Unfallstatistik 2014 Wieder mehr Tote bei Verkehrsunfällen

2014 ist die Zahl der tödlich verunglückten Menschen auf Deutschlands Straßen erstmals seit Jahren wieder gestiegen. Einige Verkehrsteilnehmer sind besonders betroffen - werden aber noch zu wenig geschützt.
Hinweisschild Verkehrsunfall: Zahl der Verkehrstoten 2014 leicht gestiegen

Hinweisschild Verkehrsunfall: Zahl der Verkehrstoten 2014 leicht gestiegen

Foto: Armin Weigel/ dpa

Wiesbaden - Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent auf 3368 gestiegen. Das sind 29 Verkehrstote mehr als 2013. Damit lag die Zahl aber immer noch auf dem zweitniedrigsten Stand seit 1950, wie das Statistische Bundesamt (Destatis)  in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Die Zahl der Verletzten stieg um vier Prozent auf rund 389.000.

Trotz ständig wachsenden Verkehrs sank die Zahl der Verkehrstoten jahrzehntelang. Im Jahr 2013 hatte sie mit 3339 den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Das schwärzeste Jahr in der Statistik war 1970 mit mehr als 21.000 Verkehrstoten in Ost und West.

Insgesamt nahm die Zahl der Verunglückten im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent zu. Wesentlich dafür waren laut den Statistikern von Destatis die Witterungsbedingungen: Insbesondere die relativ milden Wintermonate und ein sehr warmer, trockener Frühling haben zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Bei günstigen Witterungsbedingungen werde mehr und häufig schneller gefahren, so die Statistiker. Zudem seien mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Zweiradfahrer unterwegs. Dadurch steige die Schwere der Unfälle.

Beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR)  sieht man in den Witterungsbedingungen nur einen Teil der Ursache. Vor allem müsste noch mehr auf besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer eingegangen werden, so Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des DVR. Die Zahlen der Monate Januar bis November zeigten, dass rund ein Fünftel aller Getöteten im Straßenverkehr auf Motorrädern, Rollern und E-Bikes unterwegs war. Die Zahl der Verkehrstoten auf Zweirädern sei in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr teilweise im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, so beispielsweise bei Fahrradfahrern um zwölf Prozent. Deswegen müsse sich die Verkehrssicherheitsarbeit weiterhin verstärkt auf diese Gruppen konzentrieren.

Bekannte Probleme angehen

Gleichzeitig sprach sich der DVR weiter für mehr Sicherheitstechnik - gerade auch in motorisierten Zweirädern - und den Umbau gefährlicher Landstraßen aus. Gerade durch Baumunfälle seien rund 20 Prozent der Verkehrstoten zu verzeichnen; dabei wüssten Experten längst, wie Landstraßen sicherer gemacht werden könnten.

Auch die Deutsche Verkehrswacht (DVW)  sieht bei Landstraßen erhöhte Gefahr. Hannelore Herlan vom DVW sagt: "Leitplanken können Unfälle zwar nicht verhindert, aber so abmildern, dass sie in aller Regel nicht tödlich enden."

Zudem fordert der DVW mehr Aufklärung und Verkehrserziehung gerade von jüngeren Verkehrsteilnehmern. Herlan appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, bestehende Regeln einzuhalten. "Es muss wieder mehr Rücksicht genommen werden. Wer etwa bei Gelb noch einmal Gas gibt, statt zu Bremsen, handelt wenig verantwortungsvoll", so Herlau. Auch sollte an Unfallschwerpunkten wieder verstärkt kontrolliert werden - das habe nichts mit "Abzocke" zu tun, sondern erhöhe nachgewiesen die Verkehrssicherheit.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte: "Unser Ansporn muss es sein, deutsche Straßen noch sicherer zu machen." Dazu sollten auch Aufklärungskampagnen wie "Runter vom Gas" beitragen. Für die Verkehrssicherheitsarbeit des Ministeriums stünden 2015 rund 13 Millionen Euro bereit, 1,5 Millionen mehr als 2014. Die Bundesregierung hat sich selbst das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um rund 40 Prozent im Vergleich zu 2010 zu senken.

smh/dpa