Unterwasserauto Tiefenrausch à la 007

An Kuriosem herrscht im Kosmos von Frank M. Rinderknecht kein Mangel. Beim Genfer Autosalon geht der Chef der Schweizer Firma Rinspeed nun sogar unter Wasser: Im Geiste von James Bond baut er das erste Tauchauto der Welt.


Hört man Frank M. Rinderknecht zu, scheint Marktforschung so einfach zu sein. "Wenn man zehn Menschen nach ihren bevorzugten Fähigkeiten für das ultimative Auto fragt, denn werden die Antworten immer gleich sein: Die einen wollen fliegen, die anderen tauchen", sagt der Chef der Schweizer Tuningfirma Rinspeed.

Das mit dem Fliegen werde schwierig, solange man an ein Auto und nicht an eine Cessna mit vier Rädern denke, räumt Rinderknecht ein. "Die Sache mit dem Tauchen hat dagegen seit dem James-Bond-Film 'Der Spion der mich liebte' jeder im Kopf."

Allerdings hat die mittlerweile 30 Jahre alte Filmszene mit dem abgetauchten Lotus Esprit von 007 Roger Moore einen entscheidenden Haken: Sie war nur eine Animation. Das ergibt Spielraum für den phantasievollen Schweizer, der die Großserienhersteller alljährlich auf dem Genfer Autosalon mit ausgeflippten Studie düpiert.

Der Traum vom Tauchen wird wahr

"Es ist an der Zeit, dass mal ein Autobauer den Traum vom Tauchen wahr macht", sagt Rinderknecht und wirbt drei Monate vor der Messepremiere schon mal für seine neue Studie: den sQuba. Geld verdienen wird er damit nicht. "Wie seine Vorgänger bleibt der sQuba wohl ein exklusives Einzelstück", heißt es im Begleitschreiben. Aber die Aufmerksamkeit der Branche ist Rinderknecht mal wieder sicher.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Spider im Stil des Lotus Elise ist trotz umweltfreundlichem Elektroantrieb mehr als eine Schweizer Antwort auf den Tesla Roadster. Schon auf der Straße ist der offene Zweisitzer jedem Serienfahrzeug voraus: Der sQuba fährt auf Knopfdruck autonom.

Mit der Hilfe von Sensoren, Lasern und leistungsstarker Elektronik soll das 3,79 Meter lange, 1,82 Meter breite aber nur 1,12 Meter hohe und lediglich 920 Kilo schwere Gefährt auch ohne Fahrer und Beifahrer den Weg durch die Stadt finden, stellt der Tüftler in Aussicht.

Jetturbinen sorgen für Vortrieb unter Wasser

Kreuzt das Fahrzeug einen Flusslauf, ist das kein Grund zum Umkehren. Genau wie die mittlerweile vier Jahre alte Rinspeed-Studie Splash kann die blassblaue Flunder schwimmen. Nur ein Schalter muss umgelegt werden, dann geben die sechs Batteriepacks ihren Strom nicht mehr an den 50 PS starken Elektromotor an der Hinterachse ab, sondern an zwei kleine Propeller, die anstelle der Auspuffrohre aus der Heckschürze ragen.

James-Bond-Film "Der Spion. der mich liebte" (1977): Traum vom Unterwasserauto als Simulation
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James-Bond-Film "Der Spion. der mich liebte" (1977): Traum vom Unterwasserauto als Simulation

Autos, die schwimmen können, hat es schon häufiger gegeben. Rinderknecht geht einen Schritt weiter beziehungsweise tiefer: Auf Wunsch taucht der sQuba ab. Angetrieben von zwei ebenfalls elektrischen Jet-Turbinen im Frontmodul, taucht der Wagen bis zu zehn Meter tief unter die Wasseroberfläche.

Allein: Weil der Widerstand im Wasser etwa dreißigmal größer sei als an der Oberfläche, werde es dort trotz strömungsgünstig geformter Karbonkarosserie nur für eine Geschwindigkeit von vier oder fünf Stundenkilometern reichen, sagt der Rinspeed-Chef, der sonst eher in anderen Tempobereichen hantiert, unter anderem mit Porsche-Tuning gutes Geld verdient.

Strom und Sauerstoff für eine Stunde Tauchfahrt

Der Strom für die Turbinen und der über Masken bereitgestellte Sauerstoff für die beiden Insassen reichen für gut eine Stunde Tauchfahrt. Wer nicht gerade quer durch den Genfer See blubbern möchte, kommt mit diesen Reserven schon recht weit.

Die ersten offiziellen Bilder vom sQuba sind zwar Animationen und damit keinen Deut besser als die geistige Vorlage aus dem James-Bond-Film. Doch gebe es das Fahrzeug längst auch in der Realität, sagt Rinderknecht. "Wir haben geschuftet, geschwitzt, gefroren", sagt er in Erinnerung an frostige Testfahrten zu Lande und zu Wasser.

Diese Woche geht Rinderknecht mit dem sQuba zum ersten Mal auf Tauchstation. In vier Grad kaltem Wasser muss der Wagen beweisen, ob er wirklich dicht hält. Rinderknecht glaubt fest daran, dass seine Studie bis zur Premiere in Genf fertig wird. Schließlich gelang es ihm bislang immer, seine Innovationen pünktlich zu präsentieren.

Ganz festlegen will er sich da aber noch nicht: Wenn man in den nächsten Wochen nichts mehr von ihm höre, sei das Projekt vermutlich buchstäblich baden gegangen.



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