liegerad, wobei die beiden Drahtesel parallel zueinander mit Stahlrohren verschweißt wurden. Soweit wirkt das Ganze noch recht unspektakulär.
Grober Eindruck: Auf diesem Bild erkennt man, wie die Antriebstechnik in die Silhouette eines Porsche 911 eingepasst wurde. Auf jeden Fall ist die Sitzhaltung im Ferdinand GT3 einen Tick sportlicher als im echten Auto.
Rohrkonstruktion: Der Unterbau der Karosserie besteht aus Elektroinstallationsrohren, die aus dem Baumarkt stammen. Langeder sagt, die Karosserie sei im ULC-Verfahren gefertigt, wobei die Abkürzung für "Ultra Light Construction" steht. Der großzügige Einsatz von Paketklebeband sorgt für die nötige Steifigkeit.
Innenansicht: Wer ins Auto blickt, erkennt gleich, dass hier Manches fehlt, auf das Porsche-Fahrer nur ungern verzichten würden. Zigarettenanzünder zum Beispiel oder die Sonnenblenden mit den integrierten Schminkspiegelchen.
Lichttest: Na klar, in Österreich darf der Ferdinand GT3 am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, da muss auch eine ordnungsgemäße Beleuchtung installiert sein.
Immer schön langsam: Entschleunigung ist das Stichwort, wenn sich der Ferdinand GT3 in Bewegung setzt. Obwohl der Tret-Porsche im ganz normalen Linzer Straßenverkehr durchaus mitschwimmt, denn gar so flott geht es in der Stadt nun auch nicht vorwärts.
Richtig sauber: Von wegen sauber fahren. Obwohl das Umsteigen auf Bus und Bahn grundsätzlich lobenswert ist, fährt der Ferdinand GT3 natürlich um ein vielfaches sauberer und umweltverträglicher als jedes öffentliche Personennahverkehrs-Transportmittel.
Cool bleiben: Manchmal, aber nur sehr selten, fahren die normalen Autos, am Tretauto vorbei. Dann jedoch stets mit gehörigem Respektabstand - immerhin ist der Ferdinand GT3 ja ein goldener Porsche.
Besser zu zweit: Die Fahrerei im Ferdinand GT3 ist umso reizvoller, sobald beide Sitzplätze genutzt und damit zwei Pedaltreter an Bord sind. Dann kann man auch durchaus anderen Autos auf die Pelle rücken.
Kleiner Scherz: Der Tret-Porsche an der Tankstelle, haha. Der muss ja gar nicht tanken. Höchsten Fahrer und Beifahrer brauchen ab und zu mal einen Schluck.
Rennstreckenfest: Auch auf dem Salzburgring bewährte sich der Ferdinand GT3. Nicht zuletzt wegen des ausladenden Heckspoilers ist die Straßenlage des Gefährts geradezu unnachahmlich.
Es passt einfach: Gäbe es doch mehr derartig anmutiger und dabei sowohl sportlicher wie auch umweltfreudlicher Autos. Die Welt wäre vielleicht ein bisschen besser - ganz sicher aber nicht mehr ganz so hektisch.
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