Umweltschutz Streit über den Diesel-Filter

Die deutsche Autoindustrie ist erneut in die Kritik geraten. Umweltverbände werfen den Herstellern vor, zu wenig gegen Ruß aus Dieselmotoren zu tun. Nur Ford bringt nun Dieselfahrzeuge mit Rußfilter heraus.


Die gefährlichen Rußpartikel können mit einem Filter bis zu 99,9 Prozent verhindert werden

Die gefährlichen Rußpartikel können mit einem Filter bis zu 99,9 Prozent verhindert werden

Die Initiative "Kein Diesel ohne Filter" begrüßt die Ankündigung der Ford-Werke, im zweiten Halbjahr 2003 Diesel mit eingebautem Filter auf den Markt zu bringen. Damit ist das Unternehmen der erste deutsche Autohersteller, der sich der Forderung beugt. Die Umwelt- und Gesundheitsverbände von "Kein Diesel ohne Filter" griffen die restlichen Hersteller scharf an. Die Innovationsfähigkeit der deutschen Hersteller gehe in die falsche Richtung, wenn sie stattdessen Autos konstruierten, die die Geschwindigkeitsgrenze von 400 Stundenkilometern durchbrächen, erklärte die Initiative.

Voller Lob war das Bündnis indes für die französischen Vorreiter Peugeot und Citröen. Seit drei Jahren setzen sie rußgefilterte Dieselfahrzeuge ein und verkauften bereits 40.000 Stück.

Der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) macht Dieselruß für jährlich 8000 Lungenkrebsfälle in Deutschland verantwortlich. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt, dass städtische Partikelemissionen etwa 5 Prozent der Krebserkrankungen der oberen Atemwege ausmachen. Stefan Bundscherer vom BUND nennt dies eine massive Form von Körperverletzung.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies die Vorwürfe der "Kein Diesel ohne Filter"-Initiative zurück. In den letzten zehn Jahren sei es gelungen die Emissionen von Dieselmotoren um 93 Prozent zu senken. Weiterhin hielten alle Fahrzeuge die derzeit gültigen Richtlinien ein, so der VDA. Ein Auto mit Rußfilter würde zu höheren Kosten, einem höheren Kraftstoffverbrauch und einer speziellen Wartung führen, so der VDA. Die Initiative der verschiedenen Organisationen fordert deshalb eine steuerliche Förderung beim Kauf eines Neuwagens mit Rußfilter.

Diesel-Motor eines 7er BMW

Diesel-Motor eines 7er BMW

In der Frage der Rußverhinderung von Dieselmotoren setzt die deutsche Autoindustrie nicht auf Filter, sondern auf Technologien, die den Ruß gar nicht erst erzeugen. Diese sind aber sehr kompliziert und zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in Sicht. Das Umweltbündnis wirft VW, Audi, BMW, DaimlerChrysler und Opel eine Verweigerungshaltung in Bezug auf Dieselfilter vor, ohne wirksame Alternativen vorzuschlagen. Der Filter sei eine ausgereifte Maßnahme, um den Rußausstoß zu verhindern. Die schriftliche Forderung des Bündnisses, alle Diesel-Neufahrzeuge mit einem Rußfilter auszustatten und alte Wagen nachzurüsten, habe der VDA als "völlig unrealistisch" abgelehnt, so die Umweltvereinigung.

Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagte, er könne es nicht nachvollziehen, dass die Autoindustrie bis zum letzten Moment - zum Jahr 2005 - Dreckschleudern produzieren wolle. Erst dann wollen die Hersteller alle neuen Dieselfahrzeuge oberhalb der Golf-Klasse serienmäßig mit Partikelfiltern ausstatten. 2005 tritt die neue Grenzwertnorm Euro IV in Kraft. Diese Norm soll den Schadstoffausstoß weiter senken. Peugeot und Citroen hingegen wollen schon im nächsten Halbjahr Dieselmotoren mit Filter anbieten, die die neue Euro IV Norm erfüllen, so der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Axel Friedrich vom Berliner Umweltamt kritisierte, dass der umweltfreundliche Käufer dann genötigt werde, ein größeres Auto zu kaufen, wenn der Filter nur in Modellen oberhalb der Golf-Klasse eingebaut sei. Technisch gebe es ohnehin keinen Unterschied, da die Emissionen von kleinen und großen Fahrzeugen gleich seien.



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