Statistisches Bundesamt Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer steigt deutlich an

Im vergangenen Jahr gab es wieder mehr Unfallopfer im Straßenverkehr. Während die Todeszahl bei Fußgängern, Auto- und Motorradradfahrern sank, stieg sie bei Fahrradfahrern deutlich an.

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer ist deutlich gestiegen.
Sven Hoppe/ DPA

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer ist deutlich gestiegen.


In Deutschland sind im vergangenen Jahr 3275 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Dies waren drei Prozent mehr als im Jahr 2017, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Davon verunglückten 445 Menschen tödlich auf einem Fahrrad - 63 Radler mehr als im Vorjahr und die höchste Zahl seit 2009.

Insgesamt verunglückten 88.850 Radfahrer 2018 auf deutschen Straßen. Das sind rund 11 Prozent mehr als im Jahr davor. Unter den Unfallopfern waren auch 10.225 Kinder, das entspricht einem Plus von fast vier Prozent. Von den 445 getöteten Radfahrern waren 21 Kinder, sechs von ihnen starben durch rechtsabbiegende Lkw.

Zwar liegen die tödlich verunglückten Radler in absoluten Zahlen hinter den getöteten Autoinsassen (1424), Motorad- oder Mofafahrern (697 Tote), sowie Fußgängern (458). Allerdings sank damit die Zahl der getöteten Pkw-Insassen von 2010 bis 2018 deutlich um 22,6 Prozent, bei Fußgängern um 3,8 Prozent und bei Motorrad- und Mofafahrern nur um 1,7 Prozent. Bei Fahrradfahrern hingegen stieg die Zahlder Verkehrstoten seit 2010 um 16,8 Prozent sogar deutlich an..

Mehr Unfälle durch E-Scooter erwartet

"Täglich stirbt mindestens eine Radfahrerin oder ein Radfahrer auf unseren Straßen und alle halbe Stunde wird eine Person auf dem Rad schwer verletzt", sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC). Die häufigste Unfallkonstellation für Radfahrende seien demnach Kollisionen mit Kraftfahrzeugen beim Einbiegen, Kreuzen oder Abbiegen.

Der ADFC fordert beim Ausbau der Radinfrastruktur besonders Augenmerk auf Kreuzungen und Einmündungen zu legen. "Wir brauchen endlich eine Umgestaltung der Städte, mit durchgängigen, sicheren Radwegen und geschützten Kreuzungen, wie sie in den Niederlanden und Nordamerika bereits gebaut werden" so Stork.

Nach Einschätzung des ADFC wird sich die Unfallsituation beim Zweiradverkehr im aktuellen Jahr noch weiter verschlechtern. Denn der Radverkehr in den Städten nimmt zu, immer mehr Menschen wollen Alternativen zum Auto - und gleichzeitig wird es durch die kürzlich zugelassenen E-Scooter auf den ohnehin schon unterdimensionierten Radwegen immer enger und gefährlicher.

Jeder achte Unfalltote stirbt auf der Autobahn

Trotz des Anstiegs von 2017 auf 2018 ergibt sich auf längere Sicht laut dem Statistischen Bundesamt eine günstige Entwicklung. So sank seit 2010 die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland um 10,2 Prozent. Es gebe aber deutliche Unterschiede hinsichtlich des Unfallortes.

Landstraßen bleiben der Statistik zufolge der Schwerpunkt für tödliche Verkehrsunfälle. Mit 69 Prozent ereigneten sich zwar die mit Abstand meisten Unfälle innerhalb von Ortschaften, dort seien aber nur 30 Prozent der tödlichen Unfälle registriert worden. Auf Landstraßen gab es im Vergleich zwar nur 24,3 Prozent der Unfälle, auf diese entfielen aber 57 Prozent der tödlichen Unglücke.

Auf Autobahnen wurden demnach 6,7 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 12,9 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle gezählt- Mehr als jeder achte Unfalltote starb somit auf der Autobahn.

