TÜV-Untersuchung Prüfer nehmen Sicherheitselektronik ins Visier

Ab 2006 soll die Hauptuntersuchung beim TÜV für Motorräder und Pkw neu geregelt werden: Die Zweiräder sollen eine eigene Abgasuntersuchung bekommen und Autos künftig auch auf die elektronisch geregelten Systeme wie Airbags, ABS oder ESP hin geprüft werden.

Von Jürgen Pander


Die Überwachungsvereine reagieren mit der geplanten Neuregelung auf ein sattsam bekanntes Problem: Dass nämlich die Fehlerquote bei elektronischen Systemen im Automobil ähnlich hoch ist wie jene bei mechanischen oder hydraulischen Systemen. Der Unterschied war bislang jedoch, dass Letztere bei der Hauptuntersuchung kontrolliert wurden, Erstere jedoch nicht. Laut Pannenstatistik aber hat sich die Zahl der auf elektronische Mängel zurückzuführenden Fehlfunktionen in den vergangenen Jahren glatt verdoppelt. "Die Autofahrer bekommen mit Beginn des neuen Jahres mehr Sicherheit zum alten Preis", lobt Kfz-Experte Johann Meyer vom TÜV-Süd die anstehenden Reformen bei der Hauptuntersuchung.

TÜV-Kontrolle: Künftig auch ein Blick auf die Sicherheitselektronik
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TÜV-Kontrolle: Künftig auch ein Blick auf die Sicherheitselektronik

Die Bundesanstalt für Straßenwesen etwa stellte fest, dass die Fahrzeugelektronik sogar in einem viel höheren Maße als angenommen von Störungen betroffen ist. So wurden beispielsweise bei 17 Prozent der untersuchten Pkw und bei 52 Prozent der überprüften Lkw fehlerhafte ABS-Systeme registriert. "Wir denken, dass wir etwa die Hälfte dieser Mängel aufgrund der neuen Hauptuntersuchung erkennen können", erklärte Rainer Strang, Sprecher des TÜV-Süd, gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Zunächst werden die TÜV-Prüfer die elektronischen Systeme durch eine Sichtkontrolle überprüfen. Das sei zwar noch nicht das Optimum, räumt Strang ein, doch "kann ein geschultes Auge sehr wohl erkennen, ob ein System manipuliert oder gar ausgebaut wurde". Es komme nämlich durchaus vor, dass Unfallautos nach Billigreparaturen im Ausland ohne Airbags oder ABS-Anlage nach Deutschland zurück kämen. "Und das lässt sich sehr schnell feststellen", so Strang. Eine weitergehende Überprüfung der Elektronik durch Auslesen der Fehlerspeicher der entsprechenden Steuergeräte wird aber erst in einigen Jahren möglich sein.

Die neue Hauptuntersuchung jedenfalls soll weder teurer werden, noch soll sie länger dauern. Strang: "Der Prüfkatalog umfasst weiterhin zirka 180 Punkte. Für die neu hinzu gekommenen wurden einige sehr veraltete gestrichen." An einigen der bislang noch kontrollierten Stellen entdeckten die Prüfer nämlich schon seit Jahren keinen Rostfleck mehr. Dort wird in Zukunft gar nicht mehr nachgeschaut - zugunsten eines schärferen Blicks auf Airbag und Co.



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