Umweltzonen 2010 Freie Fahrt für saubere Bürger

Deutsche Kommunen machen Ernst: 2010 steigt die Zahl der Umweltzonen weiter. Gleichzeitig verschärfen Metropolen wie Berlin oder Frankfurt am Main die Vorschriften. SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen, in welche Innenstädte Sie künftig mit welcher Feinstaubplakette noch fahren dürfen.

Plötzlich sind sie überall. Weitgehend unbemerkt hat sich die Zahl der Kommunen mit Umweltzonen auf inzwischen 40 erhöht. Ob an der Ruhr oder in Baden-Württemberg: An den Einfahrten einer wachsenden Zahl von Innenstädten prangt inzwischen ein Schild, auf dem mehrere farbige Kreise abgebildet sind. Sie stehen für die sogenannten Feinstaubplaketten und zeigen an, wer noch in die City darf.

Übersicht über alle Umweltzonen

Baden-Württemberg hat mit nun 18 Städten die meisten Umweltzonen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 14 - vor allem im Ruhrgebiet und am Rhein von Dortmund über Recklinghausen, Duisburg nach Düsseldorf und Köln. Neue Umweltzonen sind bereits für Regensburg, Neuss und Leipzig geplant.

Bislang mussten lediglich jene Uralt-Pkw draußen bleiben, die überhaupt keine Plakette bekamen. Wer zumindest die rote Vignette besaß - in der Regel ältere Dieselmodelle -, der durfte 2009 noch in alle Umweltzonen einfahren.

Nun schalten mehrere Kommunen ihre Umweltzonen scharf. In Frankfurt am Main dürfen seit dem 1. Januar nur noch Autos in der Stadt unterwegs sein, die eine grüne oder gelbe Feinstaubplakette haben - rote müssen draußen bleiben.

Davon sind rund 8000 der 315.000 in der Stadt zugelassenen Fahrzeuge betroffen. In Berlin und Hannover dürfen im Innenstadtbereich nur noch Autos mit grüner Plakette fahren. In München tritt eine Verschärfung (Einfahrverbot für die rote Plakette) zum 1. Oktober 2010 in Kraft.

Weiterhin Streit über ökologische Wirkung

Der Nutzen der Umweltzonen bleibt freilich weiter umstritten. Der Autoclub ADAC versucht mit Gutachten zu belegen, dass die Auswirkungen auf die Luftqualität vernachlässigbar seien. In Frankfurt wurde 2009 trotz Umweltzone an zahlreichen Tagen der EU-Feinstaubgrenzwert von durchschnittlich 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft übertroffen.

Bereits vor Weihnachten registrierte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie mehr als die erlaubten 35 Überschreitungstage. "Ob die Einführung der Umweltzone bereits Auswirkungen auf die Feinstaubkonzentration in der Stadt hat, kann noch nicht verlässlich beantwortet werden", sagt Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne).

Auf jeden Fall hat die Umweltzone aber geholfen, den Fahrzeugbestand zu modernisieren. Inzwischen haben 87 Prozent der in Frankfurt zugelassenen Pkw eine grüne Plakette, gut 11.000 mehr als Anfang 2009. Bei den Nutzfahrzeugen stieg der Anteil mit grüner Plakette von 31 Prozent auf 47 Prozent.

Den aktuellen Stand in allen bereits aktiven deutschen Umweltzonen hat SPIEGEL ONLINE für Sie in der obigen Grafik zusammengefasst. Weiterführende Informationen zu Umweltzonen und Plaketten finden Sie hier:

Was genau sind Umweltzonen?

Umweltzonen sind Bereiche, meist in Stadtzentren, für die besondere Schadstoffgrenzwerte gelten und in die nur bestimmte Autos einfahren dürfen. Dadurch soll die Luftqualität verbessert werden. Insbesondere die Belastung mit sogenanntem Feinstaub soll verringert werden, der im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen steht.

Welche Autos sind von der Umweltzonen-Regelung betroffen?

Alle. Ob Durchgangsverkehr, Anwohner, Besucher oder Touristen - in Umweltzonen dürfen nur Pkw fahren, die eine Feinstaubplakette in einer der Ampelfarben (Rot, Gelb, Grün) an der Windschutzscheibe haben.

Welche Plakette man bekommt, hängt von den Schadstoffwerten des jeweiligen Autos ab. Grundsätzlich bekommen Pkw Feinstaubplaketten mit grüner, gelber oder roter Farbe. Dazu gibt es eine bundeseinheitliche Regelung.

Welche Plaketten dann in die Umweltzone dürfen, entscheiden die Kommunen. Ab Januar dürfen in einigen Städte Autos mit roter Plakette nicht mehr einfahren. Die Umweltzonen selbst sind für Autofahrer durch Schilder am Straßenrand erkennbar, die zeigen, welche Fahrzeuge in die Bereiche einfahren dürfen und welche nicht.

Ausnahmen gelten für Motorräder, Behindertenfahrzeuge und Oldtimer. Außerdem können die Städte in Eigenregie weitere Ausnahmen festlegen.

Wo gibt es Umweltzonen?

Anfang 2010 lag die Zahl der Umweltzonen bei rund 40. Besonders viele Umweltzonen gibt es in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen. Auf dieser Karte sind alle wichtigen Umweltzonen verzeichnet.

Wo bekommt man eine Feinstaubplakette?

Die runden Aufkleber kosten fünf bis zehn Euro und sind erhältlich bei den Zulassungsstellen, den Prüforganisationen TÜV oder Dekra und Autowerkstätten, die die Hauptuntersuchung durchführen. Zum Ausstellen brauchen die Prüfer lediglich die Fahrzeugpapiere.

Was ist mit Autos, die keine Plakette bekommen?

Für diese Autos besteht ein Einfahrtverbot. Betroffen hiervon sind vor allem ältere Diesel. Besitzer sollten über die Nachrüstung mit einem Rußpartikelfilter nachdenken. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe kosten diese 400 bis tausend Euro. Der Bund hat die Nachrüstung bislang mit 330 Euro bezuschusst. Die Förderung soll im Frühjahr neu aufgelegt werden.

Was droht Autofahrern, die ohne Plakette fahren?

Wer ohne Aufkleber erwischt wird, muss 40 Euro zahlen und erhält einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

hil/dpa/Reuters/APD
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