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11. Oktober 2018, 11:15 Uhr

Mehr Raum für Fußgänger

Umweltbundesamt fordert radikalen Parkplatz-Rückbau

Zwei Drittel der Parkplätze in Städten sollen weg: Mit diesem Vorschlag will das Umweltbundesamt den Fußverkehr stärken. Der ist rückläufig - auch weil Platz für gehende Menschen knapper wird.

Das Umweltbundesamt (UBA) regt einen radikalen Rückbau von Parkplätzen in deutschen Städten an, um die Bedingungen für Fußgänger zu verbessern. Für Autos sollten pro Einwohner langfristig nur noch 1,5 Quadratmeter am Straßenrand und auf Wohngrundstücken zur Verfügung stehen, schreibt die Behörde in einem Vorbericht für eine bundesweite Fußverkehrsstrategie. Derzeit haben Autos noch 4,5 Quadratmeter Platz. In einem Zwischenschritt soll die Fläche bis zum Jahr 2030 auf drei Quadratmeter schrumpfen.

"Frei werdende Flächen werden nach diesem Konzept für breitere Fußwege, Fahrradwege und ÖV-Spuren [öffentlicher Nahverkehr], für Freizeit und Grünflächen, Fahrradstellplätze und - in begrenztem Umfang - für Carsharing verwendet", schreiben die Autoren.

Zahl der Fußwege soll bis 2030 um die Hälfte wachsen

Der Vorschlag ist Teil einer grundlegenden Fußverkehrsoffensive der Behörde. Die Zahl der Wege, die jeder Bürger zu Fuß zurücklegt, soll bis 2030 um die Hälfte steigen. Den Bericht will das UBA auf dem zweiten deutschen Fußverkehrskongress vorstellen will. Das Treffen findet am Donnerstag und Freitag in Berlin statt.

"Wer zu Fuß geht, tut Gutes für seine Gesundheit, spart Geld und schont die Umwelt", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Geht doch!". Zu den Vorschlägen zählen auch kürzere Wartezeiten für Fußgänger an Ampeln und flächendeckend Tempo 30 in Städten.

Nach der 55-seitigen Untersuchung liegt aus Fußgängersicht vieles im Argen: "Städtebauliche Leitbilder der vergangenen Jahrzehnte - wie insbesondere die autogerechte Stadt - haben den Fußverkehr im Straßenbild weitgehend als Restgröße an den Rand gedrängt."

"Fußgänger sind die blinden Flecken der Verkehrspolitik

Fußgänger müssten vielfach Umwege, Wartezeiten, Lärm und Abgase in Kauf nehmen. Hohe Bordsteine, Treppen, dunkle Unterführungen, Stolperfallen und parkende Autos auf Gehwegen - zu Fuß zu gehen sei in vielen Städten zeitraubend und umständlich.

"Fußgängerinnen und Fußgänger sind die blinden Flecken der Verkehrspolitik", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Fußwegeanteile gingen deshalb seit vielen Jahren stetig zurück.

Das Amt will den Trend drehen: Legten Städter heute 27 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück, solle der Anteil bis 2030 auf 41 Prozent steigen. Auf dem Land streben die Autoren eine Steigerung von 23 auf 35 Prozent an. Nach Studien sei jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer, und auf Strecken von einigen Hundert Metern sei man zu Fuß von Tür zu Tür häufig am schnellsten.

Im Video: Kampf gegen Falschparker

nis/dpa

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