Berechnungen des Umweltbundesamts Luft auch nach Diesel-Updates schlechter als erlaubt

Der Dieselgipfel hat sein Ziel verfehlt. Auch nach Updates von Millionen von Dieselautos bleiben die Stickoxid-Werte laut Umweltbundesamt in fast 70 Städten zu hoch. Damit drohen weiterhin Fahrverbote.
Protestaktion gegen schmutzige Dieselautos

Protestaktion gegen schmutzige Dieselautos

Foto: Steffi Loos/ Getty Images

Die Luft in fast 70 deutschen Städten bleibt auch nach Umsetzung der beim Dieselgipfel beschlossenen Schritte schmutziger als erlaubt. Damit drohen weiterhin Diesel-Fahrverbote. Zu diesem Schluss kommt das Bundesumweltministerium nach einer Modellrechnung des Umweltbundesamtes (UBA).

Demnach reichen Software-Updates für eine bessere Abgasreinigung und Umtauschprämien für ältere Diesel bei weitem nicht aus. Sie senken laut der Modellrechnung des Umweltbundesamtes die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickoxid um bis zu sechs Prozent. Nur in etwa 20 der betroffenen Städte fallen die Stickoxid-Werte so unter die kritische Marke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel, teilte das Ministerium mit.

"Die Bevölkerung in den deutschen Städten hat ein Recht auf saubere Luft", sagte Umweltministerin Barbara Hendricks. "Deshalb brauchen wir Maßnahmen, die zu einer raschen Senkung der Stickstoffdioxidbelastung führen", so die SPD-Politikerin. "Es wird eine Nachrüstung der Hardware, also eine Abgasreinigung geben müssen." Bezahlen müsse dies die Autoindustrie. Auf dem Dieselgipfel hatten sich die Autohersteller gegen diese vergleichsweise teure Lösung gewehrt. In der aktuellen Situation sind nach den Worten Hendricks Fahrverbote weiterhin nicht vom Tisch.

Damit kann der Dieselgipfel als gescheitert gelten. Das Spitzentreffen Anfang August, zu dem sich unter anderem führende Politiker und die Chefs der Autoindustrie trafen, hatte sich zum Ziel gesetzt, Fahrverbote für Dieselautos zu verhindern. Einen zweiten Gipfel wird es im Herbst geben. An diesem will dann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen.

Der Lobbyverband der deutschen Autoindustrie, VDA, verteidigt dagegen die Beschlüsse des Dieselgipfels. Zwar zweifelt er in einer Presseerklärung die Berechnungen des UBA nicht an, sondern bestätigt sogar, dass diese "mit den VDA-Berechnungen auf einer Linie" liegen. Tiefgreifende Änderungen an der Abgasreinigung der Autos schloss der Verband hingegen erneut aus. Neben den Software-Updates und der Umstiegsprämie setzte der VDA auf "natürliche Bestandserneuerung durch moderne Euro-6-Fahrzeuge", heißt es in der Mitteilung. Mit der Umsetzung aller Maßnahmen könnten die Stickoxid-Emissionen so im gesamten Straßenverkehr bis Anfang 2019 um 12 bis 14 Prozent im Vergleich zu heute sinken. Es blieb offen, in wie vielen Städten dies die Luftqualität ausreichend verbessern würde.

Umtauschprämie für ältere Dieselautos nahezu wirkungslos

Bei seinen Berechnungen ging das UBA laut Mitteilung davon aus, dass zwischen 3,5 und 5 Millionen Besitzer neuerer Diesel der Abgasnormen Euro 5 und 6 das freiwillige Update an der Motorsoftware vornehmen lassen. Auf dem Dieselgipfel Anfang August hatten die Autohersteller zugesagt, mehr als fünf Millionen Diesel-Pkw auf eigene Kosten umzurüsten. Die Experten rechneten mit einer Minderung des Stickoxid-Ausstoßes zwischen 15 und 25 Prozent durch die Updates.

Die Wirkung der Umtauschprämien für Besitzer älterer Diesel, die sich neue Modelle zulegen, schätzen die Experten sogar auf null bis zwei Prozent. "Deutlich höher wäre die Wirkung, wenn die Prämie nur für den Kauf sehr sauberer Fahrzeuge eingesetzt würde", hieß es in der Mitteilung. Prämien gibt es derzeit auch beim Kauf neuer Euro-6-Diesel, die im Alltagsgebrauch deutlich schmutziger sind als im Labor: Euro-5-Diesel ohne Update stoßen heute laut UBA im Schnitt 906 Milligramm Stickstoffoxide pro Kilometer aus. Das ist fünfmal mehr als der Grenzwert von 180 Milligramm erlaubt. Einige aktuelle Euro-6-Diesel stoßen sechsmal mehr Stickstoffoxide aus als zulässig.

mhu/Afp
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