Umrüstung auf Autogas Wann lohnt sich was?

Die Zeiten, als Gas-Autos noch ähnliche Reflexe auslösten wie lilafarbene Latzhosen, sind vorbei: Grund dafür sind die enorm gestiegenen Benzin- und Dieselpreise. Wer beim Fahren sparen möchte, sollte über Gas zumindest einmal nachdenken.

Bis die Masse der Autos elektrisch fährt, werden wohl noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Und noch ist auch völlig offen, woher der Strom kommen soll und ob es schneller geht, eine geeignete Batterie für den Einsatz im Auto zu entwickeln oder jedem Wagen ein kleines Elektrizitäts-Kraftwerk in Form einer Brennstoffzelle einzubauen. Wenn Autofahrer jedoch heute schon ein bisschen unabhängiger vom Benzinpreis werden wollen und darüber hinaus einen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes leisten möchten: Es ist möglich.

Als alternative Kraftstoffe, die zwar immer noch fossil sind, aber dennoch weniger CO2 bei der Verbrennung freisetzen als beispielsweise Benzin oder Diesel, stehen schon längst Erdgas (CNG) und Flüssig- oder Autogas (LPG) bereit. Zahlreiche Hersteller bieten bereits ab Werk entsprechend umgerüstete und bivalent zu betreibende Modelle an. Zudem lassen sich nahezu alle Autos umrüsten. Vor allem die Umrüstung auf Flüssiggas ist vergleichsweise einfach und günstig, so dass insbesondere Besitzer hubraumstarker Oldies diese Alternative immer öfter ins Auge fassen.

Welche Gasart für welchen Einsatzzweck besser geeignet ist, ab wann sich eine Umrüstung überhaupt lohnt und wie die Autos dann steuerlich behandelt werden - diese und zahlreiche weitere wichtige Fragen haben Experten des TÜV-Süd beantwortet. SPIEGEL ONLINE hat diese zwölf Tipps zum Thema Gasgeben zusammengestellt.

Erdgas oder Flüssiggas?

Gas ist nicht gleich Gas. Beim Auto unterscheidet man grundsätzlich zwischen Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG) und Flüssiggas (Liquified Petroleum Gas, LPG). Flüssiggas, das oft auch Autogas genannt wird, ist – wie der Name schon sagt – flüssig und wird bei niedrigem Druck gelagert. Erdgas ist gasförmig und erfordert einen höheren Druck.

Welche Gas-Modelle gibt es?

Die nötige Technik sowohl für den Erdgas- als auch den Flüssiggas-Betrieb eines Autos kann nachgerüstet werden. Doch gibt es mittlerweile zahlreiche Gasfahrzeuge bereits ab Werk: So haben zum Beispiel Opel, VW, Mercedes, Ford und Fiat eine Reihe von Erdgasautos vom Transporter bis zur Mittelklasse-Limousine im Programm. Fahrzeuge mit Flüssiggas-Umrüstung gibt es unter anderem bei Chevrolet, Subaru, Jeep oder Volkswagen.

Wie werden Gasautos steuerlich behandelt?

Beide alternativen Kraftstoffe werden vom Fiskus gefördert. Allerdings gilt der Steuerbonus für Autogas nur bis 2018, Erdgas genießt diesen Vorteil zwei Jahre länger. Auch bei der Kfz-Steuer gibt es Unterschiede: Wer ein sogenanntes monovalentes Erdgasauto fährt, das praktisch immer mit Erdgas läuft und dessen Benzintank nur noch eine Reservemenge enthält, wird steuerlich gefördert. Für Flüssiggas-Autos dagegen wird bei der Kfz-Steuer immer den Benziner-Tarif fällig.

Was kostet eine nachträgliche Umrüstung?

