Ärger um Hauptuntersuchung TÜV will Autofahrer beschwichtigen

In der Affäre um ungenaue Messungen will der TÜV Autofahrer beruhigen: Weder sei die Hauptuntersuchung noch seien ihre TÜV-Plaketten in Gefahr, so ein Sprecher. Die DAkkS, die den Prüfern die Akkreditierung entzogen hatte, sieht das anders.
Alles im Lack? Der TÜV-Verband will Autofahrer in der HU-Affäre beruhigen

Alles im Lack? Der TÜV-Verband will Autofahrer in der HU-Affäre beruhigen

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Nach einem Bericht des SPIEGEL war in den letzten Tagen eine urdeutsche Institution ins Wanken geraten: Der TÜV, Sinnbild von Pedanterie und deutscher Gründlichkeit, soll ungenau gearbeitet haben und ist deswegen vom Verlust seiner Zulassung als Prüfgesellschaft bedroht.

Was war passiert? Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS), von der der gemeine Autofahrer vermutlich vorher noch nie gehört hatte, akkreditiert seit 2011 Überwachungsorganisationen wie TÜV oder Dekra, die in Deutschland Hauptuntersuchungen bei Pkw machen. Sie wurde nach Vorgaben der EU vom Bund gegründet und soll die Überwachungsorganisationen nach internationalen Maßstäben begutachten.

Und mit der Begutachtung von deutschen Prüfgesellschaften war sie offensichtlich nicht so zufrieden: Weil Vorschriften zur Dokumentation von Prüfgeräten nicht eingehalten worden sein sollen, entzog die DAkkS TÜV und Co. kurzerhand die Akkreditierung (Lesen Sie hier das ausführliche FAQ zum Thema).

Zweiter herber Schlag für TÜV und Co. innerhalb weniger Wochen

Für die Prüfer war es der zweite herbe Schlag in den letzten Wochen. Denn durch die VW-Affäre und die Frage nach der Genauigkeit der Überwachung erschienen die Gesellschaften eh schon in keinem besonders guten Licht. Und jetzt das: Sollten Millionen Autofahrer wegen Schlamperei von TÜV und Co. ihre Autos stilllegen müssen?

Autofahrer müssen keine negativen Folgen fürchten, teilte der TÜV-Dachverband am Donnerstag in Berlin mit. Der Verband gehe davon aus, dass eine Lösung für eine Akkreditierung gefunden werde, sagte ein Sprecher. Die erteilten Plaketten hätten volle Gültigkeit. Ähnlich äußerte sich das Bundesverkehrsministerium. Eine sofortige Vollziehung der Aussetzung von der Akkreditierung sei vorerst nicht angeordnet worden, hieß es.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bundesverkehrsministerium, Ländern und Prüforganisationen soll nun Anfang des kommenden Jahres eine "grundsätzliche Lösung" erarbeiten, wie das Ministerium und Prüforganisationen mitteilten.

Die Messgenauigkeit soll stimmen

"Die TÜV-Unternehmen gehen davon aus, dass unter allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung erzielt wird, sodass eine Hauptuntersuchung in Werkstätten auch in Zukunft nicht infrage gestellt ist", erklärte der Verband der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV).

Es gehe ausschließlich um Änderungen auf EU-Ebene und die Umsetzung von europäischen Vorgaben in Deutschland. Es gehe "explizit nicht um die Messgenauigkeit".

Auch ein Sprecher der Prüforganisation Dekra betonte, der Bescheid der Akkreditierungsstelle beziehe sich nicht auf eine nicht ordnungsgemäße Prüfleistung, sondern ausschließlich auf eine vermeintlich nicht vollständige Dokumentation von geeichten Prüfgeräten.

Die Beschwichtigungsversuche der betroffenen Organisationen kontert die DAkkS mit einer eigenen, am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme.  Darin bestätigt sie erneut die Aussetzung der Akkreditierung und betont, dass bereits im Sommer 2015 alle Akteure inklusive des Bundesverkehrsministeriums über die Gefahr einer Aussetzung informiert worden seien. Nur hat sich offenbar bis zum Bericht des SPIEGEL dafür niemand interessiert.

Animation: Das System TÜV

DER SPIEGEL, Alexander Epp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.