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21. Januar 2019, 11:40 Uhr

Pendler in Japan

Tokio kämpft mit Gratis-Nudeln gegen überfüllte Züge

Zwischen acht und neun Uhr morgens sind die U-Bahnen in Japans Hauptstadt krass überfüllt. Gutscheine für ein kostenloses Frühstück sollen dafür sorgen, dass Pendler früher zur Arbeit fahren. Es ist nicht die einzige Maßnahme.

Morgens zu Bürozeiten quetschen sich Fahrgäste in den Zügen oft eng aneinander: Die U-Bahnen in der japanischen Hauptstadt Tokio sind berüchtigt dafür, dass sie zu Stoßzeiten auf bestimmten Strecken gnadenlos überfüllt sind.

Eine Kampagne der Gesellschaft Tokyo Metro Co., die einen Großteil des Streckennetzes betreibt, soll nun Entspannung bringen: Sollten sich in den kommenden zwei Wochen mehr als 2000 Pendler überzeugen lassen, morgens früher in die chronisch überfüllte Tozai-Linie einzusteigen, werden sie mit kostenlosem Tempura - einer frittierten Speise - belohnt.

Die U-Bahn-Betreiber in der größten Metropolregion der Welt versuchen seit Langem mit verschiedenen Initiativen, den Andrang auf die Tozai-Linie abzumildern. Zwischen 7.50 und 8.50 Uhr morgens nutzten laut Verkehrsministerium zwischen den Stationen Kiba und Monzennakacho im Jahr 2017 mehr als 76.000 Passagiere die Tozai-Linie - doppelt so viel wie für die Bahn ursprünglich vorgesehen. Pendler stehen so eng beieinander, dass sie sich praktisch nicht bewegen können.

Unternehmen unterstützen Kampagne

Die Nudelkampagne setzt dabei auf ein stufenweises Belohnungssystem - je mehr Menschen ihre Fahrkarte zu einem früheren Zeitpunkt entwerten, desto besser. Sollten es sogar 2500 Pendler früher in die Bahn schaffen, gibt es einen Gutschein für eine Schüssel kostenlose Soba-Nudeln, das sind dünne, braungraue Nudeln aus Buchweizen. Sollten sogar 3000 Pendler morgens früher losfahren, erhalten sie beides - Tempura und Soba.

"Wir hoffen, dass das die Leute ermutigt, dabei zu helfen, dass sich die Lage im Berufsverkehr entspannt", sagte U-Bahn-Sprecher Takeshi Yamashita.

Einem Bericht der "Japan Times" zufolgestartet die Kampagne an diesem Montag und läuft bis Anfang Februar an allen Wochentagen auf der Strecke, die Menschen aus der östlichen Präfektur Chiba nach Tokio bringt. "Wir hoffen, dass sich dadurch die Lage im Berufsverkehr entspannt", sagte ein U-Bahn-Sprecher.

Ob die Aktion tatsächlich dazu führt, dass manche Züge merklich leerer sein werden, ist allerdings fraglich. Wenn die Marke von 2000 Pendlern erreicht wird, bekommen die Teilnehmer Gutscheine, die sie in Nudelläden einlösen können, die mit Tokyo Metro kooperieren. Allerdings müssen sie sich dafür vorher mit ihrer wiederaufladbaren Fahrkarte registriert haben.

Laut "Japan Times" müssen sie außerdem an zehn Tagen infolge früher zur Arbeit fahren - für bestenfalls eine Schüssel Nudeln und Tempura. Den Gutschein können sie nur an bestimmten Stationen einlösen.

Die Regierung der Metropolregion Tokio hat zeitgleich ihre eigene Initiative zur Entlastung der U-Bahn ins Leben gerufen, an der sich knapp tausend Unternehmen beteiligen. Sie haben sich bereiterklärt, es ihren Mitarbeitern zu erleichtern, von zu Hause zu arbeiten oder morgens früher zur Arbeit zu kommen und früher zu gehen.

Japanische Bahngesellschaften starten zudem immer wieder Kampagnen, mit denen sie Bürger zu gutem Benehmen anhalten wollen. Eine davon sollte Frauen 2016 das Schminken in Zügen abgewöhnen - mit Clips, die damals kontrovers diskutiert wurden.

cfr/lov/AFP

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