Ein gebrauchtes Auto auf Flüssiggas umzurüsten, ist inzwischen ein Kinderspiel: Vorgeformte Tanks passen in die Mulde des Ersatzrades, ohne dass Variabilität und Platz des Kofferraums eingeschränkt werden. Erdgas dagegen erfordert spezielle Drucktanks, die nur im Werk platzsparend ins Auto eingebaut werden können. Werden Erdgastanks nachgerüstet, verliert das Fahrzeug deutlich an Kofferraumvolumen. Auch die Kosten der Nachrüstung unterscheiden sich: Für eine Flüssiggasnachrüstung zahlt man zwischen 1800 und 3500 Euro, für eine Erdgasnachrüstung bis zu 1000 Euro mehr.

Wie viele Gastankstellen gibt es?

Das Tankstellennetz in Deutschland ist für beide Gasarten derzeit noch sehr unterschiedlich. Erdgas bekommt man momentan an knapp tausend Zapfsäulen, Flüssiggas an mehr als 4000 Stationen. Auch international gibt es Unterschiede: Während LPG zum Beispiel in den Niederlanden, Polen oder Frankreich sehr verbreitet ist, muss man dort nach CNN-Säulen lange suchen. In Italien wiederum ist die Infrastruktur für beide Gasarten recht gut.

Wie viel kann man mit Gas sparen?

An der Tankstelle spart man mit beiden Gassorten. Allerdings hat der TÜV-Süd für Erdgas das größere Sparpotential ermittelt. Hier liegen die Kraftstoffkosten rund 50 Prozent unter dem Benziner. Weil beim Flüssiggasbetrieb der Verbrauch etwas in die Höhe geht, spart man nur noch 30 Prozent.

Ab wann lohnt sich eine Gas-Umrüstung?

Grundsätzlich gilt: Je mehr man fährt, desto schneller lohnt sich die Umrüstung. Formeln für die individuelle Kostenrechnung findet man im Internet (siehe Linkkasten). Wenigfahrer sind aber in der Regel mit einem sparsamen Benziner billiger unterwegs. Es sei denn, man erhält den LPG-Tank - wie derzeit etwa bei Chevrolet oder Jeep - vom Hersteller zum Nulltarif. Dann lässt sich ab dem ersten Kilometer sparen.

Wie sieht die Umweltbilanz von Gas aus?

Von allen fossilen Kraftstoffen weist Erdgas die günstigste Kohlendioxid-Bilanz auf. Im Vergleich zum Benziner sind CNG-Fahrzeuge bis zu 25 Prozent sauberer. Der CO2-Vorteil von Autos im LPG-Betrieb liegt bei 15 bis 18 Prozent. Beide Gase verursachen allerdings auch sonst weniger Schadstoffe und mindern das Smogrisiko um cirka 80 Prozent.

Erhalten Gas-Autos eine Umweltplakette?

Die Umrüstung auf Gas hat auch bei älteren Fahrzeugen keinen Einfluss auf den Abgasschlüssel und damit auf die Zuteilung einer Feinstaubplakette. Nur Neuwagen mit Werksumrüstung bekommen eine andere Schlüsselnummer, die später einmal wichtig werden könnte – zum Beispiel bei einer CO2-abhängigen Besteuerung.

Sind Gas-Autos wirklich sicher?

Entgegen aller unterschwelligen Ängste ist der Gasantrieb sicher, das hat jedenfalls der TÜV ermittelt. Statistisch gesehen brennen Gas-Fahrzeuge sogar seltener als konventionell angetriebene Autos. Explodieren kann ein Gastank nicht. Außerdem sind weder CNG noch LPG giftig. Für Einfahrverbote in Parkhäuser oder Tiefgaragen gibt es aus technischer Sicht keinen Grund, deshalb wurde ein entsprechendes Verbot aufgehoben. Dennoch machen einige Parkhaus-Betreiber von ihrem Hausrecht Gebrauch und sperren Gasfahrzeuge aus. Genauso gut könnten Sie aber auch roten oder grünen Autos die Einfahrt verbieten.

Kann man die Gasarten aus Versehen verwechseln?

Nein, diese Gefahr besteht nicht, denn spezielle Tankanschlüsse machen eine Verwechslung unmöglich. Und das ist auch nötig, denn mit Autogas-Fahrzeugen darf man kein Erdgas tanken – und umgekehrt.

Mehr lesen über