Unfallersatztarif BGH bremst Abzocke von Autovermietern aus

Ein Unfallersatzauto kann die gegnerische Haftpflichtversicherung bisher teuer zu stehen kommen. Autovermieter fordern Preise, die im Schnitt doppelt so hoch wie der Normaltarif sind. Der BGH stellt jetzt klar, dass Versicherer diese überhöhten Tarife nicht voll erstatten müssen.


Karlsruhe - Autovermieter können nicht mehr ohne Weiteres ihre meist extrem überhöhten Preise für einen Mietwagen als Ersatz nach einem Autounfall auf die Automieter oder deren gegnerische Haftpflichtversicherung abwälzen. Nach einem heute veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Autovermieter ihre Kunden "deutlich und unmissverständlich darauf hinweisen", dass die gegnerische Haftpflichtversicherung die sogenannten teueren Unfallersatztarife möglicherweise nicht in vollem Umfang erstattet.

Tun sie das nicht, bleiben die Vermieter in der Regel auf ihren überhöhten Forderungen sitzen. Es sei denn, die Kunden akzeptieren die Tarife und sind bereit, die Differenz aus eigener Tasche zu zahlen. (AZ: XII ZR 50/04)

Das Gericht bremste damit die Abzocke vieler Autovermieter aus. Laut Urteil liegt der Unfallersatztarif durchschnittlich um mindestens 100 Prozent über dem Normaltarif bei einer privaten oder geschäftlichen Anmietung. Überhöhte Preise von 200 Prozent seien "keine Seltenheit" und reichten bis zu 465 Prozent.

Im entschiedenen Fall hatte ein Autofahrer nach einem unverschuldeten Unfall für 18 Tage ein Ersatzauto gemietet und sollte dafür mehr als 2100 Euro bezahlen. Die gegnerische Haftpflichtversicherung erstattete mit Blick auf den überhöhten Tarif allerdings nur rund 750 Euro. Auf der fehlenden Differenz bleibt nun der Autovermieter laut BGH sitzen.

abl/AFP



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