Höhere Geschwindigkeit, schlimme Folgen

Unfälle auf den Straßen außerhalb von Ortschaften haben unter anderem wegen der höheren Fahrgeschwindigkeiten schlimmere Folgen als auf Straßen innerorts. Auf Landstraßen kommen weitere Risikofaktoren wie die fehlende Trennung zum Gegenverkehr, schlechte Überholmöglichkeiten, Kreuzungen oder ungeschützte Hindernisse wie Bäume neben der Fahrbahn hinzu.

Das Statistische Bundesamt hatte bereits im Februar eine Jahresbilanz vorgelegt, diese berücksichtigte aber nur Zahlen bis November - nun hat es die endgültigen Zahlen verkündet.

cfr/AFP

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MikelFriess 09.07.2019
1. Ein wenig panisch
die Diskussion. Statistisch ist klar: Wenn mehr Radfahrer unterwegs sind, ist die Chance in einen Unfall verwickelt zu werden entsprechend höher. Aber um da Abhilfe zu schaffen könnte man vielleicht mal drüber nachdenken ob ein Radfahrer an einer Ampel wirklich an einem stehenden PKW vorbei fahren muss um dann bei Grün geradeaus zu fahren. Ja, sie haben das Recht dazu, aber muss ich das mit aller Gewalt erzwingen?
magic88wand 09.07.2019
2. Immer schnellere Radfahrer
Was ich beobachtet habe ist, dass Fahrräder immer schneller im dichtem Stadtverkehr unterwegs sind. Teils so schnell, dass sie Tempo 30 nicht mehr einhalten. Neulich wurde ich erstmals Zeuge eines schweren Fahrrad-mit-Fahrrad-Unfalls und habe diesbezüglich vor Gericht eine Aussage gemacht.
clubmate 09.07.2019
3. Zusammenhang mit Pedelec-Boom?
Wäre interessant zu erfahren, wieviele Pedelec-Fahrer unter den Opfern sind und ob ihr Anteil höher als der Pedelec-Anteil und den Rädern liegt. Weiterhin würde ich vermuten dass das Alter der Opfer unter den Pedelec-Fahrern signifikant höher liegt als der Durchschnitt. Meine Spekulation geht dahin dass Pedelecs betagten Fahrern eine höhere Geschwindigkeit erlaubt als sie durch reine Körperkraft noch erreichen und das kombiniert mit einer schlechteren Reaktionsfähigkeit im Gefahrenfall.
hans-rai 09.07.2019
4. Bei jeder Fahrt brenzlige Situationen...
...erlebe ich täglich. Selbst auf dem 5 km langen Weg von zuhause in die City Bergedorf erlebe ich mindestens 3-5 brenzlige Situationen. Und es sind immer wieder die oft geschilderten Ereignisse: Fußgänger, die ohne zu gucken auf den Radweg schlendern, freihändig auf der falschen Seite entgegenkommende Radfahrer, meist noch nebeneinander, Handy am Ohr, abbiegende Fahrzeuge, die nicht Acht geben, überwiegend Lieferfahrzeuge von Paketdiensten, die auf dem Radweg parken. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Auf Touren außerhalb der Stadt dagegen geht es entspannt zu. Man grüßt sich und verständigt sich mit Blickkontakt. Es geht, wenn man will - auch in der Stadt, da allerdings wohl nicht immer. Bei meinen 7-8 000 km auf dem Rad im Jahr kommt wirklich einiges an Nerven zehrenden Situationen zusammen. Ein erfolgreiches Konzept für unsere engen und verbauten Innenstädte sehe ich bisher leider nirgends.
Naturrecht 09.07.2019
5.
Ich glaube der Anstieg der Fahrradunfälle ist auf den warmen und auch trockenen Sommer von 2018 zurückzuführen. Je mehr Fahrradfahrer unterwegs sind desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die absolute Menge an Fahrradunfällen steigt. Es wäre übrigens schön, wenn SPON auch die Standardabweichungen dazu nennen würde. Damit wäre es einfach zu prüfen, ob die Schwankungen in der Unfallstatistik nicht auf Rauschen zurückzuführen sind. Ebenso wäre eine Vergleichsgröße interessant, beispielsweise, wie viele Fahrräder 2017 im Vergleich zu 2018 verkauft wurden, um so de Anzahl an Fahrradfahren zu schätzen.
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